Nähen Sustainable Sewing

{Einfach nachhaltig nähen} Buchvorstellung

Wer mir schon ein Weilchen folgt, der weiß: Nachhaltigkeit hat hier oberste Priorität. Wobei ich allerdings in den meisten meiner Beiträge versuche, das Wort an sich zu vermeiden, weil sich in den sozialen Medien mittlerweile so etwas wie eine Nachhaltigkeitsmüdigkeit breit macht. Das ist schade, aber nicht zu leugnen. Wer zu den Nachhaltigkeitsüberdrüssigen gehört, sollte jetzt besser weiter blättern, denn das Wort wird in diesem Beitrag noch das eine oder andere Mal fallen. Oder aber, er gibt dem Thema eine Chance und schaut noch einmal genauer hin. Denn Nachhaltigkeit geht uns alle an – auch beim Nähen.

Werbung | Das Buch „Einfach nachhaltig nähen“ wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt. Wie immer gilt: Mein Post, meine Meinung.

Nähbücher gibt es wie Sand am Meer. Und auch Bücher zum nachhaltigen Nähen oder für Zero Waste Projekte sind nichts neues – ich sage nur Abschminkpads. Das Buch von Petra Wünsche alias pedilu ist trotzdem ein bisschen anders, denn es ist gespickt mit Informationen und Hinweisen, die zum Nachdenken anregen. Petra hinterfragt gekonnt die üblichen Schwächen von uns Nähnerds. Den erhobenen Zeigefinger sucht man dennoch vergeblich. Stattdessen bietet bietet die Autorin sinnvolle Mittel und Wege an, das eigene Nähverhalten nachhaltiger zu gestalten: „maßvolles Nähen“, individuelle Zuschnittpläne zur Stoffersparnis und umweltschonende Alternativen bei der Stoffwahl sind nur einige der Themen, die sie beleuchtet.

Aus meiner Sicht das Beste: Das ist endlich mal ein Nähbuch, das man wirklich lesen kann. In der aktuellen Ausnahmesituation ein riesiger Vorteil. Bei den meisten anderen Exemplaren dieser Buchgattung ist außer bunten Bildchen und Nähanleitungen kaum etwas spannendes zu entdecken. Hier ist das anders. Auf jeder Seite findet man neue Anregungen und Aha-Effekte. Das Buch ist lehrreich, aber nicht belehrend.

Recycling ist gut und wichtig. Aber noch besser ist es, wenn der Abfall gar nicht erst entsteht.

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands

Wie es sich für ein richtiges Nähbuch gehört, sind auch einige Schnittmuster mit dabei. Die Autorin hat dabei das Rad nicht neu erfunden. Servietten mit Briefecken oder Mäppchen aus alten Jeans sind für die meisten NäherInnen nichts neues. Das besondere an den Schnittmustern sind jedoch die vielen kleinen Hinweise, die das Projekt jeweils noch einen Ticken nachhaltiger machen, z.B. wie man mit bestimmten Zuschneideplänen Stoff sparen oder welche Alternativen es zu herkömmlicher Bügeleinlage gibt.

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte.

John Ruskin, Philisoph

Ich habe mir spontan das Shirt mit Kimonoärmeln genäht. Spontaneität ist zwar selten ein Quell nachhaltigen Handelns, aber dass ich sommerliche Basics brauche, wusste ich schon letztes Jahr. Trotzdem ist es ein nachhaltiges Shirt geworden, denn:

  1. ich brauche heute dringend ein kurzärmeliges Shirt und ich weiß, dass mir solche Shirts mit angeschnittenen Ärmeln stehen,
  2. ich habe einen vorhanden, sehr gut abgelagerten Stoffrest verwendet, der
  3. auch noch ein Biojersey ist (allerdings leider mit Elasthananteil, da muss ich achtsamer werden).
  4. Und ein graues Basicteil braucht man wirklich immer. Zumindest, wenn man ohnehin so einen minimalistischen Kleiderschrank hat wie ich.

Nach meiner Jeansjacke war ich auch dezent überrascht, wie schnell man ein fertiges Kleidungsstück in den Händen halten kann. Ich liebe ja solche Basics, an denen man sich kreativ austoben kann. Als mein Shirt fertig vor mir lag, kam es mir in seiner grauen Melierung noch etwas „nackt“ vor – trotz der fancy aufgekrempelten Ärmelchen und des Rollbündchens am Halsausschnitt. Irgendwas fehlte noch. Auf Bügelfolie aus Plastik stehe ich nicht und für Sauerrei mit Siebdruckfarbe fehlt mir aktuell mit den Kindern im Haus der letzte Nerv. Aber um so einen kleinen Umriss einer Hipster-Brusttasche auf die Front zu steppen, hatte ich gerade noch Zeit. Zack, fertig ist das neue Wir-bleiben-zu-Hause-T-Shirt.

Du wirst vielleicht nie wissen, welche Ergebnisse deine Aktion hat, aber wenn du nichts tust, wird es kein Ergebnis geben.

Mahatma Gandhi

Na, überzeugt? Nachhaltig nähen hat wirklich nichts mit Verzicht oder Verlust zu tun, sondern mit Wissen und Bewusstsein. Um noch mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen, hat Petra Wünsche vier Exemplare ihres neuen Buches auf die Reise geschickt. Eines kursiert in der Schweiz, das zweite in Österreich, das dritte in Süddeutschland und das vierte startet für den Norden hier bei mir. Als nächstes übergebe ich den digitalen Staffelstab an Corinna von Elbmiezen und bin gespannt, welche Schlüsse sie aus dem Buch ziehen wird. Ich finde jedenfalls, der Titel ist Programm: Es kann so einfach sein. Einfach nachhaltig nähen.

Auch wenn den meisten von uns der Kopf gerade ganz woanders steht, dürfen wir nicht nachlassen in dem Bemühen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Wie wir unser liebstes Hobby nachhaltiger gestalten können, klärt dieses Buch. Wer die Tour(en) bis zum Ende verfolgt, hat übrigens die Chance eines der Bücher zu gewinnen! Also bleibt dran, es lohnt sich. Viel Glück!

P.S.: Für alle, die nicht auf ihr Glück vertrauen möchten, kommt hier die ISBN, mit der ihr das Buch im Handel bestellen könnt: ISBN 978-3-96093-721-0. Tut mir und euch und uns allen den Gefallen und kauft es im Buchladen vor Ort. Gerade jetzt. DANKE!

  • Ulrike

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Liebe Ulrike,
    danke dir so sehr für diese lieben Worte!
    Es wäre tatsächlich schade um die Sache, wenn wir uns an diesem einen Wort satt hören. Es geht ja schließlich um eine lebenswerte Zukunft.

    Ganz liebe Grüße! Petra

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Ich hab's verstanden.