Sustainable Sewing

Suse Info: Denim

Jeans oder Denim? Twill oder Kettköper? Er hat viele Namen, der Stoff aus dem die Jeansträume sind. Ganz korrekt heißt er Serge de Nîmes – Denim. Warum wir alle am besten selbst unsere Jeans nähen sollten und meine Tipps zum Verarbeiten von Denim, gibt’s kurz und knapp zusammengefasst genau hier. Und einen kleinen Ausflug in Richtung Nachhaltigkeit & Mode konnte ich mir auch nicht verkneifen. Da müsst ihr durch…

Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert. In meinen Recherchen bemühe ich mich um Objektivität. Dennoch erhebe ich nicht den Anspruch auf formelle Korrektheit. Die angegeben Links sind nicht als Werbung zu verstehen, sondern dienen der weiteren Vertiefung der Lektüre.

Ein ganz besonderer Baumwollstoff, den jeder kennt und (fast) jeder schon einmal getragen hat, ist Denim. Die Bezeichnung entstammt dem französischen Serge de Nîmes und bedeutet Gewebe aus Nîmes. Weltberühmt wurde der robuste Stoff aus Baumwolle in Kreuzköperbindung durch die legendären Nietenhosen von Levi Strauss, die heute noch fast genauso aussehen wie Mitte des 19. Jahrhunderts. Darum wird Denim auch oft als „Jeansstoff“ bezeichnet. Die Bezeichnung Jeans bezieht sich aber auf die fertige Hose, während mit Denim das Material gemeint ist.

Material und Herstellung

Denim wird in Köperbindung aus robustem Baumwollgarn (teilweise auch Mischungen) hergestellt. Kett- und Schussfaden sind unterschiedlich farbig. Der meist blaue Kettfaden überspringt versetzt mehrere Schussfäden und es ergibt sich die typische diagonale Struktur. Auf der Stoffoberseite überwiegen die meist blauen Kettfäden gegen die oft weißen Schussfäden, daher wird Denim als Kettköper oder auch Twill bezeichnet. Die Rückseite des Denims ist heller, weil die (oft weißen) Schussfäden überwiegen. Ein Kettköper gilt als besonders robust und strapazierfähig.

Bei Denim wird das Garn stets vor dem Weben gefärbt. Die blaue Färbung der Kettfäden wird traditionell durch die sogenannte Küpenfärbung erreicht. Vereinfacht gesagt, wird ein wasserunlösliches Pigment – in der Regel synthetisches Indigo (daher das Blau des Denims) –  mittels chemischer Prozesse in Wasser gelöst und das Garn im Färbebad gefärbt. Durch Oxidation (z.B. mit Wasserstoffperoxid) wird anschließend das vorher gelöste Pigment wieder fest und ist dauerhaft mit dem Garn verbunden. Je öfter das Garn in die Färbelösung getaucht wird, desto tiefer wird der Farbton. Typisch für Denim ist jedoch, dass das Garn nie komplett durchgefärbt wird, sondern im Inneren „roh“ bleibt. Dadurch ergeben sich bei Nutzung die bekannten Abriebeffekte und Waschungen. Diese Art der Färbung kann derzeit nur mit Indigo erreicht werden. Darum sind Denims normalerweise blau.

Eigenschaften

Denim gibt es von superleicht bis extrem fest. Das Stoffgewicht von Jeansstoffen wird traditionell in amerikanischen Unzen angegeben – daher das kürzel „oz“ bei vielen Stoffangaben. Ein Denim mit 6 oz ist sehr leicht und eignet sich beispielsweise für Hemden, Blusen und Kleider. Denim mit 10 bis 12 oz wird gern für Hosen, Röcke und Jacken eingesetzt. Noch schwerere Denims mit bis zu 15 oz werden in der Regel für sehr feste, hoch beanspruchte Hosen verwendet.

Denim hat oft einen Elasthananteil, der den sonst eher steifen Stoff elastischer macht. Diese Stoffmischungen eignen sich auch für eng anliegende Kleidungsstücke wie Skinny Jeans. Denim aus 100% Baumwolle ist dagegen kaum elastisch und wird meist für legerere Kleidung verwendet, z.B. weit geschnittene Jeans oder Jacken.

Bedeutung und Nachhaltigkeit

Denim besteht fast immer hauptsächlich aus Baumwolle. Oft in Mischung mit Elasthan und/ oder anderen Kunstfasern. Bei dünneren Denims sorgt Elasthan für eine bessere Haltbarkeit des fertigen Kleidungsstücks und verhindert vorzeitiges Reißen. Dickere Denims bestehen meist aus 100% Baumwolle und sind somit biologisch abbaubar.

Die Herstellung von Denim geht häufig mit einem massiven Einsatz von Chemikalien und einem erhöhten Wasserverbrauch einher. Nicht nur der Anbau der Baumwolle ist oft wasserintensiv, sondern auch die Färbeprozesse verwenden und verschmutzen sehr viel Wasser. Die eingesetzten Chemikalien werden schlimmstenfalls ungefiltert in Flüsse geleitet und vergiften das Grundwasser der textilverarbeitenden Regionen.

GOTS-zertifizierte Bio-Denims garantieren, dass sehr strenge Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Leider sind solche Bio-Denims derzeit noch rar und nur in wenigen Varianten verfügbar. Nachhaltige Denims gibt es aktuell z.B. bei Lebenskleidung, Siebenblau und Stoffbotin [Werbung ohne Auftrag].

Ein kurzer Ausflug in die Welt der Jeansproduktion zeigt übrigens, warum es gut und richtig ist, sich seine eigenen Jeans (-Jacken) zu nähen (oder auf nachhaltige Jeansmarken zu setzen): Weltweit werden in jeder Sekunde 60 Jeans gekauft. Diese Jeans werden oft unter katastrophalen Bedingungen in Niedriglohnländern wie China und Bangladesch  hergestellt. Der Anbau der konventionellen Baumwolle, das Färben, Waschen und Nachbehandeln der Jeans verbrauchen extrem viel Wasser – bis zu 8000 Liter pro Hose. Die verwendeten Chemikalien vergiften die Umwelt und belasten die ArbeiterInnen. Die Nachbehandlung der Hosen z.B. mittels Sandstrahlen oder Bleiche, um die modischen Waschungen zu erreichen, sind für die ArbeiterInnen in den Fabriken oft lebensgefährlich. Und auch die beliebten Löcher und rauen Stellen werden mit gefährlichen Werkzeugen und fehlenden Sicherheitsvorkehrungen von Hand an jede einzelne Hose gebracht. Die Kunden wünschen das und die Wirtschaft freut sich, denn eine Jeans mit „Sollbruchstellen“ geht schneller kaputt oder kommt bald aus der Mode und muss ersetzt werden.

Wer nachhaltige Jeans kauft, ermöglicht den ArbeiterInnen auf den Felden und in den Fabriken ein menschenwürdiges Leben mit gerechter Bezahlung. Er schont die Umwelt und Biodiversität in den Anbau- und Produktionsregionen. Und er investiert in ein langlebiges Kleidungsstück ohne giftige Rückstände. Das Selbernähen von Jeanskleidung hat einen ähnlich positiven Effekt. Hinzu kommt der emotionale Faktor: Eine selbstgenähte Jeans, in die man viel Liebe und Arbeit gesteckt hat, wird man i.d.R. gut pflegen, ggf. reparieren und lange zu schätzen wissen.

Verarbeitung von Denimstoffen

Je nach Stoffgewicht ist es empfehlenswert, Denim mit speziellen Jeansnadeln zu nähen. Diese sind stabiler und spitzer und durchstoßen die feste Stoffoberfläche besser als Standardnadeln. Für leichte Denims reichen Standardnadeln aber oft aus. Die Stichlänge richtet sich ebenfalls nach der Stoffdicke. Feste Denims sollten mit einem etwas längeren Geradstich genäht werden. Je feiner der Stoff, desto kürzer die Stichlänge. Die typischen Ziernähte erhält man durch dickeres Absteppgarn oder spezielles Jeansgarn in den Stärken 40 bis 60.

Denims bis etwa 12 oz können relativ problemlos mit der Haushaltsnähmaschine verarbeitet werden. Dickere Denims benötigen ggf. eine Maschine mit mehr „Power“ oder einen sehr erfahrenen Näher. An sehr dicken Stellen hilft langsames Nähen, u.U. auch mit Hilfe des Handrads.

Baumwolldenim ohne Elasthan- oder Kunstfaseranteil kann mit bis zu 200°C gebügelt werden. Idealerweise sollte zum Bügeln Dampf verwendet werden, damit die Zellulosefasern nicht spröde werden. Stretchdenims dürfen höchsten auf Wollstufe gebügelt werden, weil sonst das Elasthan spröde wird.

Vor dem Nähen sollte Denim in jedem Fall gewaschen werden. Je nach Ausrüstung neigt die Naturfaser dazu stark einzulaufen. Dunkle Denims sollten bei den ersten Wäschen separat gewaschen werden, da die Farbe ausbluten kann. Wer einen dunklen Jeansstoff vor dem Vernähen mehrfach vorwäscht, verhindert auch die berühmten blauen Jeansfinger nach dem Nähen.

Pflege von Denim

Generell muss man sagen, dass Denim eigentlich nicht gern gewaschen wird, weil er bei jeder Wäsche etwas Farbe verliert. Manche Kenner waschen ihre (Raw) Denims daher so gut wie nie, andere wollen gerade durch viele Wäschen lässige „Waschungen“ erreichen.

Da Denim i.d.R. ein Baumwollstoff ist, kann er aber problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden. Wer kein Problem mit Farbverlust hat, darf ihn sogar heiß waschen und Waschmittel verwenden. Denims mit Elasthananteil sollten bei maximal 40°C gewaschen und nicht im Trockner getrocknet werden, da das Elasthan sonst brüchig werden könnte.

SuSe Info Checkliste:

+ hoher Tragekomfort
+ gute Haltbarkeit
+ Modische Aspekte

– Hoher Wasser- und Chemiaklienaufwand
– Lange Produktionswege
– Oft schlechte Arbeitsbedingungen in der Herstellung

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Ich hab's verstanden.