SuSe Info: Leinen

Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert. Leinen ist DER Sommerstoff schlechthin. Er ist robust, schmutzunempfindlich, leicht und glatt, fühlt sich kühl an auf der Haut, nimmt Schweiß gut auf und gibt ihn schnell wieder ab. Und ganz nebenbei hat er oft auch eine richtig gute Ökobilanz. Hier gibt’s die gebündelte Info über den uralten Trendstoff. Also Vorhang auf – oder besser: Leinen los!

Material und Herstellung

Leinen wird aus einer Pflanze namens Flachs gewonnen und besteht daher hauptsächlich aus Zellulose, also Pflanzenfasern. Flachs ist eine genügsame Faserpflanze und gedeiht direkt vor unserer Tür. Leinen ist damit quasi ein regionales Produkt. Hauptanbaugebiete in Europa sind Nordfrankreich, Norddeutschland, Polen und Litauen. Der weltweit größte Flachs- und Leinenproduzent ist allerdings China und auch in Ägypten wird Flachs angebaut. Wer also aus Sicht der Nachhaltigkeit den Vorteil der Regionalität des Produkts geltend machen möchte, muss auf die Herkunft des Flachses achten.

Beim Anbau benötigt die Pflanze (vor allem im Vergleich zu Baumwolle) nur wenig Wasser, kaum Dünger und in der Regel keine Pestizide. Der Flachsanbau ist daher ökologisch vorteilhaft. Dem steht ein verhältnismäßig großer Energiebedarf bei der Weiterverarbeitung des Flachses zu Leinenfasern gegenüber.

Nach der Ernte werden die Fasern im Inneren des Stängels durch eine aufwändige Prozedur extrahiert. Zunächst werden die samt Wurzel aus dem Boden gezogenen Pflanzen in der Regel flach in Reihen auf dem Feld liegen gelassen. Mikroorganismen setzen die sogenannte Rotte oder Röste in Gang, bei der die Faserbündel im Inneren des Pflanzenstängels aus dem restlichen Pflanzengewebe gelöst werden. In wärmeren Anbaugebieten (China, Ägypten) wird diese Rotte aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit durch Bäder in warmen Wasser erreicht. Das dabei entstehende Abwasser ist aus ökologischer Sicht problematisch.

Anschließend wird das Flachsstroh in der sogenannten Schwingerei getrocknet, gereinigt und über gezahnte Walzen gehechelt (also gekämmt). Es entstehen regelrechte Flachszöpfe, die aus lauter kleinen bis zu 40 Millimeter langen Einzelfasern bestehen. Diese Faserzöpfe können nun entweder direkt zu Garn versponnen werden oder durch Bleichen weiter verfeinert und anschließend verarbeitet werden.

Anschließend wird das Flachsstroh in der sogenannten Schwingerei getrocknet, gereinigt und über gezahnte Walzen gehechelt (also gekämmt). Es entstehen regelrechte Flachszöpfe, die aus lauter kleinen bis zu 40 Millimeter langen Einzelfasern bestehen. Diese Faserzöpfe können nun entweder direkt zu Garn versponnen werden oder durch Bleichen weiter verfeinert und anschließend verarbeitet werden.

Eigenschaften

Da Leinen aus Zellulosefasern besteht, ist es als Webware sehr fest und unelastisch, daher kommt aber auch die Neigung zum starken Knittern. Leinen knittert edel – das muss man sich manchmal einfach einreden. Bei guter Pflege (siehe unten) kann die Knitterneigung reduziert werden. Gleichzeitig ist das Material sehr robust und reißfest, selbst im nassen Zustand und kann gut in der Waschmaschine gewaschen werden. Aufgrund der besonders glatten Zelluloseketten des Leinens ist das Material nahezu fusselfrei und durch seine antistatischen Eigenschaften unanfällig gegen Schmutz und Bakterien. Das heißt, auch an heißen Sommertagen fängt man in Leinenkleidung nicht so schnell an zu müffeln. Außerdem hat es einen kühlenden Effekt, indem es viel Feuchtigkeit aufnehmen und diese auch schnell wieder abgeben kann. Leinen ist das ideale Ausgangsmaterial für Sommerkleidung. Und darüber hinaus – wichtig für Allergiker – von allen Textilfasern dasjenige mit dem geringen Allergiepotenzial.

Bedeutung und Nachhaltigkeit

Weltwirtschaftlich betrachtet verschwindet Leinen mit einem Anteil von nur zwei Prozent beinahe in der Bedeutungslosigkeit (in Deutschland und Österreich sind es immerhin vier Prozent am Gesamtvolumen aller Textilien). Tendenz allerdings leicht steigend. Der bedeutendste Textilrohstoff ist mit einem Anteil von 50 Prozent übrigens Baumwolle. Der Vorteil von Leinen gegenüber der Baumwolle ist sein ökologischer und ressourcenschonender Anbau. Beim Flachsanbau werden wesentlich weniger Pestizide und Düngemittel eingesetzt als beim Anbau von Baumwolle oft notwendig ist, weil Flachs weniger anfällig ist und ohnehin eher ungedüngte Böden bevorzugt. Und auch der Wasserverbrauch ist nur etwa ein Viertel so groß wie bei der Baumwolle (Vergleich: Zur Herstellung von einem Kilogramm Baumwolltextil werden ca. 11.000 Liter Wasser benötigt; bei Leinen sind es nur ca. 2.500 Liter – in der Regel genügt das natürliche Niederschlagswasser der ohnehin niederschlagsreichen Anbaugebiete). Da Flachs hervorragend in den maritimen Regionen Mitteleuropas gedeiht ist er als quasi regionales Produkt der aus Südostasien, Zentralafrika oder Mittel- und Südamerika stammenden Baumwolle aus ökologischer Sicht ohnehin überlegen.

Doch auch der Flachsanbau ist nicht frei von Tadel. Der Großteil des Flachses wird konventionell erzeugt, wobei unter Umständen bestimmte (Total-) Herbizide, Insektizide und Fungizide zum Einsatz kommen. Auch das Saatgut ist in der Regel behandelt (gebeizt), um es gegen Schädlinge und Pilzbefall zu schützen. Wer naturnah erzeugten Leinenstoff ohne Gifteinsatz erwerben möchte, kann nur beim Kauf von Leinen aus kontrolliert biologischen Anbau (kbA) ganz sicher gehen. Dieser ist allerdings selten und entsprechend hochpreisig. Nur ca. ein Prozent der Leinenstoffe am Markt ist bio-zertifiziert. Hier gilt allerdings zu beachten, dass es vor allem in Europa kleinere Hersteller gibt, die zwar nach GOTS-Standards produzieren, sich eine Zertifizierung jedoch nicht leisten können. Spezialisierte Händler (siehe unten) geben Auskunft über die Herstellungsart- und den Herstellungsort des Materials. Leinenstoffe aus kbA gelten als besonders hochwertig, da die naturnah angebauten Pflanzen oft längere Fasern ausbilden. Der Anbau ist für die Bauern trotzdem oft nicht lukrativ, da beim kbA mehr Saatgut und auch mehr Arbeitsleistung eingesetzt werden müssen und der Ertrag trotzdem oft geringer ist als beim konventionellen Anbau.

Leinenstoffe aus kbA sind nicht so leicht zu finden. Mögliche Bezugsquellen sind:

Stoffe aus Leinen

Leinen kann sehr vielfältig verarbeitet werden sowohl zu Webware als auch zu Maschenware. Je nach Bindung, Webart und Feinheit des Ausgangsmaterials kann ein Leinenstoff sehr fein und leicht, aber auch grob und dick sein. Typische Leinenstoffe sind Batist, Drell, Denim oder Köper, mittlerweile auch Jersey. Ob ein Stoff aus Leinen oder Baumwolle besteht, ist oft auf den ersten Blick nicht erkenntlich. Wer auf der Suche nach Stoffen aus Leinen ist, sollte auf dem Typenschild nach der Bezeichnung [LI] Ausschau halten.

Nur Stoffe, die wirklich zu 100 Prozent aus Flachsfasern bestehen, dürfen als Leinen bezeichnet werden. Auch Mischungen sind möglich. Bei Halbleinen besteht beispielsweise der Schussfaden aus Leinengarn und die Kette aus Baumwollgarn, dies muss dann explizit angegeben sein. Neu auf dem Markt ist sogenanntes Slubleinen von Meet Milk, eine Mischung aus Leinen und Tencel®.

Verarbeitung von Leinenstoffen

Die meisten Leinenstoffe lassen sich sehr gut mit der Haushaltsnähmaschine verarbeiten. Weil sie im frisch gewaschenen Zustand oft eine gewisse Festigkeit und Stand haben, können sie sehr akkurat genäht und gebügelt werden. Bei der Wahl der Schnittmuster sollte man beachten, dass Leinen beim Tragen oft etwas nachgibt und sich bei der Wäsche wieder zusammenzieht. Sehr eng anliegende Kleidungsstücke sind mit Leinen daher nur schwierig zu realisieren. Beim Nähen sollte man also auf legere Schnitte zurückgreifen, die das Spiel des Materials aufgreifen. Nicht vorgewaschenes Reinleinen läuft bei der ersten Wäsche sehr stark ein. Die meisten Leinenstoffe sind jedoch ab Werk vorgewaschen und laufen nur noch zwischen 4 und 8 Prozent ein. Trotzdem gilt: Leinenstoffe vor dem Nähen unbedingt vorwaschen. Zum Nähen selbst können je nach verwendeter Stoffdicke Universalnadeln mit 70er bis 120er Stärke verwendet werden.

Pflege von Leinenstoffen

Leinen ist grundsätzlich ein sehr robuster und langlebiger Stoff, was ihm einen großen Pluspunkt in Sachen Nachhaltigkeit verschafft. Kleidung aus (hochwertigem) Leinen hält einfach lange. Leinen ist von Natur aus schmutzabweisend und antibakteriell. Oft genügt es, ein getragenes Kleidungsstück gut zu lüften. Aber auch eine intensive Reinigung ist problemlos möglich. Weil es so reißfest und resistent gegen Laugen ist, kann Leinen sehr gut in der Maschine gewaschen werden. Leinen benötigt bei der Wäsche viel Wasser, daher kein wassersparendes Programm benutzen und die Maschine nur zur Hälfte füllen, und möchte mit wenigen Umdrehungen geschleudert werden (dann knittert es nicht zu stark). Den Wäschetrockner möchte Leinen niemals von Innen sehen. Ist auch nicht nötig, denn zum Bügeln sollte Leinen ohnehin noch leicht feucht sein. Wird es im trockenen Zustand sehr heiß gebügelt, können die Leinenfasern spröde werden. Trockenes Leinen zum Bügeln daher unbedingt anfeuchten, z.B. besprühen oder ein feuchtes Tuch dazwischen legen.

SuSe Info Checkliste:

+ regionaler Anbau
+ geringer Wasser- und Düngerbedarf beim Anbau
+ hohe Reißfestigkeit und Haltbarkeit
+ positive Trageeigenschafte

– Hoher Energiedarf bei der Verabeitung des Flachses
– Knitteranfälligkeit des Stoffes

Anmerkungen: Dieser Artikel wurde sorgfältig recherchiert und wird laufend aktualisiert. Dennoch ist er nicht hundertprozentig objektiv und enthält meine perönliche Meinung. Anmerkungen und Hinweise gern per Mail an ulrike@moritzwerk.de

Meine bisherigen Projekte aus Leinen:

1 Kommentare

  1. Vielen herzlichen Dank für deinen superinteressanten und informativen Beitrag!!! Liebe Grüße von Silke (#selber_gmacht)

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