Mein erstes Mal {Hose Isa}

Was ich am liebsten nähe: Kleider und Röcke. Was ich am meisten trage: Hosen. Upps. Um dieser Diskrepanz beizukommen, habe ich es nun endlich gewagt und meine erste Hose genäht. Sie ist cool, fast perfekt und ich bin irre stolz auf das Ergebnis. Nur eines möchte ich gleich zu Anfang klarstellen: Kleider nähe ich immer noch lieber. Und nun Vorhang auf für meine Hose Isa von Schnittmuster Berlin aus diesem genial-schönen Bio-Feincord von C.Pauli aus der Eulenmeisterei

Werbung | Die in diesem Beitrag verwendeten Schnittmuster und Stoffe sind mir jeweils kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Dennoch gilt: Mein Post, meine Meinung.

Als Silvia von der Eulenmeisterei mir anbot, den schönen Feincord von C. Pauli für sie zu vernähen, hatte ich sofort einen Rock im Kopf. In Senfgelb. Und dann war da plötzlich diese Einsicht: Ich brauche keinen neuen Rock. Was ich dagegen dringend brauchte: Eine neue Hose. Als dann noch dieser Schnitt von Schnittmuster Berlin meinen Weg kreuzte, stand der Plan fest. Ich nähe mir meine erste „richtige“ Hose.

Ich gebe es zu: Eine Hose zu nähen ist kein Kinderspiel. Es ist auch nicht wirklich mega schwierig. Aber aufwändig. Ich habe über mehrere Wochen immer mal wieder stundenweise daran gearbeitet, länger ging nicht, weil ich mich sonst völlig verheddert hätte. Aus irgendeinem Grund hatte ich nämlich während dieses Projekts kontinuierlich einen Puls von hundertachtzig… Die Anleitung von Schnittmuster Berlin ist nämlich eher knapp gehalten. Für meine erste richtige Hose hätte ich vielleicht sinnvoller Weise ein ausführlicheres, detailliert bebildertes Ebook wählen sollen. Die halbe DIN A4 Seite mit einer handvoll Text, die mir statt dessen zur Verfügung stand, habe ich dafür ungefähr drölzig mal gelesen (und trotzdem nicht alles sofort gerafft). Im Grunde ist natürlich alles erwähnt, aber eben sehr knapp und es wird eine ordentliche Menge an Vorwissen vorausgesetzt. Für Anfänger also völlig ungeeignet. Aber wer schon das eine oder andere aufwändigere Teil genäht hat und nach einer Herausforderung sucht, ist hier absolut richtig.

Das Schnittmuster bietet ganz viele, wunderbar Jeans-typische Details: Eine Passe hinten, ein Münztäschlein am rechten Tascheneingriff und eine coole, offene Knopfleiste vorn. Die fertige Hose sieht fast aus wie gekauft. Für den ultimativen wie-gekauft-Look habe ich zum ersten Mal auch Nieten verarbeitet. Mit der Prym-Zange geht das wirklich kinderleicht und sieht total professionell aus.

Übrigens: Wenn man eine Hose für sich selbst näht, zumindest eine, die halbwegs auf Figur sitzen soll, erfährt man so einiges über sich bzw. über seine Figur. Anhand der Größentabelle hatte ich mich für Größe 38 entschieden. Am Ende musste ich jedoch an der Hüfte ringsrum ungefähr sechs Zentimeter wegnehmen, während ich den Bund nur um ca. zwei Zentimeter gekürzt habe. Jap, ich habe keine Taille UND keinen Hintern. Es wäre für mich sinnvoller gewesen, die Hose eine Größe kleiner zu nähen. Oder sogar zwei, denn der Cord ist mit einem Elastananteil von zwei Prozent wunderbar elastisch. Aber hinterher ist man eben immer schlauer. Statt einer knackig sitzenden Jeans habe ich jetzt eine eher lässige Cordhose, die so bequem ist wie eine Jogginghose, aber um Längen besser aussieht.

Nächstes Mal würde ich also eine 34 nähen und den Bund ein bisschen weiten, damit mein zartes Heck gebührend in Szene gesetzt wird. Das Dunkelblau – oder New Blazer wie es bei C. Pauli heißt finde ich ja fast so schön wie das Senfgelb, das in Wirklichkeit Tawny Olive heißt. Cord an sich ist auch wirklich ein tolles Hosenmaterial für die kalte Jahreszeit. Ich finde nämlich, dass man in Cord viel weniger friert als in Denim. Das Material ist weicher und wird irgendwie nicht so schnell kalt und steif. Da spricht die Frostbeule in mir. Könnt ihr mir folgen? Die Verarbeitung von Cord ist völlig problemlos. Er lässt sich gut vernähen und bügeln. Einizig die Staub- und Fusselbildung beim Versäubern mit der Overlock ist ein bisschen lästig.

Und wo wir gerade beim Versäubern sind: Ich habe mir den Scherz erlaubt, für die innen liegenden Kontraststoffe einen rosa Batist von Atelier Brunette zu verwenden. Solche kleinen, witzigen Details liebe ich ja sehr. Und habt ihr schon mein Moritzwerk-Logo gesichtet? Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen. Es fehlt eigentlich nur noch ein SnapPap-Label hinten am Bund. Aber das würde man eh nicht sehen, weil ich die Hose eigentlich immer mit Gürtel tragen muss. Oder ich lege ein paar Kilo zu und… nee, diese Option ist indiskutabel.

Dann würde mir ja der Rest meines mühsam zusammengestellen handmade-Klamotten nicht mehr passen. Wie dieses zarte Shirt nach dem Schnittmuster Nore Dress (T-Shirt) von Compagnie M., das hier neben der Hose ein bisschen untergeht (den Schnitt habe ich unter anderem hier und hier schon mal gezeigt). Der Stoff ist aber etwas ganz besonderes, denn es ist ein Jersey aus Leinen – natürlich Bio und aus dem Hause Lebenskleidung. Das Material ist super zart und weich und fällt fast wie ein Viskosejersey. Ich wünschte, ich hätte diesen Stoff letzten Sommer schon gekannt. Er ist einfach perfekt für locker-luftige Oberteile. Mit der Overlock hat er sich auch völlig problemlos verarbeiten lassen. Nur beim Versuch, das Shirt mit der Nähmaschine zu säumen, bin ich gescheitert. Meine Brother Innovis 350 mag einfach keine feinen Stoffe. Dicke Stoffe mag sie übrigens auch nicht, jedenfalls dann nicht, wenn sie Knopflöcher mit der Automatikfunktion einnähen soll. Das habe ich zum allerersten Mal per Hand gemacht und bin echt zufrieden mit dem Ergebnis.

So. Und nun erzählt mal. Habt ihr euch schon mal eine Hose genäht mit allem Pipapo? Was war euer aufwändigstes Kleidungsstück bisher? Und was würdet ihr gern mal nähen, traut euch aber noch nicht so recht dran? In diesem Fall kann ich euch nur empfehlen: Tut es! Erste Male werden zwar selten perfekt, aber sie bleiben für immer und man lernt so viel daraus. Ich für meinen Teil bin jedenfalls wirklich happy mit meinem erstem Mal…

Ulrike

Verlinkt bei Selbermachen macht glücklich, Women on Fire, Du für Dich am Donnerstag und Sew La La.

12 Kommentare

  1. Respekt! Ich habe bei meiner ersten Jeanshose ja etwas geschummelt und mir dadurch einiges an Nähzeit erspart. Aber wenn ich deine Hose so sehe, die Farbe (leider nicht für meinen Typ, aber ich liebe Senf so sehr!), Schnitt, das Gesamtoutfit. Da hat sich deine investierte Zeit definitiv gelohnt, Wirklich sehr schick! Durchhalten wird eben belohnt ;-) Herzliche Grüße, Jenny

    • Ich kann manche Gelbtöne auch nicht gut am Gesicht tragen. Aber „untenrum“ geht einfach alles. Probier’s mal aus.
      Liebe Grüße, Ulrike

  2. Tolle Hose, schöne Farbe. Ich habe auch gerade meine erste richtige Hose genäht, mit echter Knopfleiste und Co., allerdings für die Tochter – aber eigentlich hat das ganz gut funktioniert und jetzt bin ich schon am überlegen, ob ich das für mich auch mal wagen soll …

  3. Herzlichen Glückwunsch zur ersten Hose! Und dann gleich so gut gelungen. Respekt! Bei der nächsten wird das Nähen dann bestimmt auch schon viel entspannter. :-) Ich habe bereits einige Hosen genäht, aber noch keine aus Cord. Dazu habe ich jetzt aber richtig Lust, nachdem ich Deine gesehen habe.
    Schöne Grüße
    Christine

    • Wie schön, dass ich dich zu deiner ersten Cord-Hose inspirieren konnte. Bin gespannt, wann es sie zu sehen gibt. Und ja, du hast natürlich Recht: Beim zweiten mal läufts schon einfacher. Ist doch immer so, nicht nur beim Nähen. ;-)
      Herzlichst, Ulrike

  4. Tolle Hose! Tolle Farbe!
    Ich habe erst vor ein paar Tagen beschlossen, mich auch mal an eine Hose zu wagen. Gekauft und gewaschen ist der Cord schon (ja, auch ich habe mich für Cord entschieden). Jetzt muss ich noch den Schnitt erstellen und mich dann trauen…
    Letzteres wird wahrscheinlich das Schwierigste daran…
    LG
    Natalie

    • Tschakka, du schaffst das! Übung macht den Meister und überhaupt… hin und wieder muss man mal was neues machen. LOS!!!
      Herzlichst, Ulrike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich freue mich auf deinen Kommentar. Bitte beachte, dass beim Kommentieren Name, Email-Adresse und Text an mich übertragen werden. Die Details findest du in der Datenschutzerklärung.