SuSeTalks mit Corinna {Elbmiezen}

Bei den SuSeTalks ist heute Corinna alias Fiene vom Blog Elbmiezen zu Gast. Die Mama von zwei kleinen Mädchen gibt Tipps zum resourcensparsamen Zuschnitt und annähernd vollständige Resteverwertung von Stoffen. Wir sprechen über Fast Fashion bei Kinderkleidung und über nachhaltige Nähprojekte für Anfänger. 

Hallo Fiene, ich freue mich, dass du mit mir übers Thema „Nachhaltigkeit beim Nähen“ reden möchtest. Aber zunächst: Stell dich einmal kurz vor. Wer bist du, wie kamst du zum Nähen und wo findet man mehr über dich und deine Werke?

Ich heiße Corinna und blogge als Fiene unter https://elbmiezen.blogspot.com sowie auf Instagram unter https://www.instagram.com/Elbmiezen. Ich nähe seit etwa 6,5 Jahren und bin durch meine beiden Kinder dazu gekommen, wobei die ersten 4 Jahre nur sehr sporadisch Kleidungsstücke, Deko und Taschen entstanden sind. Irgendwann sprach mich aber jemand auf die Röckchen der Mädchen an und fragte, ob die von einer bestimmten Marke seien. Ich fand es damals so beeindruckend, dass jemand glaubte, die Kleidungsstücke seien professionell gefertigt, dass ich seitdem viel mehr selbst nähe und kaum noch kaufe – wozu soll ich mich schließlich der Mode von der Stange unterwerfen, wenn ich mein eigenes Ding ganz nach meinem Geschmack machen kann?

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit beim Nähen?

Nachhaltigkeit beim Nähen bedeutet für mich I. auf die Qualität der Stoffe zu achten: soweit möglich unter akzeptablen Bedingungen entstanden und von guter Verarbeitung; II. Verschwendung zu reduzieren und vorm Zuschneiden nochmal nachzudenken: Bei vielen Schnittmustern sind die Zuschneidepläne sehr großzügig, was den Stoffverbrauch betrifft. Oft ist zwischen den Schnittteilen viel Platz, der als unbrauchbarer Verschnitt enden würde. Soweit Fadenlauf und Muster des Stoffes dies zulassen, versuche ich die Schnittteile enger aneinander zu legen. Manchmal ist es auch gut, sich direkt zu überlegen, ob der Stoff noch für ein anderes, kleineres Nähprojekt verwendet werden soll. Durch die Kombination der Schnittteile beider Projekte lässt sich aus einem Stoff oft mehr „herausholen“ als vorher gedacht. Verschnitt bleibt natürlich trotzdem immer übrig. Vieles hebe ich trotzdem auf und verwendet für kleine Details oder verwendet es zerschnibbelt als Füllmaterial (das Kleinschneiden ist mühsam, man kann es aber auch als meditativen Zeitvertreib sehen…).

Als Hobbynäherin weißt du, wieviel Zeit und Material in einem Kleidungsstück stecken. Inwieweit hat dieses Wissen deinen Konsum von Kleidung von der Stange beeinflusst?

Ich sehe heute viel kritischer auf das Material und die Verarbeitung von Kleidung von der Stange: In den letzten Jahren habe ich soviel Stoff gesehen, gerochen, angefasst, verarbeitet und dann im Alltag erlebt, dass ich ein viel besseres Gefühl für die Qualität habe. Darüber hinaus schaue ich genauer bei den Nähten hin und nehme eher mal Verarbeitungsmängel wahr, die mir früher nicht aufgefallen wären, aber für die Lebensdauer eines Kleidungsstücks entscheidend sind. In der Konsequenz habe ich meinen Konsum von Kleidung von der Stange auf ein für mich realisierbares Minimum reduziert.

Du bist Mama von zwei kleinen Mädchen. Da sind manche Kleidungsstücke schneller kaputt oder zu klein, als man denkt und nicht alles kann man kurzfristig selbst anfertigen. Schaffst du es trotzdem, Fast Fashion zu meiden? Wie ist deine Strategie bei Kinderkleidung?

Ja, das schaffe ich trotzdem – den größten Teil der Kleidung nähe ich selbst. Die Ausnahmen sind Outdoorjacken und Hosen sowie Leggings. Bei den Kindern gehen zum Glück in der Regel nur Leggings und Jeans kaputt. Sobald die Leggings Löcher an den Knien haben, werden sie gekürzt und mit einem Rollsaum versehen zu kurzen Höschen umfunktioniert. Jeans lassen sich flicken. Ich bin kein großer Fan von Bügelpatches an den Knien, mag aber Sashiko-inspirierte Flicken, wie sie zum Beispiel ganz aktuell Katrina Rodabaugh (Mending Matters) und Jessica Marquez (Make + Mend) in ihren Büchern zeigen.

In den sozialen Medien werden wir täglich mit neuen (Näh-)Inspirationen bombardiert. Wie gehst du mit dem Druck um, der durch die Vielzahl der Angebote aufbaut wird?

Anfangs habe ich das tatsächlich noch mitgemacht – ich habe dadurch viel ausprobiert an Stoffen, Farben, Schnittmustern, Händlern. Inzwischen habe ich ein besseres Gefühl dafür, was ich mag und wo ich es gut bekomme. Darüber hinaus nähe ich nicht mehr einfach ins Blaue hinein, sondern gehe viel planerischer und bedarfsorientierter vor. Trotzdem gibt es natürlich immer mal wieder Stoffe oder Schnittmuster, die in den Medien unheimlich präsent sind und mir auch spontan gut gefallen. Ich versuche aber, dem Kaufdrang nicht sofort nachzugeben, sondern erstmal abzuwarten, insbesondere wenn ich den Gegenpart – Schnittmuster oder Stoff – noch nicht habe (das gelingt natürlich nicht immer und manchmal ist das dann auch tatsächlich etwas, das ich schon länger gesucht habe). Oft erübrigt sich die Sache aber dann doch, weil ich nach einiger Zeit feststelle, dass Stoff oder Schnitt doch nicht 100% mein Ding sind.

Nach welchen Kriterien wählst du die Stoffe für deine Projekte aus und wo kaufst du sie am liebsten?

Qualität und Design sind für mich wichtig und müssen beide erfüllt sein, Nachhaltigkeit ein großer Pluspunkt. Ich finde es immer toll, wenn alles nötige Material für ein Projekt in sich stimmig ist, ich also zum Beispiel das farblich passende Bündchen zum Sweat oder den passenden Reißverschluss zum Hosenstoff bekomme, ohne lange suchen zu müssen. Ich kaufe gerne bei Bio-Stoff-Händlern wie Stoffbiotop, Eulenmeisterei oder Lebenskleidung ein, darüber hinaus bei Juni-Design, Tilla-Box, Kattun, 1000Stoff, Elsbeth und ich, Zick & Zack sowie Glücksmarie, im Einzelfall auch mal bei Atelier Brunette und See You at Six direkt.

Gibt es in deiner Schnittmustersammlung Schnitte, die du als besonders nachhaltig bezeichnen würdest? Und was ist der Grund dafür?

Viele Schnittmuster haben eine sehr große Größenspanne. Wenn aber ein SM z.B. die Größen 32-60 abdeckt, führt das sehr oft dazu, dass ein Teil der ausgedruckten Seiten gar nicht meine eigene Größe betreffen und im Müll landen. Toll finde ich es daher immer, wenn das SM einzeln auswählbare Layer für die einzelnen Größen enthält oder für jede Größe eine separate Datei vorsieht – so kann eine Menge Papier gespart werden. Viele der Schnittmuster in meiner Sammlung nutzen zum Glück bereits die eine oder die andere Variante. Außerdem habe ich vor kurzem die App Pattarina getestet, mit deren Hilfe das SM augmentiert direkt auf dem Stoff abgebildet wird. Das Tool ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und muss sicher noch weiter verfeinert werden, aber grundsätzlich ist es ein spannendes, das Papierschnittmuster einsparender Hilfsmittel mit Potential.

Welche nachhaltigen Nähprojekte würdest du einem Nähanfänger empfehlen?

Ich würde Upcycling-Projekte aus alten Kleidungsstücken, Bettwäsche, Spucktüchern, Handtüchern o.ä. Material hat schon seinen eigentlichen Lebenszweck erfüllt und muss nicht neu angeschafft werden. Wenn etwas schief gehen sollte, tut es deshalb der Umwelt wie auch der oder dem Kreativen hinter der Nähmaschine nicht so weh. Aus Jeans lassen sich zum Beispiel Taschen oder Kissen, aus alter Bettwäsche Kleider oder Hosen, aus Spucktüchern Küchenpapierersatz, aus alten Handtüchern Abschminkpads oder Waschlappen nähen.

Vielen Dank, liebe Corinna, für deine Tipps zum nachhaltigen Nähen.

Corinna stellt euch in ihrem aktuellen Blogpost nachhaltige Nähprojekte für Haushalt und Küche vor. Klickt euch rüber und lernt mehr über Gemüsebeutel und Küchentuchersatz.

Ulrike

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