SuSeTalks mit Jenny {buxsen}

Dass es auch für einen konsumbewussten Selbermacher gar nicht so leicht ist, immer nachhaltig zu handeln und einzukaufen, gesteht Jenny alias @buxsen im Gespräch bei SuSeTalks. Und sie zeigt uns außerdem tolle Upcycling-Ideen für alte Jeans.

Liebe Jenny, danke, dass du mit mir über „Nachhaltigkeit beim Nähen“ schnacken möchtest. Aber bevor es richtig losgeht: Stell dich einmal kurz vor. Wer bist du, wie bist du an der Nähmaschine gelandet und wo kann man deine Werke bestaunen? 

Ich bin Jenny Nottebohm, 44 Jahre alt, Mutter von 3 Jungs und lebe in der Nähr von Soest, NRW. Gebürtig bin ich aus Hamburg, die hanseatische Flagge halte ich gerne noch etwas hoch. Ich habe Ende der 90er Jahre schon einmal angefangen zu nähen, diese Hobby dann aber wieder aus den Augen verloren. 2007, nach der Geburt meines ersten Kindes habe ich dann wieder gestartet. Allerdings habe ich nie mit großem Enthusiasmus für meine Kinder genäht.
Ich zeige meine Nähstücke auf meinem Blog www.buxsen.blogspot.com und bin auch bei Instagram unter dem Namen BuxSen zu finden.

Als Hobby-Näherin weißt du um den wahren Wert von Kleidung. Wie viel der Kleidung für dich und deine Kinder nähst du selbst und inwiefern hat das Nähen deinen Konsum (von Kleidung) 
beeinflusst?  

Für mich selber nähe ich relativ viel selber, Ausnahmen machen da (noch) Hosen, aber das ist ja gerade ein großes Thema unter den Schnittmusterdesignerinnen. Ich gehe eigentlich nur noch selten für mich shoppen. Wenn ich dann etwas entdecke, was mir gefällt kommt meist schnell der Gedanke „Das kannst du auch selber machen, einen ähnlichen Schnitt hast du doch schonmal gesehen“.
Für meine Kinder nähe ich relativ wenig selbst. Da ist es aus Nachhaltigkeitssicht aber schon gut, dass ich drei Jungs habe und somit das meiste von einem zum nächsten weitergegeben wird. Was danach noch tragbar ist gebe ich an Freundinnen weiter oder spende es.

Hat selbstgenähte Kleidung einen anderen Stellenwert für dich als gekaufte?   

Ja, ich mag am Selbermachen, dass ich entscheiden kann, welchen Schnitt ich mit welchem Stoff kombiniere. Es entstehen Unikate. Mittlerweile nähe ich tatsächlich auch gern mal eine Naht mit der Hand, das gibt dem Ganzen noch ein gewisses Extra. Sehen kann das zwar niemand von außerhalb, aber ich weiß, dass es diese spezielle Naht gibt.

Was kommt bei dir zuerst? Ein neuer Stoff oder ein neuer Schnitt? Kaufst du Stoffe auf Vorrat, aus  dem du spontan schöpfen kannst, oder kaufst du projektbezogen? Und wo findest du deine Stoffe?  

Meistens habe ich den Stoff zuerst. Im Gegensatz zum Kaufen von Kleidung muss ich mich in Sachen Stoffkauf noch nachhaltiger verhalten. Ich liebe Stoffe und kann mich sehr oft nur sehr schwer zügeln. Aber das ist ein Verhalten, an dem ich arbeite und auch schon Besserung in Sicht ist.
Wenn ich einen Stoff kaufe habe ich zumindest die Kleider-Kategorie im Kopf. Oft wird es am Ende dann aber doch ein ganz anderes Projekt, als ursprünglich geplant.
Ich kaufe mittlerweile viel im Internet, man hat seine Händler und Hersteller, bei denen man sich auf die Qualität verlassen kann. Ökologisch ist das sicher auch nicht die beste Wahl, ich habe aber leider keinen Stoffhändler vor Ort, der schöne und besondere Stoffe vertreibt.

Gibt es in deiner Schnittmustersammlung Schnitte, die du als besonders nachhaltig bezeichnen 
würdest? Und was ist der Grund dafür?  

Das kommt darauf an, was man als nachhaltigen Schnitt bezeichnen möchte. Prinzipiell entsorge ich in der Regel keine Schnitte. Wenn ich mal aussortiere gebe ich vieles an Nähfreundinnen weiter.
Schnitte, die ich deutlich mehr als einmal nähe könnte man noch als Nachhaltig bezeichnen. Davon gibt es auch ein paar in meiner Sammlung.

In den Social Media wird man ständig mit schönen Bildern von tollen Schnitten und genialen Stoffen konfrontiert. Das ist zwar einerseits ein wunderbarer Quell von Inspiration, erzeugt aber andererseits auch den Druck mithalten zu müssen. Wie gehst du mit diesem Druck um?  

Die Inspiration mag ich sehr, allerdings kann ja tatsächlich nicht jeden Tag einen neuen Stoff bestellen. Außerdem lass ich mich mittlerweile nur noch selten unter Druck setzen, ich kaufe nichts, weil es Trend ist, sondern weil es mir gefällt.

Was sind deine Tipps für noch mehr Nachhaltigkeit beim Nähen? Welches nachhaltige Nähprojekt würdest du einem Nähanfänger empfehlen?  

Der beste Tipp ist natürlich, nur Materialien zu kaufen, wenn man sie wirklich benötigt. Da würde ich mir aber selber widersprechen. Ich mag mein gut gefülltes Lager, ich kann einfach spontan etwas nähen, wenn mir danach ist.
Lieblingsprojekte von mir sind Upcycling Projekte. Alte Jeans zu Taschen zu vernähen oder in neuen Kleidungsstücken wieder zu verwenden finde ich großartig.

Danke, für deine offenen Worte, liebe Jenny!

Wenn auf ihrem Blog und auf Instagram unter dem Hashtag #greenDIYalong zeigt Jenny tolle Ideen zum Upcycling von kaputten Jeanhosen. Klickt euch mal rüber.

Ulrike

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