SuSeTalks mit Marina {Metterlink}

Weiter geht die SuSeTalks-Reihe mit Marina vom Blog Metterlink. Marina hat sich 2015 vorgenommen, ein Jahr lang aufs Shoppen zu verzichten. Wie das kam und was auch dem Versuch geworden ist und wo die Stolpersteine für sie liegen, erzählt sie uns im heutigen Interview. Und sie gibt uns Tipps, welche Fehler man besser vermeiden sollte, wenn man gerade mit dem Nähen beginnt.

Hallo Marina, danke dass du mit mir über „Sustainable Sewing – Nachhaltiges Nähen“ sprechen möchtest. Zunächst: Stell dich bitte kurz vor. Wie bist an der Nähmaschine gelandet und wo findet man mehr über dich? 

Hallo Ulrike! Ich hatte 2012 eine Knie-OP und anschließend viel Zeit. Da habe ich die Bloggerwelt entdeckt – eigentlich über das Stricken. Ich wollte auch schon lange eine Nähmaschine haben, um so kleine Reparaturarbeiten selber zu machen und um zu üben, habe ich mein erstes Täschchen genäht. Heute zeige ich meine genähten Sachen auf www.metterlink.com, auf Instagram und Facebook findet ihr mich ebenfalls unter @metterlink. Denn so wie ich über Blogs beim Nähen gelandet bin, so will ich meine Begeisterung für dieses Hobby auch mit vielen teilen. Vielleicht kann ich ja auch jemanden anstecken? ;)

Vor vier Jahren hast du beschlossen, ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen und alles selbst zu nähen. Wie kam es dazu und wie hat sich dein Konsum seither verändert? 

Ich habe vor diesem Jahr schon vieles selbstgenäht, aber mich an bestimmte Projekte noch nicht getraut. Das war zum Beispiel eine Jeans. Andererseits war der Weg zum Kaufen halt auch der Schnellere. Ich wollte diesen Kreislauf durchbrechen und mich selber etwas unter Druck setzen. Das hat auch super funktioniert! Und während diesem Jahr ist mir bewusst geworden, wie schnell wir konsumieren, unnötig Geld ausgeben und das für Produkte, die unter sehr zweifelhaften Bedingungen hergestellt werden. Und noch dazu ziehe ich selbstgemachte Klamotten viel lieber an! Seither habe ich lange Zeit gar nichts mehr gekauft.

Seit zwei Jahren nähst du nicht mehr nur für dich, sondern auch für den Mini-Metterlink. Aber als berufstätige Mama ist Nähzeit oft Mangelware. Was tust du, um nicht doch in die Fast-Fashion-Falle zu stolpern? 

Manchmal nähe ich sogar lieber für den Mini-Metterlink als für mich, weil die Sachen so viel schneller fertig sind. Aber Nähzeit ist eindeutig Mangelware geworden. Für den Mini-Metterlink haben wir jedoch ein perfektes Klamottenlager vom großen Cousin. Wenn er die nächste Größe hat, bekomme ich die nächsten Bananenkisten ;) Ich ergänze das nur noch durch Sachen, die vermeintlich noch fehlen.
Meine eigene Garderobe ist ja grundsätzlich schon vorhanden. Trotzdem verändert sich der Geschmack und die Liste, was ich gern für mich nähen würde, reißt nie ab. Und manchmal brauche ich tatsächlich relativ dringend eine Ergänzung. Deshalb habe ich einen Deal mit mir gemacht: Ich kaufe hin und wieder etwas ein, dieses aber mit Bedacht, nach Möglichkeit auch fair hergestellt (hier ist aber meine Kleidergröße leider ein kleines Problem. Die Größenspektren der modischen, fairen Klamotten hören da meist auf.). Nähen soll nämlich nicht in Streß ausarten – den hat man in einer Familie mit Beruf eh genug. Das Anziehen soll Spaß machen. Und seitdem ich wieder schwanger bin, lange mit Müdigkeit und Übelkeit zu kämpfen hatte, versuche ich umso mehr selbstgemachten Streß zu vermeiden. Aber am liebsten ziehe ich immer noch Selbstgemachtes an, von daher reguliert sich das alles selber ;)

Und wo wir gerade bei „Shoppen“ sind: Wo kaufst du am liebsten deine Stoffe? Hast du ein gut bestücktes Stofflager, aus dem du spontan schöpfen kannst, oder kaufst du eher projektbezogen? 

Ich habe leider ein riesiges Stofflager voller nicht genähter Projekte. Stoffe kaufe ich zwar projektbezogen ein, überschätze aber wie alle meine tatsächliche Nähzeit. Am Anfang hatte ich mir immer ein großes Stofflager gewünscht, da mir immer ein Bündchen, ein Kombistoff oder so gefehlt hat. Aber ich habe festgestellt, dass das Stofflager bis heute nicht immer die richtige Kombi bereithält.
Deshalb versuche ich momentan, meine Nähprojekte nur aus dem Stofflager fertigzustellen, was mal besser und mal schlechter funktioniert.

Welches ist deiner Meinung nach der nachhaltigste Schnitt in deiner Schnittmustersammlung und warum? Ist es zugleich auch dein liebster und/oder meist genähter Schnitt? 

Der nachhaltigste Schnitt? Also für mich ist sicher der praktischste und variabelste Schnitt  die Else von schneidernmeistern. Die Else habe ich schon als Shirt, als Kleid in den unterschiedlichsten Varianten genäht und ich trage sie alle sehr häufig. Ich glaube, es ist auch der meist genähte Schnitt…
Für den Mini-Metterlink liebe ich den Schnitt von Misusu Patterns, der Raglan Sweater. Das ist wohl der meist genähte Schnitt und damit für mich auch der nachhaltigste.

In den Social Media wird man ständig mit schönen Bildern von tollen Schnitten und genialen Stoffen konfrontiert. Das ist zwar einerseits ein wunderbarer Quell von Inspiration, erzeugt aber andererseits auch den Druck mithalten zu müssen. Wie gehst du damit um? 

Ja, es stimmt wohl, dass das auch mal Druck erzeugen kann. Aber am ehesten doch Lust aufs Nähen, oder? Und mithalten kann und will ich bei manchen Leuten auch nicht. Da stellt sich für mich eher die Frage, ob das wirklich das neue Lieblingsteil ist oder ob es nächste Woche dann schon im so genannten Flohmarkt wieder verkauft wird. Aber auch hier reglementiert die Nähzeit die Projekte und das Haben- Wollen- Gefühl.

Was sind deine Tipps für noch mehr Nachhaltigkeit beim Nähen? Welches nachhaltige Nähprojekt würdest du einem Nähanfänger empfehlen?

Gerade am Anfang habe ich sehr nachhaltig genäht: Nur aus Reststücken oder Upcycing-Projekte, da ja noch kein Stofflager da war. Tatsächlich finde ich Nachhaltigkeit aber gerade zu Beginn sehr schwierig: Denn Übung macht den Meister! Und auch wenn das erste Shirt nicht perfekt wird, so sollte man ruhig weiter Shirts nähen. Irgendwann werden diese Sachen aber aussortiert werden, aber das ist auch nicht tragisch.
Vor dem Nähen und auch schon vor dem Stoff- und Schnittkauf sollte man sich aber Gedanken über Schnittformen und Farben machen. Was trage ich gerne? Welche Farben trage ich, um auch gut kombinieren zu können? Das kam bei mir erst im Laufe der Nähzeit und so habe ich auch mal viele Stoffe aussortiert, weil sie einfach nicht zu mir gepasst haben. Graue Stoffe zum Beispiel ;) Und manchmal ist weniger auch mehr: Lieber qualitativ hochwertige Stoffe verwenden, die nicht perfekte Naht doch nochmal auftrennen aber danach ganz viel Freude am Kleidungsstück haben! Und bei allem: Nähen ist doch nur ein Hobby! Bei allem Perfektionismus und nachhaltigen Gedanken nie den Spaß daran verlieren!

Danke, liebe Marina, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Mehr über Marina und ihr Jahr ohne Shoppen, das eigentlich bis heute andauert findet ihr auf ihrem Blog: www.metterlink.de

Ulrike

3 Kommentare

  1. Auf den Blog von Marina bin ich aufmerksam geworden, als damals die Lokalzeitung (Augsburger Allgemeine) über ihr Jahr ohne Kaufkleidung berichtet hat. Seitdem schau ich bei ihr immer gerne mal wieder rein.
    Ich muss hier auch mal mein generelles Lob für die neue Kategorie „Sustainable Sewing“ und diese Interview-Reihe loswerden – ich lese gerne mit!

    • Danke für deine Worte Gisela! Und schön, dass du immer wieder bei mir vorbeischaust!
      Ich finde die Serie bei Ulrike auch total klasse! Nicht nur, weil ich interviewt wurde, sondern weil man einfach noch mehr

    • Dankeschön, liebe Gisela. Ich freue mich, dass die neue Kategorie auf so viel ZUstimmung stößt und ich hoffe, dass ich einen kleinen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Nähszene leisten kann. Marina kenne ich übrigens schon persönlich und sie ist „in echt“ genauso toll und fröhlich, wie sie auf ihrem Blog wirkt.
      Liebe Grüße, Ulrike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich freue mich auf deinen Kommentar. Bitte beachte, dass beim Kommentieren Name, Email-Adresse und Text an mich übertragen werden. Die Details findest du in der Datenschutzerklärung.