W wie… Winterwollpulli!

Norweger Strick Pullover | Moritzwerk

Vor vielen, vielen Jahren hat eine Frau versucht, ihrer Tochter das Stricken beizubringen. Immer und immer wieder beobachtete die Tochter die flinken Finger ihrer Mutter und war begeistert von den einzelnen Maschen, die sich irgendwann zu einem Großen und Ganzen zusammenfügten. Doch jeglicher Versuch, es der Mutter nachzumachen, gipfelte in wütend durchs Zimmer fliegenden Stricknadeln und vollkommen verhedderten Wollknäulen. Egal wie lange und geduldig die Mutter eine rechte Masche nach der anderen vorführte, die Tochter war stricktechnisch völlig talentfrei. Die Mutter ist meine. Und da ich nur einen Bruder habe, bin die Tochter wohl ich… Und trotzdem zeige ich euch heute einen (MEINEN!) ersten tragbaren SELBSTGESTRICKTEN Pullover!

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Wolle als Material und Stricken als Handwerk haben mich tatsächlich nie wirklich losgelassen. Irgendwann – es muss während meiner entspannten Studentenzeit gewesen sein – habe ich begonnen, die verknoteten Fäden in  meinem Kopf zu entwirren. Nach und nach entstanden kleine (sinnlose) Strickstücke, irgendwann die ersten tragbaren Schals und Mützen. Dann eine Weste. Und während meiner ersten Schwangerschaft habe ich unglaublich viele kleine Babysachen gestrickt. Das geht so schön schnell und ist so niiiiiedlich. Ähem.

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Und nun ist da also dieser wunderbar warme Winterpulli aus watteweicher (Alpaka-)Wolle. Was es mit dem W auf sich hat? Das kommt von Selmin vom Blog Tweed and Greet. Gemeinsam mit anderen Bloggern hat sie die #12lettersofhandmadefashion ins Leben gerufen und der Januarbuchstabe ist eben das W. Das Projekt fand ich auf Anhieb spannend, obwohl es gerade so gar nicht in den Zeitplan passen wollte. Aber für 2016 ist es mein erklärtes Ziel, den Großteil meiner Garderobe selbst anzufertigen. Selfish Sewing/Knitting, yeah!

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Und so habe ich eine Zeitlang über dieses W gegrübelt. Was kann man bloß nähen, das mit einem W zu tun hat, dachte ich mir während meines (fast) allabendlichen, winterlichen Stricknadelschwingens. Und dann… warte mal… es heißt doch handmade, nicht mitdernähmaschinegenäht. Yeah! Stricken ist definitiv erlaubt. Und so habe ich ein UFO aus dem Strickkorb ausgegraben, das mir bei dem hiesigen plötzlichen Wintereinbruch nun beste Dienste leistet.

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Nicht dass ihr denkt, ich hätte diesen Wolltraum in den letzten paar Wochen seit Bekanntgabe des Januar-Ws mal eben locker-flockig vom Saum bis zum Rollkragen fertig gestrickt. Nein! Ich stricke nach wie vor sehr, seeehr, seeeeehr langsam. Die Maschen für diesen Pullover habe ich tatsächlich schon vor fast anderthalb Jahren angeschlagen. Als er dann fast fertig war, war der Winter plötzlich und unerwartet vorbei. Das war im Mai. Und damit wanderte der Pulli als UFO (für alle Nichtstricker = UnFinishedObject) in den Strickkorb und geriet in Vergessenheit. Bis zu Selmins W. Dank dir, Selmin, trotze ich jetzt den Schneemassen in meinem warmen und weichen Wollpullover!

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Für alle Strickwütigen jetzt noch die technischen Fakten: Das Strickmuster ist aus der Filati Handstrick Ausgabe 57, Modellnummer 56. Gestrickt aus ca. 500 Gramm Lima von Drops, bestellt über lanade.

Ich habe den Pulli in Runden statt wie angegeben in Reihen gestrickt, weil ich zusammennähen schrecklich finde (das dauert so lange!) und überall ein bisschen verlängert. Insgesamt ist der Pullover jetzt eher hüftlang, der Kragen ist ein richtiger dicker Rollkragen statt eines Turtlenecks und die Ärmel machen Handschuhe überflüssig (man könnte auch sagen, sie sind zu lang). Die Passform eines solchen Norweger-Pullovers finde ich gewöhnungsbedürftig, weil die Schultern nicht richtig ausgearbeitet sind. Das geht vermutlich besser. Sollte ich noch einmal auf die Idee kommen, einen Norweger zu stricken, dann auf jeden Fall ein Top-Down-Modell. Im Strickmuster ist übrigens ein kleiner Fehler, der mir selbst erst jetzt im Fotofinish aufgefallen ist (siehe Bild 6): Im Zählmuster fehlen die kleinen Plusse zwischen den großen Ikksen. Wären sie eingezeichnet gewesen, hätte ich vielleicht weniger Mühe mit den Spannfäden gehabt… Naja.

Ach, und falls sich jemand fragt: Die Mütze ist frei Schn*** gestrickt aus ein paar Gramm Isager Tvinni, das ich mal bei Strickpunkt gekauft habe. Die Isager Garne sind so schön, aber leider sehr fein, was bei solchen Langsamstrickern wie mir leider nur zu UFOs führt… Also, Selmin, falls du oder deine Kollegen mal ein S ziehen, ich hätte da noch ein unvollendetes Sommertop aus Isager Spinni in meinem Strickkorb liegen…

Ulrike

Verlinkt beim Me Made Mittwoch

26 Kommentare

  1. Hallo Ulrike,
    der Pulli ist der Hammer – einfach toll.
    Ich würde mich freuen, wenn Du ihn auch auf meine Blogparty – Gehäkeltes & Gestricktes (rechter Button auf meinem Blog) verlinken würdest.
    LG – Ruth

    • Moin Ruth, ich freue mich, dass dir mein Norweger gefällt… ich hab ihn direkt in deiner Linkparty verlinkt.
      Herzliche Grüße, Ulrike

  2. Dein Pulli ist sooo klasse!!! Tolles Muster, harmonische Farbwahl, und wenn er so kuschlig ist, wie er aussieht, würde ich ihn wahrscheinlich gar nicht mehr ausziehen 🙂

    LG Nicole

    • Danke, Nicole! Er ist wirklich sehr weich und hält richtig warm. Solange das Wetter so winterlich bleibt, werde ich einfach in meinem neuen Norweger „wohnen“…
      Herzlichst, Ulrike

  3. Oh, alles selbstgestrickt! Wahnsinn! Du hast meine Hochachtung. Über Socken für mich oder meine Kinder bin ich nie hinaus gekommen. Toll!
    Liebe Grüße Epilele

    • Danke! Aber Sockenstricken ist nicht zu verachten… so eine Ferse muss auch erstmal sauber gestrickt werden! Dagegen ist mein Norweger mit fast nur rechts und ein bisschen links doch ein Klacks! ;o)
      Herzlichst, Ulrike

  4. Wow! Der Pullover ist toll! Die Länge finde ich perfekt, ich mag es im Winter leicht oversized. Und das pink gibt einen tollen Kontrast zum grau. Richtig, richtig schön!
    Überhaupt ein toller Blog. Ich folge dir jedenfalls ab jetzt gern auf deinem Weg und bin gespannt, was da noch so kommt.
    Liebe Grüße, Lena

    • Hallo Lena! Ich freu mich riesig, dich hier begrüßen zu dürfen! Habe auch schon das eine oder andere Mal bei dir „reingeschaut“… :o)
      Ein kurzer, kastiger Wollpulli dieser Dicke macht für mich auch wenig Sinn. Da stünde man ja bei jedem Bücken/ Strecken/ Kinderhochheben halb nackig da. Muss nicht sein. Erst recht nicht im Winter.
      Bis bald! Ulrike

  5. … ein wirklich wunderschöner Pulli, nach so einem Strickwerk darf man sich aber nicht mehr als Anfänger bezeichnen ;))….genau richtig für das Wetter!!
    herzlich, marit

    • Hallo Marit, danke für deine Worte! Du hast vermutlich Recht, nach gut zehn Jahren „Strickkarriere“ bin ich wohl keine Anfängerin mehr. Andererseits, wenn ich so sehe, was andere zaubern und noch dazu in kürzester Zeit… Da gibt’s noch Luft nach oben und das ist gut so. Herzlichst, Ulrike

  6. Wow was für ein toller Pulli. Der sieht richtig schön warm und kuschlig aus und steht Dir super.
    Ein tolles Werk.
    Liebe Grüße Lysann

  7. Wow.
    Der Pulli ist toll.
    Richtig toll.
    Und voll das riesen Strickprojekt. Und ich bewundere dich dafür, dass Du das fertig gestellt hast!
    Ich bin auch so eine von den langsamstrickern und habe noch keinen Pulli oder Jacke fertig gestellt, bin seit Juni dabei ein taillenkurzes Jäckchen zu stricken.
    Alles Liebe, Freja.

    • Oh, danke, Freja! Ich klopfe mir auch auf die Schulter, dass dieses Projekt nach „nur“ anderthalb Jahren tatsächlich FERTIG ist! Yippie! Party!!! Seitdem ich nähe, weiß ich, wie schnell ein Kleidungsstück fertig sein kann. Das macht Stricken vergleichsweise unattraktiv. Dennoch liebe ich Wolle. Und mittlerweile auch den Prozess des Strickens. Ein Gläschen Wein, ein guter Film und ein nicht zu anspruchsvolles Projekt. Hach. Und – zack – anderthalb Jahre später…
      Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem Jäckchen! Durchhalten! Bis bald, Ulrike

  8. Voll der schöne Pulli!!!! Ich bewundere echt alle, die so toll stricken können!!! Ich kann es leider gar nicht:o/
    Liebe Grüße,
    Kirsten

  9. Dein Pulli ist der Hammer. Sehr genial und er sieht schon so schön kuschlig aus. Sehr schöne Fotos außerdem.gefällt mir alles sehr.
    Alles Liebe Claudia

  10. Hallo Ulrike,
    ich stecke gerade noch in der „Stricken für Babys-Phase“. 😉 An so etwas großes, wie einen Pulli habe ich mich noch nie gewagt. Er ist sehr schön geworden! Da kannst du wirklich stolz drauf sein!!
    Herzlicher Gruß
    Carmen
    PS: Ein toller Vorsatz, deine Garderobe 2016 weitestgehend selbst zu produzieren. Bin daher gespannt auf weitere Ergebnisse.

  11. Ein toller, todschicker Pulli mit Neidfaktor – finde ich unglaublich gelungen!
    Viel Erfolg bei Deinem Vorhaben mit der Kleidung – bei mir überwiegt doch die Kaufkleidung im Schrank. Das ist ja mal eine Ansage, den Hauptteil selbst zu machen. Viel Glück!

    LG
    Katrin

  12. Pingback: 12 Letters of Handmade Fashion: Wind & Wetter Parka und W wie Watt 'ne Sause ⋆ Tweed & GreetTweed & Greet

    • Hm… mit um die 10 Grad (plus) ist es jetzt fast schon zu warm. Wenn es wenigstens trocken wäre, dann könnte ich ihn als Jackenersatz tragen. Aber so… der nächste Winter kommt bestimmt! ;o)
      Herzlichst, Ulrike

  13. Wunderschön! Und genau mein Beuteschema. An das mehrfarbige hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut, meine bisherigen Versuche haben immer zu kurze oder viel zu lange Spannfäden gehabt und dann wirds ungemütlich. Aber vielleicht versuch ich es doch nochmal, sonst wird das nie was mit dem wunderschönen Longpulli…

    Liebe Grüße,
    Anke

  14. Wow, dein Pulli ist mehr gester schon bei Selmin begegnet und ich hatt grad keine Zeit da genauer zu schauen. Der ist so hammermäßig super schön. Wahnsinn, denn würd ich dir sofort klauen, denn das sind auch genau meine Farben und er ist einfach nur traumhaft. Aber ich bin eine sowas von langsame Strickerin, dass ich so ein Mammutprojekt leider nicht angehen werde.
    Viele liebe Grüße
    Christine

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