Eine Wimpelkette nähen {Tutorial}

Wimpelkette nähen | Anleitung | ein Tutorial von Moritzwerk

Letzte Woche habe ich endlich ein Projekt umgesetzt, das schon lange in meinem Kopf schlummerte: Ich habe die allererste Wimpelkette meiner Nähkarriere genäht! Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?! Und weil ich vom Ergebnis (das jetzt übrigens im Kinderzimmer der Tochter einer lieben Freundin hängt) so begeistert war, habe ich mich sofort noch an ein zweites Exemplar für meine beiden Mädels gesetzt. Die einzelnen Schritte habe ich dabei fotografisch festgehalten und ein kleines Tutorial geschrieben für alle, die auch mal eine Wimpelkette nähen wollen. Dieses Projekt ist auch für absolute Anfänger geeignet. Kommt mit, ich zeige euch meinen Trick…

01_Wimpelkette

Eines gleich mal vorneweg: Die alten Nähhasen unter euch dürfen ruhig direkt bis nach unten scrollen und meine zugegebenermaßen sehr detaillierte Anleitung gern überspringen. Ich wollte das Tutorial möglichst anfängergeeignet gestalten.

Anleitung: Wimpelkette nähen

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Alles was ihr braucht sind zwei Fat Quarter von einem Webstoff eurer Wahl und drei Meter Schrägband. Fat Quarter sind für gewöhnlich 50 Zentimeter hoch und 55 Zentimeter breit. Ich habe hier einen Stoff von Cotton & Steel und einen von Art Gallery verwendet. Mit der nachfolgend beschriebenen Methode gibt es besonders wenig Verschnitt und man kann sehr sauber arbeiten.

(1) Auf der Rückseite von einem der Stoffe mache ich mir folgende Markierungen: die längeren Seiten teile ich in Drittel und markiere diese mit Schneiderkreide (mein Fat Quarter hatte hier einen breiten Rand, den ich nicht verwenden konnte, daher liegen die Markierung bei [0 | 17,5 | 35 | 52,5] Zentimeter).

(2) Jetzt verbinde ich die jeweils schräg gegenüberliegenden Markierungen. Also die erste am unteren Rand mit der zweiten am oberen Rand und die erste am oberen Rand mit der zweiten am unteren Rand usw.

(3) Dann wird längs die Mitte markiert und ihr solltet ein Muster haben, das so aussieht (siehe Foto). Hier könnt Ihr bereits die Form der fertigen Wimpel erkennen. Sie werden ca. 24 Zentimeter hoch und 16 Zentimeter breit sein – insgesamt 10 Stück.

(4) Als nächstes werden beide Fat Quarter rechts auf rechts genau aufeinander gelegt…

(5) …und mit Stecknadeln aneinander fxiert, sodass nichts mehr verrutschen kann. Steckt die Nadeln am besten mitten auf die Dreiecke und nicht auf die aufgezeichneten Linien, da links und rechts der Linien die Nähte verlaufen werden.

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(6) Und nun wird schon genäht. Gestartet wird am Dreieck oben rechts am rechten Rand der kurzen Dreieicksseite. Wählt eine mittlere Nadelposition und einen Geradstich aus und setzt den Nähfuß direkt links neben eure Markierung (die weiß gepunktete Linie im Bild). Verriegelt die Naht mit einigen Stichen vor und zurück. Näht nun geradeaus bis fast zur Spitze des Dreiecks. Die Naht (die blau gestrichelte Linie im Bild) ist immer eine Nähfüßchenbreite (ca. 7 Millimeter) vom Strich entfernt .

(7) Wenn Ihr ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Linien angekommen seid, stoppt Ihr die Naht, hebt das Nähfüßchen an, lasst dabei die Nadel im Stoff und dreht den Stoff…

(8) …senkt das Nähfüßchen wieder ab und näht nun an der anderen Dreiecksseite nach oben. Verriegelt auch das Ende der Naht. Die kurze Seite des Dreiecks bleibt immer offen.

(9) Näht nun auf diese Art an jedem Dreieck entlang, bis Ihr ein solches „Muster“ genäht habt. Wer sich unsicher ist, wo genau er nähen muss, kann sich die im Bild eingezeichneten blauen Strichellinien auf seinen Stoff übertragen. Dazu zieht Ihr am besten in einer anderen Farbe im Abstand von 7 Millimetern parallele Linien zu Euren zuvor aufgezeichneten Strichen und näht genau auf diesen Linien entlang.

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(10) Jetzt schneidet Ihr die Dreiecke genau entlang der Linien zwischen den Nähten aus. Die Stecknadeln, die beiden Stoffseiten zusammengehalten haben, könnt Ihr nun entfernen.

(11) Schneidet nun noch die Spitzen der Dreiecke ganz knapp vor der Naht ab.

(12) Nun werden die Dreiecke gewendet und anschließend gebügelt. Die Spitzen könnt Ihr am besten mit einem länglichen, aber bitte stumpfen Gegenstand, z.B. einem Essstäbchen, herausdrücken.

(13) Nun werden noch die Nahtzugaben und eventuell überstehende Stoffstücke an der oberen (offenen) Dreiecksseite zurückgeschnitten.

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(14) Jetzt kommt das Schrägband zum Einsatz. Bügelt es zunächst einmal der Länge nach zur Hälfte. Dann wird das Schrägband wieder aufgefaltet und der erste Wimpel eingelegt. Lasst dabei mindestens 50 Zentimeter des Schrägbandes frei, damit Ihr dieses Stück später zum Befestigen und Verknoten verwenden könnt.

(15) Legt die Wimpel genau in die Falte des Schrägbandes und fixiert sie am besten mit Wonderclips. Wäscheklammern gehen auch. Ihr könnt auch Stecknadeln verwenden, müsst dann aber sehr genau stecken und darauf achten, dass Vorder- und Rückseite des Schrägbandes nicht verrutschen und gleich lang bleiben. Hier habe ich die Wimpel abwechselnd mit der Vorder- und Rückseite nach oben gelegt. Ihr könnt die Wimpel dicht an dicht annähen oder einen Abstand verwenden. Probiert aber vorher aus, ob Euer Schrängband dafür reicht.

(16) Beginnt nun mit der Naht am Ende des Schrägbandes und näht es ca. 2 Millimeter vom linken Rand entfernt in einem Zug zu. Vergesst nicht, die Naht am Anfang und am Ende zu Verriegeln. Die Wimpel werden beim Nähen mitgefasst. Fertig!

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Auch wenn das jetzt ziemlich viele Punkte waren, ist so eine Wimpelkette doch auch für absolute Anfänger schnell und einfach gemacht. Wer einen Beutel oder ein Kissen mit Hotelverschluss nähen kann, schafft das allemal!

Eine Wimpelkette ist die optimale (weil nahezu unzerstörbare) Deko im Kinderzimmer (oder sonstigen Räumen) oder auch für die nächste Gartenparty. Und sie macht sich auch sehr gut als persönliches Geschenk zum Kindergeburtstag, zur Geburt, zur Taufe oder einfach so. Wer mag, kann vor dem Zusammennähen der Fat Quarter auch noch den Namen des Empfängers oder einen Spruch auf die Wimpel applizieren. Aber das ist dann nicht mehr so ganz anfängertauglich, weil man nämlich die exakte Position treffen muss… Tipp: Aufstempeln oder Aufmalen kann man auch ganz am Schluss noch.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinem Tutorial Lust machen auf ein eigenes Wimpelketten-Projekt! Das nächste Mal zeige ich Euch dann vielleicht, wie Ihr aus alten T-Shirts einen Teppich häkeln könnt (schaut mal im letzten Foto). Viel Spaß damit,

Ulrike

Verlinkt beim Creadienstag, Handmade on Tuesday und Dienstagsdinge.

 

3 Kommentare

  1. Liebe Ulrike,
    dein Beitrag kommt gerade rechtzeitig, da ich eine Wimpelkette für eine kleine „Maus“ nähen möchte. Die Anleitung ist super! Ich dachte immer, das sei viel komplizierter! Eine Frage hätte ich noch: wo bekommt man die „wonderclips“ und wozu nutzt du sie sonst noch?
    Liebe Grüße
    Jeanne

    • Hallo Jeanne, die Wonderclips bekommt man inzwischen fast überall. Online kannst du sie z.B. bei Amazon, Snaply oder Alles-fuer-Selbermacher kaufen („Wonderclips“ oder „Stoffklammern“). Ich benutze beim Nähen inzwischen tatsächlich fast nur noch diese Clips anstelle von Stecknadeln. Vor allem bei dickeren Stoffen oder mehreren Stofflagen sind die toll. Aber auch beim Basteln können sie hilfreich sein. Probier‘ sie doch mal aus. 10 Stück gibts schon für unter 4 Euro. Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg beim Nähen deiner Wimpelkette!
      Herzlichst, Ulrike

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