Zwei zauberhafte Halunken {Halunke Ebook}

Ihr müsst heute stark sein. Ganz stark. Denn ich habe nicht besonders viel zu sagen, aber wahnsinnig viele (wahnsinnig süße) Fotos von meinen zwei Männern zu zeigen. Da müsst ihr jetzt durch, sorry! Ich kann mich beim besten Willen nicht entscheiden, welches der drölfzig Bilder ich weglassen sollte… Hier kommen also meine Männer mit ihren neuen Westen nach dem ebenso neuen Ebook von Lotte&Ludwig.

Werbung | Das Schnittmuster wurde mir im Rahmen des Probenähens kostenlos zur Verfügung gestellt. Stoffe und sonstige Materialien sind selbst gekauft und bezahlt. Ich nähe und zeige aber nur, was ich wirklich mag. Mein Post, meine Meinung.

Eigentlich mache ich ja gar keine Probenähen mehr. Dafür fehlt mir die Zeit. Eigentlich. Denn für Svenja von Lotte&Ludwig mache ich gerne mal eine  Ausnahme. Als ich herausfand, dass sie eine Weste für Männer plante, war ich sofort Feuer und Flamme. Vorsichtshalber habe ich auch meinen Mann gefragt, ob er gern so ein Kleidungsstück hätte. „Brauche ich sowas?“, war seine Antwort. „Nein, Schatz. Du brauchst das nicht, aber ich möchte es gern nähen.“ Damit war die Sache geklärt. Er war nicht abgeneigt und ich habe es einfach mal gewagt und ihm eine Weste vorgesetzt, so wie ICH sie mir vorstellte. Ein bisschen im Stil der Zwanziger Jahre und angelehnt an die gängige Mode beim jährlichen Londoner Tweed Run (oder beim Hildesheimer Tweed Ride, den wir dieses Jahr schon wieder verpasst haben). Ein moderner Klassiker eben. Und mit Fahrrädern krieg‘ ich ihn immer.

Als dann aber auch noch klar war, dass es auch einen kleinen Halunken für die Kindergrößen 80 bis 170 geben würde, war selbst mein Mann mit Freude dabei. Das Posieren mit Drahtesel und Minime hat ihm sichtlich Spaß gemacht.

Der kleine Halunke ist übrigens genauso aufgebaut wie der große Halunke, nur eben natürlich an die spezielle Körperform von (kleinen) Kindern angepasst. Die Halunken sind einreihige, schmal geschnittene Westen mit Taillenabnähern vorn und hinten. Wer sich vor Pattentaschen fürchtet, sollte das Ebook unbedingt ausprobieren, denn mit Svenjas narrensicherer Anleitung sind diese Taschen ein Kinderspiel. Hinten befindet sich ein Riegel zum Regulieren der Weite und vorn gibt es eine optionale (Fake-) Brusttasche, die man mittels eines auffälligen Knopfes schön in Szene setzen kann. Die Standard-Knöpfe habe ich bei beidem Modellen durch Druckknöpfe ersetzt, weil ich immer noch Schiss habe vor Knopflöchern, weil ich einen etwas sportlicheren Look erzielen wollte.

Im Ebook wird ausführlich erklärt, wie man die Weste perfekt an den Mann bringt. Also an dessen Oberkörper. Wo man Mehrweite für’s Bierbäuchlein zugeben kann und wie man den Schnitt für die groß gewachsenen Herren der Schöpfung verlängert.

Im Falle des großen Halunken habe ich eine 54 genäht entsprechend seiner Brustweite und zusätzlich zur Taille hin die Nahtzugaben um jeweils einen Zentimeter erweitert. Ich habe die Rechnung allerdings ohne den Stoff gemacht, der zwar wunderschön ist, sich jedoch als stark querelastisch herausstellte. ZU querelastisch für einen Halunken in Größe 54. In diesem Fall wäre eine 52 ohne Erweiterung wahrscheinlich sinnvoller gewesen, denn ich habe im Nachhinein an jeder Seite zwei Zentimeter wieder wegnehmen müssen, damit die Weste bei Herrn Moritzwerk richtig saß. In der Länge – ER ist knapp einsneunzig groß – habe ich sechs Zentimeter hinzugegeben. Der Schnitt ist für eine Körperhöhe von 176 Zentimetern ausgelegt. Im Nachhinein hätten es ruhig noch einige Zentimeter mehr sein können, denn Herr Moritzwerk trägt seine Hosen gern ziemlich hüftig und das verlängert den Oberkörper noch mal kräftig. Ein Nesselteil, um die Größen und Proportionen richtig übertragen zu können, wäre sinnvoll gewesen, aber da kommt wieder der Zeitfaktor ins Spiel. Ich habe mich also direkt an den guten Stoff gewagt und musste im Nachheinein etwas dran herumdoktorn. Nichts, was man mit ausreichend Näherfahrung nicht hinkriegen würde.

Aber, das muss ich zugeben, auch wenn die Anleitung gewohnt gut geschrieben ist und es sogar eine Videoanleitung zum Schnitt gibt, ist das hier kein Anfängerprojekt. Wenn man das Nähen eines T-Shirts zum Beispiel mit einem Spaziergang vergleichen möchte, käme das Nähen eines Halunken eher einer schweißtreibenden Wanderung in alpinem Terrain gleich. Nicht unmöglich für Ungeübte, aber anspruchsvoll.

Der kleine Halunke hat mit seinen Maßen exakt in die 86 gepasst. Auch hier finde ich, dass der queralstische Stoff die Weste recht weit ausfallen lässt. Aber so ist es eben auch extra bequem und engt nicht ein. Ebenso hätte ich mir etwas mehr Länge gewünscht, denn der Kleine scheint seine Hosen auch ganz gern unterm Kullerbauch zu tragen. Irgendwie ist es aber auch süß, dass das Hemd ständig aus der Hose rutscht und unter der Weste hervor lugt. Hipster stylen sich ewig, um genau diesen Look hinzukriegen.

Der Außenstoff ist übrigens ein butterweicher Stoff aus Schurwolle, der von einer Weberei in Franken hergestellt wird. Er ist schön dünn, fällt ganz toll und passt mit seinen wollweißen und schwarzen Kett- und Schussfäden genau in mein Beuteschema. Es war das allererste Mal, dass ich so einen – doch eher locker gewebten – Wollstoff verarbeitet habe. Bis auf die Querelastizität, die das Zuschneiden mitunter zur Herausforderung machte, und die Vorsicht, die man beim Auftrennen walten lassen muss, ließ sich der Stoff völlig problemlos verarbeiten. Sogar das Bügeln war okay, wenngleich man hier keine Eigenschaften wie bei Baumwollwebware erwarten sollte. Innen habe ich mich für einen witzigen Popeline von Alexander Henry entschieden. Einen schönen Stoff mit Fahrrädern in diesem Stil habe ich nämlich leider nicht finden können, aber Totenköpfe sind auch okay. Mein Mann hat wirklich mehrfach lobend den Futterstoff erwähnt. Volltreffer!

Mir bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass es zum nächsten größeren Familienfest – nämlich der Einschulung unserer Großen in August – nicht ganz so heiß ist, damit meine zwei Herren in ihren Partnerlook-Halunken alle Blicke auf sich ziehen können. Ein Sommerhalunke aus grauem Leinen wäre noch eine Idee. Oder ich müsste mal diese „Cool Wool“ Produkte von Zuleeg ausprobieren. Wenn da nur nicht die Sache mit der Zeit wäre. Denn die Hauptperson des Einschulungstages braucht ja auch noch ein passendes Outfit (und die kleine Schwester gleich mit). Ich überlege noch, ob es ein Lotta Dress von Compagnie M. wird, oder ein Polina Dress via Näh-Connection oder einfach mal das Laure Dress von Straight Grain… Ich schätze, es wird von jedem eins werden. Drückt mir die Daumen, dass das mit der Zeit hinhaut. Immerhin ist MEIN Kleid schon fertig, das ich euch (hoffentlich) ganz bald zeigen kann.

Ulrike

 

Schnittmuster Halunke und Kleiner Halunke von Lotte&Ludwig (Wurde mir zum Probenähen kostenlos zur Verfügung gestellt)
Stoff
Wollstoff in Tweedoptik von Zuleeg via 1000stoff und Baumwollwebware „Luxembourg Gardens“ von Alexander Henry via 1000stoff. Anorak-Drücker in Altmessing von Prym (kleiner Halunke) und extra große Jerseydrücker in Altmessing von Prym (großer Halunke), sowie (nicht sichtbar) H200 von Vlieseline und zwei Knöpfe aus dem Fundus.

Verlinkt bei Creadienstag und Handmade on Tuesday .

10 Kommentare

  1. Super schön – und das Fahrrad gibt des Männern doch Halt beim Fotografieren! Ich habe auch schon Westen genäht – Wollstoff ist dafür echt eine feine Sache. Nur warum Du Dich vor Knopflöchern fürchtest? – Ich habe solchen Schiß vor Druckknöpfen!
    Liebe Grüße
    Ines

    • Alles eine Frage der Gewohnheit, liebe Ines. Mit der Prym-Zange gehen Druckknöpfe jedenfalls fast von allein.
      Liebe Grüße, Ulrike

  2. Die Westen sind dir ganz toll gelungen und stehen deinen beiden Männern super! Und die Fotos sind der Hammer! Da hätte ich mich auch nicht entscheiden können, welche ich davon weglasse.
    LG Janina

    • Also am besten einmal alle zeigen, nicht wahr?! Inzwischen geht es mir ja häufig so… naja, besser zu viele schöne Fotos als zu wenig.
      Herzlichst, Ulrike

  3. Einfach großartig deine Männer! Und die Westen natürlich ? ich mag diesen Look total aber wir kommen auch gar nicht aus dem T-Shirt Style raus oder besser gesagt, außer mir zieht hier eh keiner ne Weste an…
    Ich bin schon gespannt auf dein Outfit! Alles Liebe aus Spanien, Mara

    • Naja, in Spanien kann man so eine Wollweste auch nicht wirklich gebrauchen, oder? Wobei wir ja hier auch gerade einen Jahrhundertsommer erleben. Zumindest gefühlt.
      Herzlichst, Ulrike

  4. Christina

    So schön! Deine Westen und deine Männer ;-)
    Bei deinen Beispielen bekomme ich direkt Lust, doch auch eine Weste zu Nähen. Die Druckknöpfe unterstreichen wirklich den sportlichen Charakter, das Futter bei der großen Weste ist der Hammer!
    Grüße Christina

    • Soll ich dir ein Geheimnis verraten: Die kleine Weste hat das gleiche coole Futter! Vater-Sohn-Partnerlook!
      Liebe Grüße, Ulrike

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