SuSeTalks mit Christina {Käferlgschäft}

Was ist so toll an selbst genähtem und wie vermeidet man Fast Fashion auch ohne dickem Bankkonto und unendlich viel Nähzeit? Das sind zwei der Fragen, die ich heute in den SuSeTalks mit Christina von Käfergschäft bespreche. 

Hallo Christina, ich freue mich, dass du mit mir übers Thema „Nachhaltigkeit beim Nähen“ reden möchtest. Aber zunächst: Wer bist du und wo findet man mehr über dich und deine Werke?

Hallo, ich bin Christina, 34 Jahre alt und nähe für mich und meine drei Söhne unter dem Namen Käferlgschäft.

Als Hobby-Näherin weißt du um den wahren Wert von Kleidung. Wie viel der Kleidung für dich und deine Kinder nähst du selbst und inwiefern hat das Nähen deinen Konsum (von Kleidung) beeinflusst?

Ich nähe den Großteil unserer Garderobe selbst. Nur der Mann scheut sich noch etwas. Aber die Jungs sind begeisterte Abnehmer meiner Kindermode. Ab und an kaufe ich aber auch gerne bei anderen Näherinnen ein, da natürlich jeder seinen eigenen Stil hat. Oberteile aus dem Laden kaufe ich tatsächlich nur noch sehr selten. An Hosen trau ich mich noch nicht so ran, da ich da die Robustheit noch nicht ganz erreiche, damit sie langlebig genug sind.

Hat selbstgenähte Kleidung einen anderen Stellenwert für dich als gekaufte?

Oh ja, definitiv. Es ist origineller, man spürt die Liebe, die darin steckt. Außerdem kann ich viel mehr auf die Wünsche der Jungs eingehen, kann Farben mixen, wie wir es möchten und Verrücktes ausprobieren.

Du nähst nicht nur für dich, sondern auch für deine drei Kinder. Alles selbst nähen zu wollen ist wohl utopisch. Hast du für dich und deine Familie eine Strategie entwickeln können, wie ihr Fast Fashion weitgehend meiden könnt?

Ich kaufe sehr viel gebraucht. Meine Jungs merken, dass man nicht alles neu braucht und man auf einige Modetrends auch verzichten kann. Natürlich gibt es aber auch mal das Ninja-Wendepailletten-Shirt, wenn es sich einer der Jungs wünscht. Ich finde, man kann ein gesundes Mittelmaß entwickeln.

Was kommt bei dir zuerst? Ein neuer Stoff oder ein neuer Schnitt? Kaufst du Stoffe auf Vorrat, aus dem du spontan schöpfen kannst, oder kaufst du projektbezogen?

Tatsächlich kommt bei mir erst der neue Stoff. Da ich meist Designbeispiele nähe, sehe ich zuerst das Design und überlege mir dann, welcher Schnitt dieses Design am Besten zur Geltung bringen würde. Meist bleibe ich dann aber doch bei meinen altbekannten Lieblingen.

Hast du Lieblingsstoffe, die du besonders gern verarbeitest und/oder trägst? Worauf legst du bei Stoffen besonderen Wert und wo beziehst du sie am liebsten?

Ich liebe Jersey und Sweat. Das ist für die Kinder einfach am Praktischsten. Für mich habe ich die Liebe zu Modal entdeckt, ein sehr weicher und fließender Stoff. Ich achte tatsächlich darauf, dass der Stoff unter fairen Bedingungen produziert wurde und schadstoffarm ist. Was bringt mir ein wunderschöner Stoff, wenn er nach Chemie stinkt und ich ihn dann nicht anziehen möchte?

Gibt es in deiner Schnittmustersammlung Schnitte, die du als besonders nachhaltig bezeichnen würdest? Und was ist der Grund dafür?

Was ich besonders oft trage und ich somit als nachhaltig bezeichne, sind Shirts mit Dreiviertel-Arm. Klappt perfekt im Frühling, teils im Sommer, im Herbst natürlich auch und im Winter mit der dicken Strickjacke.

Welche nachhaltigen Nähprojekte würdest du einem Nähanfänger empfehlen?

Abschminkpads. Die eigenen sich auch super als Restverwertung. Auf die eine Seite kommt ein ausrangiertes Frotteehandtuch und die andere Seite irgendein Jerseyrest. Zwei gleich große Kreise ausschneiden, links auf links einmal rundherum (Zick-Zack-Stick der Nähmaschine oder Overlock) nähen, fertig. Total easy und super, weil die Pads auch waschbar sind. Ich mag sie!

Vielen Dank, liebe Christina, für deine Meinung zum nachhaltigen Nähen. Noch mehr Interviews mit anderen NäherInnen gibt es demnächst. Wie findest DU die SuSeTalks und wen soll ich als nächstes befragen?

Ulrike

 

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