Sustainable Sewing

SuSe Info: Baumwolle

In der SuSe-Reihe geht es hier auf dem Blog um nachhaltiges Nähen – Sustainable Sewing. Dieser Beitrag beleuchtet ein Material, das auf so ziemlich allen Nähtischen und in allen Stoffsammlungen allgegenwärtig ist: Baumwolle. Warum wir Baumwolle lieben, und warum Baumwolle oft problematisch ist, erfährst du hier. Schnapp‘ dir einen Kaffee, es könnte länger dauern…

Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert. In meinen Recherchen bemühe ich mich um Objektivität. Dennoch erhebe ich nicht den Anspruch auf formelle Korrektheit. Die angegeben Links sind nicht als Werbung zu verstehen, sondern dienen der weiteren Vertiefung der Lektüre.

Material und Herstellung

Jährlich werden weltweit ca. 25 Mio Tonnen Baumwolle geerntet. Das ist mehr als ein Viertel der weltweit produzierten Textilfasern. Von den Naturfasern ist Baumwolle mit 75 Prozent mit Abstand die wichtigste in der globalen Faserproduktion. Die größten Produzenten sind China, Indien und die USA. In Europa wird Baumwolle in geringem Umfang unter anderem in Griechenland und Spanien angebaut.

Baumwolle ist eine natürliche Faser, die aus dem Samenfasern der Baumwollpflanze gewonnen wird. Dieses Malvengewächs ist entgegen seines Namens kein Baum sondern eine strauchige, normalerweise mehrjährige Pflanze, aus deren Samen bei der Reife die weichen Fasern entstehen. Nach der Ernte werden die langen Samenhaare (Lint) gekämmt, der Länge nach sortiert und mit Spinnmaschinen zu Garn versponnen. Während des Spinnens wird das Garn i.d.R. mit chemischen Mitteln behandelt, um es reißfester zu machen. Diese werden später wieder ausgewaschen. Aber nicht nur zur Textilherstellung wird Baumwolle verwendet. Die kürzeren Fasern (Linter) werden u.a. auch für Zelluloseprodukte wie Hygieneartikel, Watte, aber auch Papiere und faserverstärkte Kunststoffe eingesetzt.

Historie

Ursprünglich stammt die Baumwollpflanze aus den Tropen und Subtropen. Schon vor tausenden Jahren wurde Baumwolle auf dem Gebiet des heutigen Indien domestiziert, später im Babylonischen Reich und im Alten Ägypten genutzt und gelangte von dort über Handelswege auch nach Europa. Unabhängig davon wurde die Pflanze schon um 4000 v.Chr. auch in Süd- und Mittelamerika und später im südlichen Nordamerika domestiziert. Heute wird sie als einjährige Feldpflanze auf allen fünf Kontinenten angebaut.

Zu Zeiten der Maya und Azteken, des Römischen Reiches und bis ins europäische Mittelalter war Baumwolle ein sehr wertvolles Luxusgut. In Europa nutzte man damals Stoffe aus Leinen oder Schafwolle. Erst zu Beginn der industriellen Revolution und mit Entwicklung passender Webstühle konnte Baumwolle auch in Europa wirtschaftlich verarbeitet werden. Bis dahin waren reine Baumwollgewebe nur in Indien zu finden. Baumwolle setzte sich ab dem 18. Jahrhundert aufgrund der leichten Verarbeitung und der guten Trageeigenschaften schnell als bevorzugte Kleidungsfaser gegenüber anderen Fasern wie Schafwolle oder Leinen durch. Bis Anfang der 2000er Jahre war Baumwolle die meistgenutzte Textilfaser weltweit. Seitdem sinkt der prozentuale Anteil der Baumwolle am globalen Textilaufkommen (die absolute Menge steigt jedoch noch immer) und der Anteil an Kunststoffasern nimmt immer weiter zu. Denn obwohl die Pflanze sehr genügsam ist, kann sie nicht in unendlicher Menge und erst recht nicht überall angebaut werden. Die Nachfrage ist längst größer als das Angebot, weshalb verstärkt synthetische Fasern eingesetzt werden.

Anbau

Die eigentlich mehrjährige Baumwollpflanze wird zur Ertragsmaximierung als einjährige Feldpflanze angebaut. Sie gedeiht gut auf nährstoffarmen, schweren Böden. Zwischen Aussaat und Ernte liegen oft acht bis neun Monate. In der Vegetationsperiode benötigt die Pflanze viel Wasser. In den tropischen bis subtropischen typischen Anbaugebieten erfolgt die Bewässerung mittels Regenwasser. In trockeneren Gebieten muss künstlich bewässert werden. Zur Ausreifung der Samenkapseln benötigt die Baumwolle anschließend hohe Temperaturen und Trockenheit.

Die Ernte erfolgt maschinell oder per Hand. Da die Baumwollkapseln nur ungleichmäßig reifen, ist die maschinelle Ernte immer ein Kompromiss aus Qualität und Ökonomie. Die Erntemaschinen unterscheiden nicht zwischen reifen, unreifen oder überreifen Samenkapseln, sodass eine Mischung geerntet und verarbeitet wird. Zudem können manche Erntemaschinen nur laubfreie Pflanzen abernten, sodass teilweise umweltschädliche Entlaubungsmittel zum Einsatz kommen. Die Qualität der handgepflückten Baumwolle ist stets höher, weil nur reifes Material geerntet wird, allerdings ist auch der Arbeitsaufwand (und mit ihm die Kosten) wesentlich höher.

Der großflächige Anbau und die maschinelle Ernte finden hauptsächlich in den USA und China statt. In den Ländern Afrikas und Indien stellt der kleinflächige Anbau oft die Lebensgrundlage für ganze Dorfgemeinschaften dar. Insbesondere Frauen profitieren vom (biologischen) Baumwollanbau.

Nachhaltigkeit

Etwa zwei Drittel der weltweit angebauten Baumwolle ist gentechnisch verändert. Nur rund ein bis zwei Prozent werden nach ökologischen Gesichtspunkten als Biobaumwolle angebaut. Darum ist es wichtig, Baumwolle auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu betrachten.

Wasser

Häufig heißt es, Baumwolle benötige viel Wasser. Das stimmt so allerdings nicht. Tatsächlich gehört sie zu den Feldfrüchten mit dem geringsten Wasserbedarf (z.B. im Vergleich zu Weizen oder Mais) und ist daher ein ideales Anbauprodukt für Bauern zwischen dem 32. Breitengrad Süd und dem 37. Breitengrad Nord. Baumwolle benötigt nur während der Vegetationsperiode genügend Wasser und anschließend sehr hohe Temperaturen mit Trockenheit zur Reifezeit. Sie kann daher nur in heißen Regionen angebaut werden. Die tropischen Regionen, aus denen die Pflanze stammt, verfügen über genügend Niederschläge, damit Baumwolle ohne künstliche Bewässerung angebaut werden kann. Jedoch ist die Nachfrage nach dem Rohmaterial derartig gestiegen, dass auf suboptimale Anbaugebiete ausgewichen wird. Dort ist ein gutes Bewässerungsmanagement und die Auswahl des richtigen Standorts entscheidend. Auch der Verzicht auf Monokulturen kann den Bewässerungsbedarf verringern, weil der Boden das verfügbare Wasser dann besser speichern kann.

Ein Negativbeispiel für den Baumwollanbau sind die riesigen Monokulturen in Usbekistan, die zum fast vollständigen Austrocknen des Aralsees geführt haben. Die „Schuld“ dafür ist aber nicht bei der Baumwolle an sich zu suchen, sondern im falschen Bewässerungsmanagement der Landwirte.

Manchmal hört man, dass Bio-Baumwolle weniger Wasser benötige als konventionell angebaute Baumwolle. Auch das ist so nicht richtig. Grundsätzlich benötigt jede Baumwolle gleich wenig Wasser, jedoch wird Bio-Baumwolle i.d.R. in Regionen mit ausreichend natürlicher (Regen-) Bewässerung angebaut und die Bauern sind im Bewässerungsmanagement eingehend geschult. Böden auf denen biologisch angebaute Baumwolle wächst, werden außerdem nicht mit Pestiziden und chemischen Düngemitteln behandelt, sind darum gesünder und verfügen über eine bessere Wasserspeicherkapazität.

Pestizide

Baumwolle fällt häufig durch negative Berichte über erhöhten Pestizidgebrauch auf. Die Notwendigkeit zum Pestizideinsatz hängt dabei direkt mit dem Bewässerungsmanagement des Feldes zusammen. Pflanzen, die z.B. mittels Tröpfchenbewässerung direkt bewässert werden, benötigen kaum Pestizide, weil rings um sie herum ohnehin nichts anderes wachsen kann. Auch der Einsatz ökologischer Hilfsmittel ist möglich, jedoch müssen die Bauern über das entsprechende Wissen verfügen. Dieses erhalten sie oft nur in unterstützenden Kooperationen mit nachhaltig handelnden Unternehmen. Zusammenfassend kann man sagen: Wird Baumwolle ökologisch korrekt angebaut, benötigt sie kaum chemische Unterstützung.

Auf die konventionelle Baumwolle entfallen jedoch je nach Quelle zehn bis zwanzig Prozent des globalen Pestizideinsatzes, dabei wird die Faser nur auf etwa 2,5 Prozent der weltweiten Agrarflächen angebaut. Grund dafür sind die gigantischen Monokulturen, die die Ausbreitung von Schädlingen begünstigen und die Böden auslaugen. Um den Ertrag dennoch zu steigern, werden große Mengen an Pestiziden eingesetzt. Die Farmer und Feldarbeiter wissen oft nichts von der toxischen Wirkung der eingesetzten Stoffe und sind ihnen schutzlos ausgesetzt. Und auch in fertigen Textilien ist ein Teil der Giftstoffe noch immer nachweisbar.

Beim Anbau von Bio-Baumwolle sind Pestizide und chemisch-synthetische Düngemittel verboten.

Menschenrechte

Beim Thema Baumwolle muss immer wieder auch über die Menschenrechte gesprochen werden. Da Baumwolle zu einem Großteil in Entwicklungs- und Schwellenländern angebaut und verarbeitet wird, kommt es dort oft zu Verletzungen der Menschenrechte. Aufgrund des massiven Preisdrucks westlicher Unternehmen, werden ArbeiterInnen ausgebeutet, misshandelt und unterdrückt. Zwangs- und Kinderarbeit sind beim Baumwollanbau keine Seltenheit. Pestizide, synthetische Düngemittel, bedenkliche Farbstoffe und Appreturen, Faserstäube und chemische Dämpfe setzen die Gesundheit der ArbeiterInnen im gesamten Produktionsprozess von Baumwolltextilien aufs Spiel, weil es oft an Wissen und geeigneten Schutzvorrichtungen mangelt. Umweltverschmutzung, Verunreinigung des Grundwassers und Zerstörung der Artenvielfalt sind langfristige Folgen, unter denen die Bevölkerung vor Ort zu leiden hat. Vor allem beim konventionellen Baumwollanbau kommt es immer wieder zur Missachtung sozialer und ökologischer Standards, ebenso wie bei der Akkordarbeit in den sogenannten Sweatshops. Für Konsumenten ist das nur schwer zu erkennen und lässt sich nur bei sehr transparent handelnden Unternehmen vermeiden. Solange es kein verpflichtendes Lieferkettengesetz gibt, müssen Konsumenten selbst recherchieren und entscheiden, welche Produkte sie mit ihrer Kaufkraft unterstützen. Um einen Wandel zu erreichen muss bei den Konsumenten die Bereitschaft steigen, höhere Preise zu zahlen und damit weit entfernte Nachhaltigkeitseffekte zu würdigen.

Bio-Baumwolle

Für den biologischen Anbau von Baumwolle benötigt man nicht nur entsprechend geschulte Bauern und Feldarbeiter, sondern zunächst geeignetes Saatgut. Leider wird der Saatgutmarkt von großen Konzernen beherrscht (z.B. die Bayer-Tochter Monsanto), die größtenteils für den amerikanischen Boden angepasstes, genmanipuliertes und patentiertes Saatgut vermarkten. Dieses Saatgut produziert Pflanzen, deren Samen nicht keimfähig sind. Die Bauern müssen infolge dessen jedes Jahr neues Saatgut kaufen und können die Samen ihrer angebauten Baumwollpflanzen nicht weiter verwenden. Samen von Bio-Baumwolle hingegen können wieder neue Pflanzen hervorbringen. Jedoch gibt es weltweit einen Mangel an geeignetem Saatgut, daher ist es nahezu unmöglich den Anbau von Bio-Baumwolle kurzfristig auszuweiten. Auch durch den Bürgerkrieg in Syrien, das ein wichtiges Anbaugebiet für Bio-Baumwolle war, ist die Verfügbarkeit von biologisch angebauter Baumwolle gesunken.

Nur etwa ein Prozent der weltweiten Agrarflächen werden derzeit ökologisch bewirtschaftet. Um dies zu ändern, müssten die Erträge biologisch angebauter Baumwolle mit konventionell angebauter Baumwolle mithalten können – sowohl bei der Produktivität als auch bei den Kosten. Einige Studien kommen bereits zu dem Schluss, dass dies möglich ist. Landwirte, die intensiv geschult wurden, können mit wesentlich geringeren Kosten als im konventionellen Landbau ähnliche Erträge erreichen. Zusätzlich wird die Gesundheit der Feldarbeiter geschont, die Umwelt geschützt und die Artenvielfalt erhalten. Insgesamt mehr als genug Gründe, grundsätzlich auf Bioanbau umzustellen.

Bio ist übrigens nicht gleich Bio. Mit „Bio“ deklarierte Textilien können zwar grundsätzlich aus biologisch angebauter Baumwolle bestehen, jedoch sagt das nichts über die weiteren Produktionsbedingungen wie die Einhaltung nachhaltiger Vorgaben oder sozialer Standards aus. Die Farmer verdienen durch diese Art der „Massen-Bio-Produktion“ kaum mehr und haben auch keine Anreize, ihren Baumwollproduktion dauerhaft auf ökologischen Anbau umzustellen. Verlässliche Orientierung bieten hier bisher nur die Textilsiegel IVN Best und GOTS.

Eigenschaften

Trotz ihrer Nachteile in der Produktion ist Baumwolle aus der Mode nicht mehr wegzudenken. Ihre zahlreichen positiven Eigenschaften machen sie zum idealen Rohstoff für Kleidung. Stoffe aus Baumwolle  sind sehr allergikerfreundlich und angenehm zu tragen, knittern aber wie alle Textilien auf Zellulosebasis leicht. Sie sind überaus saugfähig, trocknen jedoch eher langsam. Baumwolle ist anfällig für Mikroorganismen sowie Öl und Schmutz. Das Material ist jedoch resistent gegenüber (Wasch-)Laugen und im nassen Zustand reißfester als im trockenen, sodass es i.d.R. problemlos in der Waschmaschine gereinigt, ausgekocht oder mit Mitteln zur Sterilisation behandelt werden kann. Diese Eigenschaften machen Baumwolle besonders interessant für Textilien mit hoher Beanspruchung wie Arbeitskleidung oder Hotelbettwäsche. Im Vergleich zu Leinen ist Baumwolle weniger fest und steif, dafür dehnbarer und wird bei Kleidung als komfortabler empfunden.

Durch sogenannte „Ausrüstungen“ können Baumwollstoffe weitere nützliche Eigenschaften gewinnen. Einige sind permanent, andere auswaschbar (Appreturen). Hier einige der in der Nähszene relevanten Ausrüstungen:

  • Färben, Drucken und Bleichen sind die geläufigsten Arten der Stoffausrüstung. Fast alle Stoffe werden vor dem Färben und Drucken gebleicht. In der Regel kommen teilweise gesundheitsschädliche Chemikalien zum Einsatz. Nur sehr wenige Stoffe sind ungefärbt und ungebleicht („farbig gewachsene Baumwolle“).
  • Beim Merzerisieren werden die Fasern mit Natronlauge behandelt. Dadurch werden die Stoffe reißfester, glänzender und nehmen Farbstoffe besser auf. Ein Beispielstoff.
  • Werden Baumwollstoffe mit (dem gesundheitsschädlichen) Formaldehyd behandelt, erhalten die Garne eine Ummantelung aus Kunstharzen und werden damit „bügelfrei“.
  • Um ein nachträgliches Einlaufen zu verhindern, werden manche Stoffe gekrumpft. Das Gewebe wird mit Feuchtigkeit, Hitze und Druck behandelt, um einem Schrumpfen vorzubeugen. Der Vorgang wird auch als Sanforisieren bezeichnet. Ein Beispielstoff.
  • Samt, Nicki, Plüsch und ähnliche Stoffe werden durch Scheren hergestellt, indem schlingenförmig gewebter oder gewirkter Stoff oberflächlich angeschnitten und die Schlingen geöffnet werden.
  • Beim Karden werden Stoffe teilweise beidseitig aufgeraut und erhalten so eine flauschige Oberfläche. So entstehen u.a. Flanell, Biber, Moleskin und Molton.
  • Beim Beschichten werden Kunststoffe, Harze oder Wachse auf den Stoff aufgebracht und teilweise eingearbeitet. Dadurch entstehen z.B. Wachstuch und Oilskin.

Aus Baumwollgarnen werden sowohl Webwaren als auch Maschenwaren hergestellt. Verschiedene Baumwollarten haben leicht unterschiedliche Eigenschaften. So gelten z.B. die Pima Baumwolle und die Ägyptische Baumwolle als besonders langfaserig und fein verspinnbar. Die daraus hergestellten Textilien sind oft besonders weich und luxuriös.

Stoffe aus Baumwolle

Baumwolle bildet die Grundlage vieler verschiedener Stoffarten. Im Handel wird der Begriff „Baumwollstoff“ häufig als Synonym für „Webware“ verwendet, was aber natürlich nicht stimmt. Baumwolle kann sowohl zu Webware als auch zu Maschenware verarbeitet werden (und im Umkehrschluss kann Webware auch aus anderen Materialien als Baumwolle bestehen). Baumwollwebwaren sind extrem vielfältig: hauchzarter Voile bis grober Canvas, glatte Popeline bis kuscheliger Samt, dünner Batist bis dicker Cord. Alle gängigen Bindungsarten sind mit Baumwolle möglich und üblich:

  • Köperbindung (Twill, Denim, Fischgrat usw.)
  • Leinwandbindung (z.B. Popeline, Canvas)
  • Atlasbindung (z.B. Damast, Satin)

Die bekanntesten Maschenwaren aus Baumwolle sind wohl Jersey und Sweat, sowie Interlock und Strickjacquard. Ferner Plüsch, Nicki, Fleece, Trikot und Piqué. Viele Maschenwaren aus Baumwolle enthalten einen bis zu zehnprozentigen Elasthananteil, der zur Formstabilität beiträgt. Bei Jersey und Sweat, aber auch bei sehr „stretchigen“ Webwaren lohnt sich grundsätzlich ein genauer Blick aufs Etikett. Manche Stoffe bestehen aus Baumwoll-Polyester-Mischungen, wobdurch sich die Eigenschaften der Baumwolle teils erheblich verändern.

Elasthan

Da Baumwollstoffe oft mit Elasthan versetzt werden, lohnt sich ein kleiner Exkurs zu diesem Material. Elasthan ist ein Polyurethan, bei dessen Herstellung aus Erdöl giftige Chemikalien und viel Energie aufgewendet werden. Als Beimischung zu Webwaren verleiht Elasthan (auch Elastan, ebenfalls bekannt als Spandex/ Lycra) dem Stoff einen gewissen „Stretch“ – also Dehnbarkeit. Bei Maschenwaren sorgt der Elasthananteil dafür, dass der Stoff flexibel bleibt und nicht ausleiert. Kleidung aus Stoffen mit Elasthan ist meist sehr komfortabel und angenehm zu tragen. Elasthan kann jedoch mit der Zeit brüchig werden und vergilben. Außerdem gibt das Material bei der Wäsche Mikroplastik ab und ist nicht biologisch abbaubar. Ein Material mit Elasthananteil ist also nicht mehr biologisch abbaubar – auch wenn es sich sonst um einen sehr hochwertigen, bio-zertifizierten Baumwollstoff handelt. Solche Stoffmischungen machen das Recycling eines Kleidungsstücks oft schwierig bis unmöglich. Jedoch sorgt der Elasthananteil zumindest bei Maschenware wahrscheinlich auch für eine längere Tragedauer, weil der Stoff länger in Form bleibt. Ein kleiner Pluspunkt für ein ansonsten eher umweltschädliches Material.

Verarbeitung von Baumwollstoffen

Da Baumwolle zu den unterschiedlichsten Stoffen verarbeitet werden kann, gibt es je nach Stoffart unterschiedliche Hinweise zur Verarbeitung. Baumwoll-Webwaren wie Popeline, Voile, Canvas usw. können i.d.R. problemlos mit der Haushaltsnähmaschine verarbeitet werden. Sehr dichte und dicke Gewebe wie Canvas und Denim benötigen ggf. eine Maschine mit mehr „Power“. Zum Nähen empfehlen sich Standardnadeln in der passenden Nadelstärke. Für Jeansstoffe gibt es spezielle Jeans-Nadeln. Maschenware sollte mit Jersey-Nadeln vernäht werden, um Löchern und Laufmaschen vorzubeugen. Diese Nadeln sind weniger spitz, rutschen an den Maschen vorbei und verletzen sie nicht.

Baumwolle kann mit bis zu 200°C gebügelt werden. Idealerweise sollte der Stoff dafür leicht angfeuchtet oder mit Dampf gebügelt werden, um zu verhindern, dass die Fasern spröde werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei Baumwollstoffen mit Kunstfaseranteil wie Elasthan. Diese dürfen nur warm (z.B. auf Wollstufe) gebügelt werden, weil die Kunstfasern sonst Schaden nehmen.

Baumwollstoffe, die nicht sanforisiert (gekrumpft) sind, sollten vor dem Nähen unbedingt vorgewaschen werden, weil sie sonst einlaufen können.

Fazit

Baumwolle ist ein wunderbares Material und aus unseren täglichen Nähabenteuern absolut nicht wegzudenken. Bei aller Stoffliebe sollten wir jedoch die Herstellungsbedingungen unserer Lieblingsstoffe nicht aus den Augen verlieren und uns im Zweifel für einen bio-zertifizierten Baumwollstoff entscheiden. Niemand sollte leiden müssen für einen Meter Stoff.

SuSe Info Checkliste:

+ gute Haltbarkeit
+ positive Trageeigenschaften
+ leicht zu pflegen
+ im Rohzustand biologisch abbaubar
+ sehr vielfältig nutzbar

– Hoher Wasser- und Pestizidverbrauch bei konventioneller Baumwolle
– Hoher CO2-Verbrauch
– Häufige Verletzung von Menschenrechten während des Produktionsprozesses
– Wird oft mit synthetischen Fasern vermischt und mit Chemikalien behandelt
– Wenig biologisch angebaute Baumwolle verfügbar

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Ich hab's verstanden.