Von der Vermessung der Frau {Geodesic Sweatshirt}

Geodesie – das ist, vereinfacht ausgedrückt, die Lehre von der Vermessung der Welt, wobei die Weltkugel in Segmente aufgeteilt und berechnet wird. Mein Mann – beruflich unterwegs in der Peripherie der Weltvermessung – murmelt mir merkwürdige Fachbegriffe entgegen… Häh? Bahnhof. Tatsächlich ist es ganz einfach: Es geht um Dreiecke. Man könnte also sagen: Hier kommt ein Sweatshirt für Geodäten und Mathematiknerds. Oder für Patchworker und Sewaholics. Den Schnitt mit den Dreiecken gibt es jetzt ganz neu bei Näh-Connection.

Werbung | Das Geodesic Sweatshirt ist ein gerade geschnittener Pulli mit Raglanärmeln, dessen Vorder- und Rückseiten anhand von gleichseitigen Dreiecken aufgebaut werden können. Wobei auch ein einfaches Rückenteil aus einem Stück mitgeliefert wird. Für Faulpelze wie mich. Ähem. Das Schnittmuster bringt zwei verschiedene Längen mit: Taillenkurz und hüftlang.

Meinen Geodesic habe ich natürlich in hüftlang genäht. Wobei sich die Länge bei mir ja auf fast einsachtzig verteilt und gar nicht mehr soooo lang ist. Größentechnisch schwankte ich zwischen C/D und E/F (ja, ein komisches neues Größensystem). Da ich einen sehr elastischen Sweat verwendet habe und der Schnitt ohnehin eher weit ist, habe ich mich für die kleinere Größe entschieden… und weil meine Näh-Connection-Kolleginnen mir die Größe ans Herz gelegt haben. Geht runter wie Öl. Bedeutet aber auch, dass sehr schlanke Frauen (ich trage sonst Größe 38… ungefähr 90-80-90) hier einen eher legeren Schnitt finden. Und Anpassungen sind aufgrund der Dreiecke schwierig. Allerdings ist im Ebook ausführlich beschrieben, wie man ein Full Bust Adjustment machen kann – für all diejenigen, die bei der Verteilung der Körbchengröße mehr Glück hatten als ich.

Die kurze Variante, die sich nur aus den beiden oberen Dreieckreihen zusammensetzt, wäre bei mir wirklich bauchfrei. Und auch, wenn ich kurz und kastig inzwischen sogar mag, wäre mir DAS doch zu kurz. Aber bei metterlink, Madame Blanc, Herzlieb und Annamiarl seht ihr, wie diese kurze Version an kleineren Frauen aussieht. Bei Ännisews und Lulus bunte Welt könnt ihr den langen Schnitt sehen. Lustigerweise haben wir alle auf die im Schnitt enthaltenen Taschen verzichtet, die in die zwei unteren nach oben zeigenden Dreiecke integriert werden können. Könnte ja auftragen. Ja nee, is klar. Tatsächlich brauche ich an einem Sweatshirt aber wirklich keine Taschen. Das trage ich schließlich zu Jeans und die haben immer Taschen.

Die große Herausforderung beim Geodesic Sweatshirt ist übrigens nicht unbedingt das exakte Zusammennähen der Dreiecke – das kommt erst an zweiter Stelle – sondern, sich für eine Farbkombination zu entscheiden. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich und weil mir völlig klar war, dass ich mich niemals würde entscheiden können, habe ich beschlossen, den ganzen Pulli unifarben zu nähen – in Stretchsweat von Nosh in der wunderschönen Farbe Fudge. Ich hatte den Pulli schon fast fertig, da fiel mein Blick auf ein kupferfarbenes Kunstleder in meinem Schrank und ich dachte: „Was wäre wenn…“ Minuten später (oder waren es Stunden???) war eines der Dreiecke wieder herausgetrennt und das Kunstleder strahlte mir von dieser Stelle entgegen. Das ursprüngliche Dreieck blieb übrigens unten drunter, damit ich nichts kratzig-klebriges auf der Haut habe, sonder nur weichen Bio-Sweat.

Das mit dem Kunstleder ist so eine Sache… Ich habe den Lederlook von Stoff&Stil verwendet und der ist – angeblich – nicht waschbar. Nun habe ich aber am Lieblingskleid meiner großen Tochter ein kleines Label aus eben jenem Material angenäht. Besagtes Kleid hat schon viele, viele Wäschen überstanden. Selbst solche mit Bleichmitteln und Fleckenlösern (Fingerfarben und Tomatensauce lassen schön grüßen) und das Label sieht immer noch aus wie neu. Ich habe es also gewagt und hoffe, das Kupferdreieck wird die Waschmaschine dauerhaft überleben. Ich finde den Pulli nämlich #leidergeil. Was mir zum perfekten Outfit jetzt noch fehlt, ist die passende Kette. Kupferfarben. Und geodätisch oder zumindest geometrisch bitte. Irgendwelche Tipps?

Das exakte Zusammensetzen der Dreiecke habe ich mir ehrlich gesagt schwieriger vorgestellt. Ich habe noch nie zuvor in meiner nun doch über vierjährigen Nähkarriere ein Patchwork genäht und hatte größten Respekt davor. Zugegeben, ganz einfach war es auch nicht und ich habe meinen inneren Monk entdeckt, aber dank einfachem Heften treffen die Ecken fast perfekt zusammen. Ich bin zufrieden. Der Monk auch. Patchworkdecke, ich komme!

Das Geodesic Sweatshirt ist der perfekte Schnitt für Patchworkliebhaber und für alle, die ein paar übrig gebliebene Stoffschätze zu einem lässigen Sweatshirt verarbeiten wollen. Restverwertung par Excellence. Übrigens auch für Webware! Bei Näh-Connection bekommt ihr den Schnitt (natürlich auf Deutsch!) jetzt zum Einführungspreis. Frohes geodätisches Nähen wünsche ich!

Ulrike

 

Schnittmuster Geodesic Sweatshirt von Blueprints for Sewing, auf Deutsch erhältlich bei Näh-Connnection (der Schnitt wurde mir zur Verfügung gestellt). Ärmel um 4 cm verlängert, sonst keine Änderungen.
Stoff
Stretch Sweat in Fudge von Nosh (wurde mir zur Verfügung gestellt) und Kunstleder „Lederlook“ in Kupferfarben von Stoff&Stil

Verlinkt bei Rums, Ich näh‘ bio und Selbermachen macht glücklich.

18 Kommentare

  1. Der Sweater sieht klasse aus. Und gerade das kupferfarbene Dreieck gibt ihm den letzten Schliff. Ich drücke dir die Daumen, dass das Kunstleder lange hübsch bleibt.
    Viele Grüße Miriam

    • Dankeschön. Wird schon schief gehen. Zur Not trenne ich auf und nähe ein neues Stück waschbaren Kupferstoff ein. Muss nur noch welchen finden…
      Liebe Grüße, Ulrike

  2. Gefällt mir sehr und wirklich gut genäht, bin da wohl auch Monk. Ich drücke Dir die Daumen, dass das Kunstleder die Wäsche gut übersteht. Clever unter dem Kunstleder den Sweat zu belassen. Wirkt es dadurch auch plastischer? Die Farbe steht Dir gut und kupfer was soll ich sagen, finde ich gut.

    • Dankeschön! Eigentlich sieht und spürt man keinen Unterschied. Außer, dass das Kupferdreieck nicht so stark Falten wirft wie der Rest. Aber das ist ja gut so. Ich bin gespannt, wie sich das gute Stück waschen lässt. Aktuell wartet es noch darauf, dass die Waschmaschine mal nicht voller vollgematschter Kindersachen ist.
      Liebe Grüße, Ulrike

  3. Das ich dir den Pullover gerne sofort abnehmen würde, weißt du ja schon ;) Er ist einfach wunderschön!
    Aber ich musste schmunzeln das ich mit 176cm zu den kleineren Frauen zähle :)
    Liebe Grüße,
    Marina

    • Damit bist du dann tatsächlich 2 cm kleiner als ich. ? Naja, bist eben das lebende Beispiel dafür, dass die kurze Variante auch für große Frauen geht. ?
      Liebe Grüße, Ulrike

  4. Ich finds super! Besonders, dass du alles einfarbig gemacht hast und dazu ein andersfarbiger Akzent – wirkt für mich viel cooler als mehrere Dreiecke in einer anderen Farbe zu nehmen :)
    Mich würden wohl die Nähte stören, aber die Optik gefällt mir.

    • Interessanter Weise merkt man die Nähte kaum. Ist ja auch kein hautenges Teil. Bei einem nicht sehr dicken Material könnte man die Nähte auch auseinander bügeln und absteppen. Oder Covern. Oder Flatlocknähte verwenden. Es gäbe sicherlich einige Möglichkeiten.
      Liebe Grüße, Ulrike

  5. Pingback: geodesic sweatshirt | herz-lieb

  6. Dass ich mal einem Nähblog von Geodäsie lese, hätte ich nie gedacht! Ich gehöre zu den Verrückten, die in diesem Fachbereich arbeiten. Wobei die Vermessung der Welt über Dreiecke schon wirklich, wirklich lange zurückliegt. Aber darum geht es ja eigentlich nicht. Das einzelne andersfarbige Dreieck ist ein echt tolles Detail!!
    VG, Anna

    • Na toll, da sagte ich vorhin noch zu meinem Mann, dass es eh niemandem auffallen würde, dass ich Geodäsie mit E geschrieben habe, was er natürlich sofort bemängelt hatte. Und jetzt kommst du. Au weia. Ich hoffe, du verzeihst mir meine alberne Überleitung von der Geodäsie zu den Dreiecken… ?
      Liebe Grüße, Ulrike

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