Ich nähe keine Taschen {Filigree}

Taschen und Täschchen – eigentlich so gar nicht mein Metier. Dieses kleinteilge Gefummel, der Kampf mit Schaumstoffeinlagen und Bügelvliesen, diese gefühlte Unendlichkeit der Schnittmusterteile. Und dann auch noch ständig diese nervigen Reißverschlüsse überall! Und dennoch nähe ich immer öfter welche. Und sogar immer lieber. Warum, wieso, weshalb und welches meine aktuellen Favoriten sind… jetzt hier:

Enthält Spuren von Werbung | Das Schnittmuster wurde mir zum Designnähen kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Stoffe und Materialen sind selbst gekauft. Wie immer gilt: Mein Post, meine Meinung.

Nein, die meisten Taschen und Täschchen nähe ich wirklich nicht gerne. Jedenfalls nicht mit Freude oder Genuss. Dafür sind mir die Schnitte und die dazugehörigen Teile oft zu unübersichtlich. Ich meine, aus wie vielen gefühlt gleich großen Rechtecken kann so ein Täschchen eigentlich bestehen?! Dazu kommen diese kryptischen Einlagen und Vliese. H250, Stylevil oder Soft&Stable. Bitte was?! Dann auch noch Reißverschlüsse! Wer näht schon gerne Reißverschlüsse ein? Vom Auffädeln des Zippers auf einen Endlosreißverschluss ganz zu schweigen. Bei fünf Lagen Stoff und Einlage und Vlies, die ein Eigenleben führen und sich irgendwie immer gegeneinander verschieben, kommt meine Maschine gern mal an ihre Grenzen. Und meine Geduld auch. Und dann kommt erst noch der Endgegner: Wendeöffnungen. Ihr wisst, was ich meine.

Und dennoch: Wenn man es erst einmal geschafft hat, eine viel zu fette Tasche durch eine viel zu kleine Wendeöffnung zu… gebähren [ich sehe da durchaus Parallelen]… folgt doch meist ein recht erhabener Moment. Eine Tasche. Irgendwo zwischen „perfekt“ und „wenigstens nützlich“. In jedem Fall ein Unikat, das einfach immer passt. Eine Tasche kann einfach nicht zu groß oder zu klein sein. Man muss nichts anpassen. Und egal, wieviele Plätzchen man diesen Advent in sich reinstopft, zu Weihnachten passt die Tasche garantiert immer noch.

Und das ist dann auch der Grund, warum ich am Ende doch ganz schön viele Taschen nähe, obwohl ich das Taschennähen eigentlich gar nicht so recht genießen kann. Sie sind einfach die idealen Geschenke. Am allerliebsten verschenke ich Filigrees. Diese Täschchen hier gehören jetzt meiner Mama, der Schwiegertochter meiner Tante und einer ehemaligen Arbeitskollegin. Und das Tollste: Mit jeder genähten Tasche werde ich taschennähtechnisch gelassener. Nach mittlerweile fünf Filigrees weiß ich inzwischen, an welchen Stellen meine persönlichen Defizite liegen. Auswendig kann ich die Anleitung immer noch nicht. Ist aber nicht schlimm. Die Doppelreißverschlüsse sehen zwar abenteuerlich aus, aber die Anleitung ist so ausführlich gestaltet, dass selbst Taschenverweigerer wie ich zu einem ansehnlichen Ergebnis kommen.

Die Filigree kommt in drei möglichen Größen daher. Ich habe bisher vier mal die kleinste und einmal die mittlere Größe genäht. Die kleinsten haben für mich das ideale Kosmetiktäschchenmaß. Ein Täschchen für die wichtigsten Notwenigkeiten: Lippenstift, Tampons, Kopfschmerztabletten, Kondome, Notfallschokolade – was frau eben so mit sich trägt (oder auch nicht). Durch die zwei idealerweise unterschiedlich farbigen Reißverschlüsse weiß man auch immer genau, was wo drin ist. Nicht dass man bei der Suche nach dem Labello im Meeting plötzlich einen Tampon an die Lippen führt… Dass zwei Abteile praktisch sind, ist also unbestritten. Aber darüberhinaus macht dieser Doppelreißverschluss auch optisch echt was her. Zwei Reißverschlüsse direkt nebeneinander! Wo gibt’s sowas schon zu kaufen? Es ist doch beeindruckend, was man alles nähen kann, wenn man nähen kann.

Obwohl ich also gar nicht gerne Taschen nähe, werde ich immer wieder welche nähen. Einfach weil es eine Freude ist, selbstgenähtes zu verschenken. Vor allem, wenn man kleinste, wertvolle Stoffreste verarbeiten kann. Die beiden grauen Filigrees entstanden aus dem übrig gebliebenem Oilskin meines #derandererucksack und die schwarz-weiße besteht aus Resten der allerersten Stoffe, die ich jemals bewusst gekauft habe… Ich finde es immer wieder schön, wenn geliebte Stoffreste eine derart würdige Verwendung finden. Hach, da werd‘ ich sentimental…

Wer jetzt auch noch unbedingt ein paar ganz besondere Weihnachsgeschenke produzieren möchte, dem sei die aktuelle Taschen-Aktions-Woche von Näh-Connection ans Herz gelegt. Zehn bis zwanzig Prozent Rabatt gibt es noch bis Sonntag (1. Dezember) auf Taschenschnitte, je nachdem wie viele ihr kauft. Filigree kann ich wärmstens empfehlen. Und Annex. Die zeige ich euch am Donnerstag und beweise, dass man mit Täschchen sogar Männer beglücken kann. Echt jetzt!

  • Ulrike

Schnittmuster
Filigree Double Zip Pouch von Sew Sweetness in deutscher Übersetzung von Näh-Connection

Stoffe
Taschen Grau – Dry Oilskin von Merchant&Mills in der Farbe Midnight, Kunstleder in Kupfer, Endlosreißverschlüsse von Snaply
Tasche schwarz-weiß – Baumwollpopeline mit Design von Lotta Jansdotter, anno dazumal gekauft bei Frau Tulpe, Metallreißverschlüsse von 1000stoff

1 Kommentare

  1. Hallo Ulrike,
    ein toller Text, der mich zum schmunzeln gebracht hat und zum Lust-auf’s-nachmachen :-)
    Ich bin bisher auch kein großer Taschen-Nähfan, aber der Punkt mit dem nicht-mehr-anpassen-müssen stimmt!! ;-))

    Liebe Grüße,
    Andrea

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