Grüner wird’s n…atürlich.

Im April wird alles wieder Grün. Deshalb ist das jetzt auch der perfekte Zeitpunkt, um eine neue Kategorie im Blog einzuführen. (Und weil ich es nicht früher geschafft habe, aber das verrate ich euch einfach nicht.) Ladies and gentlemen (gibt es zweitere hier überhaupt?!), please welcome: SuSe. SuSe – unter vollem Namen bekannt als Sustainable Sewing – wird euch mitnehmen in die Welt der Nachhaltigkeit am Nähtisch, im Kleiderschrank und auch darüber hinaus.

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Aber was ist das eigentlich – Nachhaltigkeit? Wie kann ich nachhaltig handeln und was sollte ich lieber lassen? Wo kann ich mit gutem Gewissen einkaufen? Und welchen Beitrag kann ich selbst leisten?

In den neuen Kategorie werde ich all diesen Fragen auf den Grund gehen. Ich erkläre euch, warum manche Stoffe und Kleidungsstücke nachhaltiger sind als andere. Ich werde die Fashion Industrie beleuchten und euch zeigen, warum Fast Fashion keine Option ist, und wo man guten Gewissens kaufen kann. Ich gehe der Herstellung von Stoffen auf die Spur und werde euch Produzenten von (Bio)-Stoffen vorstellen, aber auch solche, die gerade im Wandel sind. Ich stelle euch Denker und Macher vor, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben.

Das Wichtigste ist aber, dass ich euch zu eigenen Projekten inspirieren möchte. Hier gibt es kein dogmatisches Du-musst-aber, sondern die Freude am Selbermachen steht im Vordergrund. Es soll Spaß machen, keinen Druck erzeugen. Niemand muss jedes nachhaltige Projekt direkt umsetzen, aber jeder kleine Schritt zählt. Fangt einfach irgendwo an. Der Rest ergibt sich ganz von allein.

 

Auch große Firmen fangen klein an. Gerade bin ich von der h+h Messe in Köln zurück gekommen und freue mich, dass auch immer mehr der bisher konventionell produzierenden Stoffhersteller ihre Prozesse umstellen, um zum Beispiel recycelte oder Bio-zertifizierte Stoffe anbieten zu können. Neben den großen Bio-Stoffherstellern wie Albstoffe und Lillestoff und dem Bio-Pionier C.Pauli ist Polytex Stoffen einer dieser Großhändler, die gerade vermehrt nachhaltige Stoffe ins Sortiment aufnehmen und den Anteil an konventioneller Stoffen im Ausgleich senken. Auch Editex bietet mit Chat Chocolat und der neuen Linie von Illustratorin Eva Mouton ebenfalls Stoffe aus Bio-Baumwolle an. Adlico setzt neuerdings mit Cloud9 Fabrics und dem Tencel von Meet Milk ebenfalls auf nachhaltige, teilweise GOTS-zertifizierte Ware. Tencel ist sowieso einer DER Trendstoffe, die ich in nächster Zeit im Detail vorstellen werde. Bei Lotte Martens gibt es ihn nicht nur in wunderschönen Farben, sondern auch handbedruckt mit Glamourfaktor.

Kathi von Kathi’s Nähwelt und Maarika von Liivii&Liivii bei Lotte Martens.

Und auch Hersteller, von denen man es gar nicht so recht vermutet hätte, handeln inzwischen nachhaltiger. Wusstet ihr, dass inzwischen viele der Einlagen von Vlieseline ganz oder teilweise aus recycelten PET (also Plastikflaschen) bestehen? Achtet beim Kauf einmal auf die Materialzusammensetzung: R-PES steht für recyceltes PET. Hier findet ihr eine Übersicht darüber, welche Einlagen zu welchem Anteil aus dem Recyclingsmaterial bestehen.

Tencel von Meet Milk auf dem Stand von Adlico.

Auf der Messe habe ich dieses Mal viele schöne Nähgarne gesehen. Der Stand von Gütermann war besonders beeindruckend. Der Garnhersteller aus dem Schwarzwald bietet nicht nur Leinenzwirn und Baumwollgarn an, sondern hat neuerdings auch Polyestergarn aus recyceltem PET im Angebot. Das ist nicht nur haltbarer als Baumwollgarn sondern auch resourcenschonender in der Herstellung.

Neue Designs von Eva Mouton bei Editex.

Dennoch fällt mein Fazit für die h+h im Hinblick auf Nachhaltigkeit leider negativ aus. Ich hätte mir wesentlich mehr Anstrengungen in Richtung ökologischer und resourcenschonender Herstellung gewünscht. Nicht nur von Seiten der Hersteller, sondern auch vom Messebetreiber selbst. Plastikbecher und Wegwerfmaterial sind heutzutage nicht mehr zeitgemäß.

Die h+h ist eine Fachmesse, bei der vor allem Shopbesitzer und kleinere Händler die Stoffe für die nächste Saison einkaufen. Wenn jedoch kaum Anbieter von Biostoffen anwesend sind, woher sollen diese Händler dann die „richtigen“ Stoffe beziehen? Merkwürdiger Weise ist das Thema Nachhaltigkeit für die allermeisten Aussteller kein Verkaufsargument, selbst wenn nachhaltige oder gar zertifizierte Stoffe im Portfolio vorhanden sind. Die Branche konzentriert sich nach wie vor auf „günstige Preise“ und „hübsche Optik“. Nach wie vor sind wir als Verbraucher gefragt, mit unserer Meinung Druck zu erzeugen und ein Umdenken von außen herbei zu führen. Für die nächste Messe wünsche ich mir, dass Nachhaltigkeit und biologische Herstellungsverfahren weiter in den Vordergrund treten und offensiver kommuniziert werden.

Apropos Kommunizieren: Ich freue mich sehr über euer Feedback. Lasst mich wissen, was ihr von SuSe haltet, teilt mir eure Wünsche und Fragen mit und vor allem: Macht mit beim nachhaltigen Nähen! Zum Beispiel direkt jetzt beim #greenDIYalong.

Auf Instgram hat eine Gruppe von Bloggern auf Initiative von Annika von Näh-Connection einen DIY-Along zum Thema Nachhaltigkeit gestartet. Die ganze Woche über stellen wir euch kreative und vor allem „grüne“ Projekte zum Nähen und Selbermachen vor und ihr könnt direkt mitmachen. Mehr zum #greenDIYalong gibt es in Kürze.

Ulrike

9 Kommentare

  1. Christina

    Hi! Schön, dass du das Thema hier im Blog extra aufnimmst!
    Ich bin gespannt, was da so kommt und freue mich auf Anregungen.
    Gerade habe ich eine Brot- und eine Brötchentasche genäht. Bisher haben wir uns immer alles einfach in den Jutebeutel stecken lassen ;-) nun ists etwas hübscher. Zwei weitere Teile warten noch auf freie Zeit für die Umsetzung.
    Da ich keinen Insta-account habe, freue ich mich, wenn es auch hier was dazu zu lesen gibt!
    Liebe Grüße Christina

    • Fast alles, was auf Instagram erscheint, wird auch hier thematisiert. Und zwar viel ausführlicher. Instagram ist für mich immer nur der Wegweiser zum eigentlichen Post. Themen wie Nachhaltigkeit lassen sich nicht so einfach in den 2000 Zeichen transportieren, die Instagram erlaubt. Da braucht es schon den Blog, um konkret werden zu können.
      Ich freue mich auf deine Besuche hier!
      Liebe Grüße, Ulrike

  2. Hallo Ulrike, ich finde es toll, dass du Thema aufnimmst. Mitunter stelle ich mir oft die Frage, ob nachhaltig wirklich nachhaltig ist oder ob da im Hintergrund nicht doch noch geschummelt wird. Von daher bin ich sehr interessiert daran, welche Stoffe wirklich nachhaltig sind. Reicht da das GOTs Zertifikat einfach aus? 🧐
    Liebe Grüße
    Kirsten

    • Liebe Kirsten, bei GOTS kannst du dich wirklich darauf verlassen, dass du bekommst, was drauf steht. Zu den einzelnen Zertifikaten werde ich aber ganz bestimmt noch einen extra Post machen. Das ist nicht eben so leicht erklärt. Deine Frage nehme ich also gern in meinen Katalog mit auf.
      Liebe Grüße, Ulrike

  3. Liebe Ulrike,
    jeder kleine Schritt ist ein Anfang und am Ende etwas Großes. So versuche ich nach und nach meinen Alltag nachhaltiger zu gestalten und in mein Stoffregal ziehen schon auf Grund der besseren Qualität vornehmlich Bio-Stoffe ein. Trotz allem ist mein Nähen noch nicht so nachhaltig, wie ich es gerne hätte und bin sehr gespannt auf deine Anregungen und Berichte!
    Und bis dahin fülle ich den T-Shirt-Vorrat meines Mannes mit allerliebsten Nosh-Stoffen aus dem Stoffschrank auf…
    Liebe Grüße,
    Marina

    • Ja, Marina, auf Bio-Qualität zu achten, zahlt sich auf jeden Fall aus. Dass das allein aber nicht reicht, werde ich hoffentlich auch bald erklären können.
      Ganz liebe Grüße, Ulrike

  4. Hey Ulrike,
    toll, dass du diese Themen aufnimmst. Auch wenn man sich vielleicht schon länger mit diesen Themen beschäftigt, lernt man doch nie aus und ein DIY along ist auch eine tolle Sache! Ich bin gespannt auf die weiteren Posts zum Thema und werde jetzt mal direkt die ersten lesen!
    Liebe Grüße
    Jule

    • Liebe Jule, du hast Recht. Wir können das Rad nicht neu erfinden, aber wir können für mehr Aufmerksamkeit sorgen. In diesem Sinne: Lass mich gern wissen, welche Themen dich interessieren. Ich recherchiere sie dann gern für die neue Kategorie.
      Herzlichst, Ulrike

  5. Ich hatte exakt den gleichen Eindruck in Punkto Nachhaltigkeit – bei den Stoffangeboten. Allerdings ganz anders sah es bei der Wolle aus! Dort war ein Garn nachhaltiger als das andere und die Hersteller haben das auch deutlich beworben. Das hat mich sehr irritiert und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das evtl so ist, weil im Stoffbereich viele Großhändler und eben nicht Hersteller auf der Messe vertreten sind. Was bei den Garnen eben anders ist, bei der Wolle gab es eine viel stärkere Markenkommunikation und die Hersteller präsentierten ihre Ware auch deutlich beeindruckender.

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