Schatz, ich hab den Rucksack geschrumpft | #machdeinding2018

Erinnert ihr euch noch, dass ich im März auf der h+h in Köln war? Damals, es fühlt sich schon irre lang her an, lud die Initiative Handarbeit e.V. Strickbienchen und Nähnerds zum großen Bloggertreffen und promotete ganz nebenbei die Aktion #machdeinding2018. Ziel war es, bis zum 30. Juni (ja, das ist heute – hüstel) einen Rucksack nach dem Schnitt von Anke Müller alias Cherrypicking zu nähen. Wollte ich eigentlich gar nicht. Aber dann kam alles anders…

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung für die Initiative Handarbeit e.V. und fürs Nähen überhaupt. Alle gezeigten Stoffe und Materialien habe ich selbst gekauft und bezahlt. Einige nicht gezeigte Stoffe wurden mir kostenlos zur Verfügung gestellt, die zeige ich dann ein anderes Mal. Das Schnittmuster kann jeder auf der Website der Initiative Handarbeit e.V. kostenlos downloaden.

Ich wollte diesen Rucksack nicht nähen. Echt jetzt. Ich war mir ziemlich sicher, dass mich dieses Projekt überfordern würde. Und jetzt kommt das große ABER. Das große ABER ist tatsächlich groß (einsachtzig nämlich), hört auf den Namen Dominique und ist ziemlich überzeugend, wenn es um komplizierte Nähprojekte geht. Wenn du also mit Dominique auf einer Kreativmesse bist und in einem Raum voller Stoffe und enthusiastischer Taschennäherinnen stehst, dann kannst du gar nicht anders. Dann hast du innerhalb von zehn Minuten einen Stapel Stoffe und Taschenzubehör auf dem Arm und du denkst, du kannst das. Du kannst alles. Yeah. Ich glaube, Änni weiß, was ich meine.

Und dann bist du wieder zu Hause an deinem Nähtisch. Allein. Mit einer Tüte voller Taschenzubehör, von dem du teilweise nicht einmal weißt, wie das Zeug heißt. Geschweige denn, was man damit macht. Und du zögerst. So ungefähr drei Monate lang. Und auf den allerletzten Drücker packt dich doch der Ehrgeiz und du gehst es an. Nur um festzustellen, dass dir für den ursprünglichen Plan etwas entscheidendes fehlt: Reißverschlüsse. Die waren nämlich schon gänzlich vergriffen damals beim Bloggerevent. Und ich habe hier in der Provinz keine Möglichkeit mal eben schnell an metallisierte Kupfer-Reißverschlüsse zu kommen. Andere kamen einfach nicht in Frage, denn WENN ich mir schon einen Rucksack nähe, dann MUSS er genau so werden, wie ich ihn mir wünsch(t)e. Is klar, ne?!

Und wie das manchmal eben ist, durchzuckt ein Geistesblitz deine grauen Zellen und da ist es – das Projekt – fix und fertig im Kopf. Statt einen schicken Rucksack für mich zu nähen, beschloss ich, eine Mini-Version für den kleinen Elefanten zu machen. Inzwischen nehmen wir nämlich täglich so viele Dinge mit in die Kita, dass er tatsächlich eine eigene Transportmöglichkeit brauchte (die Mama natürlich tragen darf). Und hier ist sie bzw. er: Der Machdeinding2018-Rucksack in Kleinformat aus lang gestreichelter Bio-Webware von Birch Fabrics.

Die Schnitteile habe ich um dreißig Prozent verkleinert. Manuell. Irgendwann ist mir eingefallen, dass ich auch einfach den Schnitt neu hätte ausdrucken können – mit entsprechender Verkleinerung. Naja, warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht. Eigentlich hat der Rucksack ja zwei Haupttaschen. Das wäre mir in der Größe aber wirklich zu fummelig geworden und so habe ich auf eine der Taschen verzichtet und nur ein einzelnes großes Hauptfach eingesetzt. Glaubt mir, den kleinen Elefanten stört es nicht, wenn sein Kuschel-Lenni in einem Fach mit den Wechselsocken und den Taschentüchern liegt.

Alle anderen Details habe ich ohne Änderung übernommen. Es gibt eine kleine Außentasche mit Reißverschluss auf der Front, eine flache Seitentasche und eine Flaschentasche auf der anderen Seite. Dort habe ich eine Kordel mit Kordelstopper eingebaut, damit man die Tasche auch zuziehen könnte, wenn sie nicht in Benutzung ist. Ein bisschen fühlt sich mein ästhetisches Empfinden nämlich gestört von der Asymmetrie des Rucksacks. Den nächsten würde ich wohl mit zwei gleichen Seitentaschen nähen. Einfach aus optischen Gründen.

Es steht nämlich bereits jetzt fest, dass es ein zweites und sogar ein drittes Modell geben wird. Denn die kleinere der zwei großen Schwestern hat direkt einen Aufstand gemacht, als sie den Rucksack des kleinen Bruders gesehen hat, und fragt mich jetzt täglich nach IHREM Rucki. Tja, das dauert jetzt noch ein bisschen, denn so ganz einfach und schnell genäht war der dann doch nicht. Insgesamt habe ich wohl gut zehn Stunden Arbeit in das gute Stück investiert. Der nächste geht vielleicht schon ein bisschen schneller, denn so langsam hab ich doch den Dreh raus. Das Taschennähen ist für mich zwar immer noch kein Klacks und ich begebe mich dabei weit heraus aus meiner Komfortzone, aber der Stolz, den man beim Anblick des fertigen Stücks empfindet, macht einfach Lust auf MEHR. Außerdem habe ich hier ja immer noch die ursprünglichen Stoffe liegen, die ich beim Bloggertreffen bekommen habe. Und weil mein Kanken absolut keine Rucksack-Konkurrenz im Haus duldet, habe ich mir vorgnommen, den Schnitt für mich zu hacken und eine Tasche draus zu nähen. Brauche ich gerade eh ganz dringend. Kann sich also nur um Monate handeln. Also keine Sorge, Moritzwerk wird jetzt nicht zum Taschenblog. Kleidung wird hier immer im Fokus sein. Nächste Woche zum Beispiel zeige ich euch direkt mal das neue Outfit des kleinen Elefanten, das ich passend zum Rucksack genäht habe. Auf den Bildern oben könnt ihr’s schon erahnen und beim #flatlayfridiy auf Instagram hab ich es euch auch schon gezeigt…

Damit befand ich mich mitten drin in meiner Komfortzone: Biostoffe, Streifen, Webware, Jersey, Hosen und Shirts. Ja, damit kann ich mehr anfangen als mit zig klitzekleinen Schnitteilen, haufenweise Reißverschlüssen und komischen Vliesen und Einlagen… Und trotzdem: Der Rucksack sieht schon verdammt genial aus, stimmt’s?! Mit welchem Nähprojekt habt IHR euch zuletzt ganz weit von eurer Komfortzone entfernt?

Ulrike

Verlinkt bei Ich näh‘ bio und Selbermachen macht glücklich.

1 Kommentare

  1. Wow, der ist echt toll geworden. Und das mit der Asymmetrie kann ich total verstehen!
    Liebe Grüsse
    Ursina

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