Ein Upcycling Projekt und seine Folgen

Stoffmustertafel

Vor einigen Tagen kullerte mir beim Öffnen meines Kleiderschrankes eine ältere gar nicht so alte Hose von mir vor die Füße. Ich glaube, sie war mal Rostrot. Aber nur bis zur ersten Wäsche. Seither ist sie rosa und wurde nur noch im Notfall (= alle Jeans sind in der Wäsche) getragen. An der Farbe hätte man wohl noch etwas ändern können, aber der Schnitt war auch nicht so das Wahre. Eine ausgesprochene Stehhose mit Maurerdekolleté-Alarm beim Hinsetzen/Bücken/Fahrradfahren etc. Spontan beschloss ich, die Hose meiner Großen zu vererben. In ihrem Schrank herrscht derzeit Dank Schmuddelwetter und Wachstumsschub ohnehin ein akuter Hosennotstand. Also wurde aus der Hose in Größe 38 eine Hose in Größe 110. Aber das war nur der Anfang, denn dieses kleine Upcycling-Projekt schlug ungeahnte Wellen in meinem Kopf und in meinem Kleiderschrank.

03_Upcycling

Ich muss zugeben, dass ich Kleidungstechnisch eigentlich eher so die Aufheberin bin. Ich habe schließlich zwei kleine Kinder, einen großen Garten und eine Dauerbaustelle im Haus, da kann man jede Menge Schmuddelklamotten gebrauchen. Aber irgendwie ergriff mich nach meinem kleinen Hosenprojekt ein Anfall von Frühjahrsputzwahn und ich sortierte ziemlich rigoros alles aus meinem Kleiderschrank aus, was entweder

  1. nicht mehr passt,
  2. nicht mehr gefällt,
  3. nicht mehr intakt ist oder
  4. lange nicht mehr getragen wurde.

Ein paar Ausnahmen habe ich für Punkt 4 gemacht. Schließlich gibt es ein paar Kleidungsstücke, an denen mein Herz hängt, auch wenn es schon ein paar Jahre her ist, dass ich sie ausführen konnte. Mein Partykleid zum Beispiel. Oder mein Tweedkleid. Auch meine Jeansjacke gehört dazu. Dieses Jahr probiere ich es nochmal mit ihr.

Auch bei Punkt 3 gibt es ein paar Ausnahmen. Meine Lieblingsshirts haben nämlich sehr gelitten und müssten eigentlich aussortiert werden. Aber vorher will ich die Schnitte abnehmen und mir neue nähen. Dann kommen sie weg. Ich schwöre!

Das ist tatsächlich alles, was übrig geblieben ist (nicht wundern: die Jeans sind alle in der Wäsche – Schmuddelwetter und so):

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Ich glaube, ich hätte teilweise noch strikter aussortieren können. Aber manchen Teilen möchte ich doch noch eine Chance geben, bis sie sich bewährt haben oder durch neue Kleidungsstücke verdrängt werden. Trotzdem fühlt es sich schon sehr aufgeräumt und übersichtlich an. Ich bin tatsächlich ziemlich stolz auf mich und irgendwie ganz erleichtert!

Einige Teile, die zum Wegschmeißen zu schade oder zum Spenden ungeeignet waren, sind in einer Upcycling-Schublade gelandet und werden nach und nach zu Kinderklamotten umfunktioniert. Geht immer. Dann gab es noch ein paar Teile, die ich kurzfristig ändern und wieder in den Schrank integrieren möchte. Ein Kleid kürzen, die Knieprobleme eine Jeans beseitigen oder ausgeleierte Bündchen erneuern.

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Beim Aufräumen ist mir aufgefallen: Ich trage inzwischen sehr viel Grau und Schwarz. Das ist doch schon die pefekte Basis, denn nichts lässt sich besser kombinieren. Mit ein paar Klecksen Gelb, Blau und Pink ergeben sich doch sehr alltagstaugliche Outfits. Und die Erkenntnis: Rot mag ich gar nicht (an mir) und beige steht mir nicht. Braun nur in Maßen. Ein paar Dinge fehlen mir aber auch noch: ein nicht schwarzes Freizeitkleid zum Beispiel, weiße Oberteile und ein neuer Hoodie.

Und plötzlich war ich gedanklich beim nächsten Thema: Was muss ich tun, welche Kleidungsstücke muss ich nähen, welche Stoffe muss ich verwenden, damit mein Kleiderschrank so schön übersichtlich bleibt, wie er ist? Aus Stoffresten habe ich mir daraufhin eine Mustertafel gebastelt, auf der ich Stoffe sammle, die mir gefallen und die in mein Konzept passen. Sie steht nun mahnend auf meinem Schreibtisch und wacht über meinen Stoffkonsum, wenn ich mal wieder übereifrig diverse Warenkörbe gefüllt habe.

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Mal sehen, ob und wie mein Konzept funktioniert. Austoben kann ich mich ja weiterhin bei den Kinderstoffen. Meinen Töchtern kann es kaum bunt und schrill genug sein. Aber die müssen ihre Sachen ja auch nicht länger als eine Saison tragen. Capsule Wardobe gilt also erstmal nur für mich.

Ich hoffe, ich konnte euch meine diffusen Gedankengänge einigermaßen klar vermitteln. Insgesamt ein schwieriges Thema, das wohl auch Bücher füllen könnte. Es ist mir in letzter Zeit auf diversen Blogs begegnet (schaut mal bei Lena, Elke und Sindy vorbei) und scheint aktuell wieder einige Nähnerds (zum Beispiel Carolin von The Blogbook oder Ute von Schneiderherz) zu beschäftigen. Aber für heute will ich es mal gut sein lassen, sonst wird das nichts mehr mit der Verlinkung beim Creadienstag

Wie seht ihr das Thema? Seid ihr eher Horter oder eher Ausmister? Habt ihr Schrankleichen? Wenn ja, warum? Nach welchen Kriterien kauft ihr neue Stoffe? Und warum macht man so etwas eigentlich?

Ich jedenfalls habe jetzt viel Platz und noch viel mehr Ideen für neue Projekte fürs #selfishsewing!

Ulrike

12 Kommentare

  1. Wow! Tolle Idee mit der Farbtafel! Und den Kleiderschrank ausmisten müsste ich auch mal dringend … ich glaube, da würd dann auch nicht viel übrig bleiben … nur bei den etwas schickeren Sachen find ich es immer schwierig. Man zieht sie zwar sehr selten an, aber irgendwann gibt es dann doch wieder den passenden Anlass …

    Und die Mini-Upcycling-Jeans ist auch echt süß 🙂

    Liebe Grüße
    Kristina

    • Ja, mit den schickeren Kleidungsstücken, die man für einen bestimmten Anlass gekauft/genäht hat, ist das so eine Sache. Teilweise glaube ich, dass man auch schickere Sachen ruhig häufiger mal im Alltag tragen sollte. Das geht sicherlich nicht mit jedem Teil (in der Abendrobe auf dem Fahrrad zur Kita fahren *lach*), aber das eine oder andere lässt sich bestimmt ganz lässig kombinieren…
      Aber ich finde dieses Ausmisten ganz dringend empfehlenswert! Es fühlt sich einfach wahnsinnig gut an, wenn man es geschafft hat.
      Herzlichst, Ulrike

  2. Liebe Ulrike,
    ein sehr spannendes Thema hast du dir da ausgesucht. Das Thema capsule wardrobe begleitet mich jetzt seit einem Jahr. Im Januar letzten Jahres initiierte ich zusammen mit Elke (ellepuls) und Sindy (meingewissesetwas) das Projekt #myspringessentials, in dem wir unsere capsule wardrobe für den Frühling 2015 aufbauten. Seit dem 1.4.2015 lebe ich nun mit meiner mittlerweile dritten capsule (#myspringessentials, #mysummeressentials und nun #myfallessentials, die auch zu den winteressentials wurden) und bin sehr sehr glücklich darüber. Auf unseren Blogs kannst du einiges darüber nachlesen, wenn du Lust dazu hast. Deine Herangehensweise finde ich gut, dein Schrank schaut ja auch schon ganz harmonisch aus finde ich.
    Ich wünsche dir viel Spaß auf diesem spannenden Weg,
    liebe Grüße, Lena

    • Hallo Lena, eure Essentials-Serie kenne (und liebe) ich natürlich und sicherlich war mein Post auch wesentlich davon beeinflusst. Allerdings war ich letztes Jahr noch nicht soweit, mir wirklich ersthaft Gedanken darüber zu machen. Das kam eigentlich erst mit der Feststellung, dass ich TATSÄCHLICH in der Lage bin tragbare (!) Kleidung für mich selbst zu produzieren und nicht nur Kinderklamotten. :o)
      Wie sieht es denn aus, werdet ihr auch dieses Jahr wieder über eure Springessential berichten? Hat sich da was getan?
      Herzliche Grüße, Ulrike

      • Liebe Ulrike,
        dass du uns verlinkst war gar nicht, was ich erreichen wollte 😮 Trotzdem Danke dafür!
        Bei mir wird es sicher wieder was zu den #myspringessentials geben beziehungsweise zum Thema ein Jahr capsule wardrobe. Aber wir haben (noch!?) keine ganze Serie oder so geplant, die wir daraus machen wollen.
        Bei mir läuft das Projekt definitiv weiter. Ich bin total glücklich mit meiner kleinen feinen Garderobe. Und zu nähen gibt es trotzdem genug, Teile aussortiert werden immer, die ersetzt werden wollen.
        Ich finde es auch ganz wunderbar, wenn man sich selbst genau das Teil nähen kann, das man sich vorstellt. Und mittlerweile kann ich kaum mehr im Laden shoppen, weil ich immer denke: aber das würdest du anders machen. Nein, das ist nicht perfekt. So kriegt man es halt nur selbstgenäht hin!
        Liebe Grüße, Lena

  3. Ausmisten ist immer gut und die Hose für Deine Maus ist echt toll geworden! Hast Du Knopfleiste und Reißverschluss so von Deiner Hose übernommen und einfach obenrum enger genäht? Sieht so professionell aus. Ich mach bei Hosen oben immer n Bündchen dran, die Faulheit siegt 😀
    Ausmisten tu ich auch regelmäßig. Leider bin ich ein großer Freund des Jojoeffekts und hab daher immer wieder Sachen im Schrank die wahlweise zu groß oder zu klein sind 😛
    Schrankleichen kommen bei mir eher bei Schuhen vor. Ich kaufe nicht so häufig Schuhe und denke immer „och, die sind doch noch gut“. Die Ältesten sind aber glaube ich meine DocMartens. Irgendwie kann ich mich von diesen Schuhen nicht trennen, obwohl ich sie schon Jahre nicht mehr anhatte. Vielleicht wird es langsam mal Zeit…
    Liebe Grüße, Sandy

    • Hallo Sandy, nach langer Funkstille jetzt endlich mal meine Antwort auf deine Frage: Ich habe es zum Glück geschafft, den Reißverschluss „original“ zu übernehmen. Den Bund habe ich dafür komplett abgetrennt, die Seiten rechts und links aufgetrennt und in der richtigen Größe wieder zusammen genäht und dann den Bund gekürzt wieder angenäht. An eine richtige Hose mit allem Pipapo habe ich mich nämlich noch nicht heran getraut. Ich werde das demnächst mal bei einer Kinderhose üben. Es wird Zeit, mal wieder etwas neues zu lernen! 😉
      Ganz liebe Grüße, Ulrike

  4. Wunderbar, die #myspringessentials und Folge- und ähnliche Projekte scheinen ja immer weitere Kreise zu ziehen – gut so! Feiner Bericht, gute Idee mit den Stoffstücken an der Wand. Bei mir geht’s jetzt auch bald los mit Schrank ausmisten, Sachen wegwerfen, ändern, upcyceln und neu nähen. Ich freu mich schon richtig drauf, auf mehr Luft im Schrank und im Kopf. lg, Gabi

  5. Ha! Ich bin ein guter Ausmisten! Wenn du mal Unterstützung brauchst…. 😉 Nein, mir fällt es nicht wirklich schwer mich von Sachen zu trennen. Mein Motto: Was du die vergangenen zwei Jahre nicht getragen hast oder brauchtest, fliegt raus. Das tut echt gut und ist absolut befreiend. Ich habe lieber weniger als zu viel im Schrank. Tja, jeder ist anders. Mein Mann und mein Sohn sind dafür das Gegenteil. 🙂 Ganz liebe Grüße und einen schönen Tag dir, Michaela

  6. Pingback: J wie… Jogginghose Jenna aus Jeans-Jersey – Moritzwerk

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