Sustainable Sewing

SuSe Info: Wolle

Wenn du dachtest, du wüsstest schon alles über Wolle. Dann irrst du dich gewaltig. Für mich war die Recherche zu diesem Material ein wahrer Augenöffner. Nie hätte ich erwartet, dass mein „kleiner Text zum Thema Wolle“ so umfangreich werden und mich so viel Zeit kosten würde. Und dabei habe ich zig Themen einfach links liegen lassen und hier noch gar nicht behandelt… Also mach es dir gemütlich und lerne viel wissenswertes zu einem der spannendsten Materialien, die ich bisher beleuchtet habe: Wolle. Denn was für viele der Inbegriff eines Wintermaterials ist, kann in Wirklichkeit noch viel mehr als zu einem Strickpulli verarbeitet zu werden. Ich habe jetzt jedenfalls Lust auf viele, viele weitere Wollprojekte.

Wollwalk Stoffproben von Danisch Pur

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert und erweitert.

Material und Herstellung

Wolle ist eine natürliche Faser tierischen Ursprungs und daher nicht vegan. Wer sich für Wolle interessiert, sollte sich darum stets auch mit Tierwohl auseinandersetzen. Denn die Produktion von Wolle läuft oft weit weniger bilderbuchmäßig ab, als wir als Verbraucher uns das wünschen. Dazu aber später mehr.

Streng genommen ist nur das weiche Unterhaar von Schafen wirklich „Wolle“ (das Deckhaar des Schafs wird i.d.R. nicht zu Wolle verarbeitet). Umgangssprachlich wird der Begriff aber auch für anderes Tierhaar, z.B. von Ziegen, (Angora-) Kaninchen oder Kamelartigen wie Alpakas verwendet. Wolle ist also eine Naturfaser und damit in ihrer Ursprungsform komplett biologisch abbaubar.

Wolle kommt in unterschiedlichen Qualitäten vor, die durch die Länge, Feinheit und Kräuselung des Tierhaars bestimmt werden. Am bekanntesten ist die feine, kurzfaserige und stark gekräuselte Merinowolle. Im Gegensatz dazu ist z.B. Cheviotwolle langfaserig, grob und glatt. Dazwischen liegt u.a. Crossbredwolle mit mittlerer Länge, Feinheit und Kräuselung.

Weltweit werden jährlich ca. 2,2 Mio. Tonnen Wolle produziert. Das allermeiste davon in Australien. Danach folgen China, Neuseeland, Argentinien, Indien, Großbritannien und Nordirland. Deutsche Wolle ist mit ca. 8000 Tonnen pro Jahr wirtschaftlich eher unbedeutend. Allerdings gibt es immer mehr regionale Unternehmen, die sich der deutschen Wolle annehmen und sie weiterverarbeiten, wie Finkhof, Nordwolle und Elbwolle.

Zur Gewinnung des Materials werden die Tiere geschoren, in seltenen Fällen wird das Fell ausgekämmt oder gerupft. Die Bezeichnung „Schurwolle“ (WV) deutet dabei daraufhin, dass die Wolle vom lebenden Tier stammt und nicht von geschlachteten Tieren gewonnen oder aus Alttextilien recycelt wurde. Nach der Schur wird die Wolle zunächst gewaschen und von Schmutz und Pflanzenresten befreit. Anschließend wird die saubere Wolle gekämmt und versponnen sowie ggf. gebleicht oder gefärbt. Das dann entstandene Garn kann dann zu Web- oder Wirkware weiterverarbeitet werden.

In weniger ökologischen Produktionsprozessen wird die Wolle noch weiteren Behandlungen unterzogen. Beim Karbonisieren werden z.B. Pflanzenrückstände mittels Schwefelsäure beseitigt und die Wolle unter immensem Wasseraufwand gewaschen. Bei konventioneller Wolle werden oft chemische Ausrüstungen eingesetzt, die die Wolle pflegeleichter und weicher machen sollen, ihr aber auch viele ihrer positiven Eigenschaften nehmen. Bleichen und toxische Färbungen belasten die Umwelt zusätzlich.

Eigenschaften

Ja nach Art kann Wolle sehr weich, aber auch extrem kratzig sein. Grund dafür ist die Schuppenstruktur des Tierhaars. Schafe in warmen, trockenen Regionen (z.B. Australien) bilden besonders feines Fell aus, wohingegen Wolle bei Schafen, die in kühleren und regenreichen Gebieten weiden (z.B. Deutschland), mit Regenablaufhaaren durchsetzt ist und kräftiger ist. Feine Haare haben eine kleinere und damit glattere Schuppenstruktur. Gröbere Fasern dagegen größere Schuppen, die viele Menschen als kratzig empfinden. Empfindliche Personen reagieren manchmal mit Hautausschlag auf Wollprodukte. Eine echte Wollallergie ist das aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht, denn diese Allergie richtet sich gegen das Wollfett (Lanolin) der Wolle. Dieses wird im Laufe der Weiterverarbeitung aber meist vollständig aus dem Ausgangsmaterial herausgewaschen (und von der Kosmetikindustrie z.B. in Cremes verwendet) und kommt im fertigen Produkt nur noch selten vor.

Die Schuppenstruktur der Wolle ist auch ein Grund für das oft gefürchtete und manchmal gewollte Filzen. Im nassen Zustand stellen sich die Schuppen nämlich auf und verhaken sich ineinander. Passiert dies über einen gewissen Zeitraum und auf größerer Fläche z.B. durch Reibung (oder Schleudern in der Waschmaschine) verhaken sich so viele Schuppen ineinander, dass Filz entsteht.

Manchmal wird Wolle „filzfrei ausgerüstet“. Dafür wird sie mit einem Enzym behandelt, das die Schuppenstruktur der Wolle reduziert. Die Schuppen können sich nicht mehr aufstellen und verfilzen und das so behandelte Kleidungsstück kann gefahrlos in der Waschmaschine gewaschen werden. Teilweise werden die Fasern auch mit einem Kunstharzfilm überzogen. Es handelt sich in jedem Fall um eine Behandlung mit chemischen Mitteln.

Gleichzeitig lässt diese Schuppenstruktur der Wolle aber auch Wasser (und sogar flüssigen „Schmutz“) abperlen. Die groben Wollfasern können dies sogar besser als die feinen. Wollstoffe sind also (bis zu einem gewissen Grad) ganz ohne Beschichtung wasserabweisend und trotzdem atmungsaktiv. Verdunstungsfeuchtigkeit kann problemlos entweichen, während Feuchtigkeit von außen abgehalten wird.

Darüber hinaus riecht Wolle (außer manchmal nach Schaf) nicht. Die Proteinfaser bindet Gerüche einfach und neutralisiert sie. Das Material ist als Nährboden für Bakterien nicht attraktiv. Wolle wird darum teilweise als „selbstreinigend“ bezeichnet. Lüften genügt oft, um Wolltextilien wieder aufzufrischen. Und grober Schmutz kann nach dem Trocknen gut ausgebürstet werden. Da Wolltextilien wesentlich seltener gewaschen werden müssen, als ihre Verwandten aus Baumwolle, wird weniger Wasser und Waschmittel verbraucht und die Nachhaltigkeit des Materials begünstigt.

Natürlich wärmt Wolle auch hervorragend. Das liegt vor allem an den vielen eingeschlossenen Luftkammern, die den Körper sozusagen isolieren und vor Wärmeverlust schützen. Aber Wolle kann auch kühlen, denn sie hat eine hohe Wasseraufnahmekapazität und fühlt sich darum sogar im nassen oder verschwitzten Zustand lange trocken und warm an. Wolle erhält dadurch eine temperaturregulierende Wirkung.

Zudem ist Wolle dank ihrer natürlichen Elastizität so gut wie knitterfrei.

Studien haben ergeben, dass Textilien aus Wolle einen wesentlich höhreren UV-Schutz aufweisen als solche aus Baumwolle oder Leinen. In Kombination zu ihrer temperaturausgleichenden Eigeschaft macht dies ein Kleidungsstück aus Wolle zu einem idealen Sommerbegleiter. Es muss ja kein dicker Strickpulli sein. Leichter Jersey aus Wolle oder Wolle-Seide trägt sich aber sehr angenehm.

Wollstoffe Stoffproben von Lebenskleidung und Elbwolle

Bedeutung und Nachhaltigkeit

Wolle und anderes Tierhaar macht zwar nur einen Anteil von ca. einem Prozent am globalen Faseraufkommen aus, da aber weltweit unglaublich große Mengen an Fasern produziert werden, ist dieses eine Prozent gar nicht so wenig – immerhin über 2 Mio. Tonnen pro Jahr (im Vergleich dazu liegt Baumwolle bei ca. 25 Mio. Tonnen).

Wolle ist ein natürlicher und nachwachsender Rohstoff. Im Durchschnitt produziert ein Schaf ca. 3,5 kg Wolle pro Jahr. Durch Züchtungen hat sich die Menge in den vergangenen Jahrhunderten verdreifacht, was heute zu ernsthaften Problemen führt. Bei manchen Rassen können bis zu 10 kg Wolle bei einer einzelnen Schur gewonnen werden. Merinoschafe z.B. wurden extra so gezüchtet, dass ihre Hautoberfläche im Vergleich zur Körperoberfläche überdimensioniert ist und in Falten und Hauptlappen am Körper der Schafs hängt. Dadurch wird der Wollertrag gesteigert. Durch die enorme Fellmenge entstehen den Schafen nicht nur gesundheitliche Probleme aufgrund des Gewichts und der Körperhitze. Die Hautfalten führen oft auch zu einem Parasitenbefall. In Australien, das ca. 90 Prozent der weltweit verfügbaren Merinowolle produziert, wird trotz heftiger Kritik und wirtschaftlicher Boykotte noch immer häufig das sogenannte Mulesing angewandt. Dabei werden den Jungtieren ohne Betäubung Hautstücke aus der Schwanzregion geschnitten. Diese Stellen vernarben und bleiben später frei von Fell und damit auch oft frei von Parasitenbefall. Alternative Methoden existieren zwar, sind aber für die Produzenten oft nicht wirtschaftlich oder führen z.B. bei Pesitizidanwendungen langfristig zur einer Resistenz.

Da das Mulesing-Verfahren nur in Australien Anwendung findet, kann man in dieser Hinsicht als Konsument auf Nummer sicher gehen, indem man auf die Herkunft der Wolle achtet. Tiere, die beispielsweise in Europa oder Südamerika gehalten werden, werden nicht mit diesem Verfahren gequält. Auch in Neuseeland ist das Mulesing mittlerweile verboten. Allein die Auskunft über die Herkunft der Wolle gibt also bereits Aufschluss über deren etische Verträglichkeit.

Allerdings steht nicht nur das Mulesing-Verfahren in der Kritik. Auch bei der Schur werden Schafe oft unnötig gequält. Schafe müssen im Frühjahr innerhalb eines kurzes Zeitraums geschoren sein, um im Sommer nicht an Überhitzung zu leiden. Die Scherer, die darüber hinaus oft nach Ertrag und nicht auf Stundenbasis entlohnt werden, müssen ihre Arbeit in kürzester Zeit und oft ohne Rücksicht auf Verluste erledigen. Dass die Schafe dabei Verletzungen davontragen und als Fluchttiere Todesängste durchleben, ist dabei wenig verwunderlich.

Und auch an der Haltung der Schafe üben Tierschützer regelmäßig Kritik: Die Herden sind zu groß, sodass den einzelnen Tieren zu wenig Nahrung und Wasser zur Verfügung steht. Viele Schafe (in Australien) verenden daher schon auf den Weiden. Und diejenigen, die überleben, werden dicht gedrängt auf Frachtern nach Afrika und in den nahen Osten verschifft, sobald sie nicht mehr genug Wolle geben, und dort ohne Betäubung geschlachtet.

Im Grunde genommen sprechen diese Punkte grundsätzlich gegen die Verwendung von Tierhaar als Textilfaser. Aber es geht auch anders. Faire Wollproduktion ist durchaus möglich. Siegel wie kbT (Kontrolliert biologische Tierhaltung) und GOTS (Global Organic Textile Standard) versprechen eine artgerechte Haltung der Tiere und eine nachhaltige Weiterverarbeitung zum fertigen Stoff oder Textil. Mulesing ist dabei ebenso verboten wie gentechnisch veränderte Futtermittel und die Behandlung der Tiere mit chemischen Mitteln. Die Größe der Weiden, die Art des Viehfutters, die Ausgestaltung der Ställe und die Auslaufmöglichkeiten sind streng definiert. Eine absolute Garantie sind solche Siegel allerdings nicht und schwarze Schafe gibt es leider auch unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit. Jedoch geben die Siegel eine erste Auskunft und ermöglichen ein konkretes Nachforschen.

Siegel wie kbT oder GOTS verursachen den Produzenten sehr hohe Kosten. Oft können sich gerade kleinere Betriebe eine solche Zertifizierung überhaupt nicht leisten, obwohl sie besonders tiergerecht arbeiten. Es lohnt sich daher bei Wolle ganz besonders, sehr genau hinzusehen und zu vergleichen. Grundsätzlich kann man sagen, dass nachhaltige Hersteller gern transparent sind und ihre Arbeit offenlegen. Nachfragen erwünscht!

Stoffproben verschiedener Wollwalks und Loden

Stoffe aus Wolle

Bei Wolle hat man schnell gestrickte Socken oder Pullover vor Augen. Wollgarn kann aber nicht nur verstrickt, sondern auch verwebt werden. Und auch ganz ohne Weben und Stricken kann Wolle zu Textilien verarbeitet werden: Durch Filzen. Es ergeben sich viele verschiedene Stoffarten, die aus Wolle möglich sind. Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass es teilweise unterschiedliche Bezeichnungen für den gleichen Stoff bzw. eine Bezeichnung für unterschiedliche Stoffe gibt. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfehle ich bei diesen (oft sehr hochpreisigen) Wollstoffen dringend vorab Stoffproben zu bestellen. Walk ist nicht gleich Walk und Loden ist nicht gleich Loden.

Gestrickte Wollstoffe

Wolle kann zu dünnem Wolljersey, manchmal auch in Mischungen mit Seide, Leinen oder Lyocell, verarbeitet sein. Aber auch dicker und kuscheliger Wolllfleece oder Wollfrottee sind möglich sowie Sweat. Selten findet man auch Grobstrick aus Wolle als Meterware.

Gewebte Wollstoffe

Wolle ist Grundlage für viele verschiedene Webstoffe. Am bekanntesten sind sicherlich die schottischen Tweedstoffe mit ihren Fischgrät- oder Karomustern. Wollgarne können aber auch sehr fein verwebt und zu hochwertigen Anzugstoffen (Wolltuch) verarbeitet werden, die bei Geschäftleuten sehr beliebt sind, weil sie kaum knittern. Loden dagegen ist ein in Europa traditionelles Textil aus grobem Wollgewebe, das vor allem von der bäuerlichen Bevölkerung als Wetterkleidung Verwendung fand und heute als Outdoortextil beliebt ist. Loden ist oft die Grundlage für Wollwalk.

Wollwalk

Walkstoffe, sind meistens gewebte Wollstoffe, deren Oberfläche durch mechanische Bearbeitung gefilzt wird. Diese Stoffe sind nicht dehnbar. Teilweise wird Walk auch als Strickwalk angeboten. Dann sind gestrickte Stoffe gewalkt worden und ein Teil der Dehnbarkeit bleibt erhalten.

Filzstoffe

Filzstoffe sind eine Besonderheit, denn sie werden weder gewebt noch gestrickt. Die ungeordneten Wollfasern werden gepresst und/oder gewalkt, sodass sich die Schuppen der einzelnen Wollfasern aufstellen und dauerhaft ineinander verhaken (verfilzen). Oft wird statt Wolle Polyester verfilzt. Echten Wollfilz bekommt man i.d.R. als Plattenware. Er eignet sich zur Herstellung von Taschen oder Pantoffeln. Ist ein vorab gewebter Stoff die Grundlage, spricht man von einem Walkstoff. Um die Verwirrung komplett zu machen, gibt es auch sogenannten Webfilz, das eine Kombination aus Filz mit gewebten Wollstoffen darstellt. Dabei wird loses Tierhaar von einer oder beiden Seiten auf einen gewebten Wollstoff aufgefilzt, sodass beides sich unlösbar miteinander verbindet.

Materialmischungen

Eine Besonderheit bei Wollstoffen, auf die ich hier kurz eingehen möchte, sind die vielfältigen Materialmischungen, in denen „Wolle“ angeboten wird. Wolle wird gern aus Kostengründen mit Kunstfasern wie Polyester oder Polyamid gemischt. Auf den ersten Blick ist eine Kunstfaserbeimischung oft nicht zu erkennen. Ein Blick aufs Etikett lohnt sich. Hochwerte Schurwolle erkennt man am Kürzel WV (Alpaka WP, Angora WA, Mohair WM, Kaschmir WS). Minderwertige Reißwolle wird mit WO gekennzeichnet. Da Kunstfasern sehr billig sind, kann ein Stoff aus Wolle-Kunstfasermischung wesentlich preiswerter angeboten werden als ein reiner Wollstoff. Außerdem sind solche Stoffgemische oft pflegeleichter, sie laufen nicht ein und verfilzen nicht. Manche Stoffe erhalten auch eine höhere Haltbarkeit oder Elastizität.

Jedoch verliert die Wolle mit synthetischen Beimischungen einige ihrer positiven Eigenschaften. Eine Naturfaser mit Kunstfaserbeimischung ist z.B. nicht mehr biologisch abbaubar. Auch die selbstreinigenden Eigenschaften und das Wasseraufnahmevermögen der Wolle leiden unter der Beimischung. Wolle-Kunstfasermischungen riechen und verschmutzen schneller, sie fühlen sich kälter an und büßen ihre Atmungsaktivität ein.

Wesentlich besser als Kunstfaserbeimischungen passen Regeneratfasern wie Lyocell (a.k.a. Tencel ®) zur Wolle. Lyocell hat einige Eigenschaften, die denen der Wolle sehr nahe kommen. Es kann viel Feuchtigkeit aufnehmen, hält Gerüche fern und wirkt antibakteriell. Genau wie Wolle muss es selten und nur bei sehr geringen Temperaturen gewaschen werden. Lüften genügt oft. Lyocell macht Wolle haltbarer, reißfester und kühlt angenehm. Obwohl Lyocell chemisch hergestellt ist, bleibt das Material aufgrund seines pflanzlichen Ursprungs (Eukalyptus oder Buchenholz) biologisch abbaubar. Der Hauptproduzent von Lyocell, die Firma Lenzing aus Österreich hat ihr Produktionsverfahren mittlerweile derart verbessert, dass Lyocell (Tencel®) heute als eine der nachhaltigsten Textilfasern gilt. Wolle-Lyocell ist eine gute und oft etwas günstigere Alternative zu Wolle-Seide.

Wolle-Seide-Mischungen sind vor allem bei ökologisch bewussten Familien mit kleinen Kindern beliebt. Ganz viele Informationen zu dieser Mischung gibt es bei Danisch Pur. Dort ist u.a. auch die spannende Mischung Wolle-Hanf erhältlich.

Nicht wirklich empfehlenswert ist übrigens eine Mischung aus Wolle und Baumwolle, da diese beiden Materialien grundsätzlich unterschiedliche Ansprüche an ihre Pflege stellen. Baumwolle muss wesentlich häufiger und bei höheren Temperaturen gewaschen werden, um sich ansiedelnde Bakterien zu bekämpfen. Diese Prozedur würde Wolle auf Dauer übel nehmen.

Wollloden von Elbwolle via Lebenskleidung

Verarbeitung von Wollstoffen

Die Art der Verarbeitung von Wollstoffen unterscheidet sich je nach Art des Textils. Ein grober Webloden lässt sich ganz anders verarbeiten als ein feiner Merinostrick. Aber grundsätzlich sind Wollstoffe bis auf weniger Ausnahmen völlig problemlos mit der Haushaltsnähmaschine und/oder der Overlock nähbar und auch für Anfänger zu empfehlen.

Vorsicht geboten ist bei sehr dünnem Feinstrick (Merino, Wolle-Seide u.ä.). Diesen unbedingt mit einem sehr dehnbaren Stich und Super-Stretch-Nadel vernähen, um Löcher an den Einstichstellen zu vermeiden. Damit sich der Stoff am Nahtanfang nicht in die Maschine „frisst“, die Naht am besten mit etwas Abstand zum Stoffrand beginnen und evtl. Ober- und Unterfaden vorsichtig nach hinten wegziehen, um den Nahtanfang zu erleichtern. Ein Obertransportfuß kann beim Arbeiten mit Strick hilfreich sein. Außerdem sollte nach Möglichkeit der Nähfußdruck auf ein Minimum reduziert werden, um Wellenbildung zu vermeiden. Der Zuschnitt gelingt bei sehr dehnbarem Feinstrick oft mit dem Rollschneider besser als mit der Schere, da sich der Stoff leicht verzieht.

Gewalkte oder gefilzte Wollstoffe sind dagegen kinderleicht zu verarbeiten. Sie sind sehr formstabil, fransen nicht aus und müssen darum nicht einmal versäubert werden. Wer mag, kann sie sogar mit offenen Schnittkanten verarbeiten. Zum Nähen empfehlen sich Standardnadeln in einer zum Stoffgewicht passenden Stärke und bei nicht dehnbaren Stoffen ein Geradstich. An hochbeanspruchten Stellen kann auch ein dreifacher Geradstich angebracht sein.

Vorwaschen? Als Naturfaser kann Wolle beim Waschen einlaufen. Vorwaschen vor dem Nähen ist also unter Umständen empfehlenswert – auch bei Stoffen wie Walk oder Loden. Grundsätzlich gilt: Wer vorhat, das fertige Kleidungsstück bei Bedarf in der Maschine (Wollwaschgang) zu waschen, sollte auch den Stoff vor der Verarbeitung einmal entsprechend waschen, um dem (ungleichmäßigen) Schrumpfen vorzubeugen. Der Stoff sollte dann vor dem Nähen so gewaschen werden, wie man später auch das fertige Kleidungsstück waschen können möchte. Bei gröberen Strickstoffen ist es empfehlenswert, die Schnittkanten vor dem Waschen zu versäubern. Gewalkte oder gefilzte Wollstoffe dagegen fransen nicht aus.

Pflege von Wollstoffen

Aufgrund ihrer selbstreinigenden Eigenschaften müssen Textilien aus Wolle selten bis gar nicht gewaschen werden. Ausgiebiges Lüften im Freien oder im Bad bei hoher Luftfeuchtigkeit reichen oft schon aus, um ein Wollkleidungsstück wieder völlig aufzufrischen. Grobe Verschmutzungen lassen sich oft einfach abbürsten. Dazu sollte der Schmutz aber trocken sein, um nicht in die Fasern eingerieben zu werden. Viele Flecken (vor allem mit rötlichen Pigmenten) verschwinden übrigens schon, wenn man das Textil eine zeitlang in die Sonne legt.

Müssen Wollstoffe dennoch gewaschen werden, ist Vorsicht angebracht: Im nassen Zustand können sich die Wollfasern dehnen und es besteht die Gefahr, dass sich das Textil verformt. Hohe Temperaturen in Kombination mit Reibung (Schleudern) führen zum Verfilzen von Wolle. Darum sollte Wolle nur bei niedrigen Temperaturen (am besten kalt) im Wollwaschgang und mit Wollwaschmitteln gewaschen und anschließend ggf. in Form gezogen und idealerweise liegend getrocknet werden. Da Wolle viel Wasser aufnehmen kann, braucht sie auch lange, um wieder vollständig zu trocknen. Bitte geduldig sein und keinesfalls die Heizung oder gar den Wäschetrockner zu Hilfe nehmen. Das mag Wolle gar nicht.

Hochbeanspruchte Wolle kann mit der Zeit spröde werden. Manchmal hilft dann eine sogenannte Wollkur, bei der das Material mit Lanolin, den natürlichen Wollfett, behandelt und wieder geschmeidig gemacht wird.

Auch hochwertigste Wollstoffe neigen zu Pilling. Dabei bilden sich an beanspruchten Stellen durch Reibung kleine Knötchen. Dies ist aber normal und kann sogar ein Hinweis darauf sein, dass es sich um einen naturbelassenen Stoff handelt, der nicht mit Chemikalien behandelt worden ist. Pillingknötchen lassen sich mit Fusselrasieren oder speziellen „Wunderbürsten“ entfernen.

Achtung: Wolle ist die Leibspeise von Motten! Wollstoffe und Textilien sollten daher – sobald sie nicht regelmäßig genutzt und/oder umgeschichtet werden – absolut mottensicher verstaut werden. Bewährt haben sich luftdichte Kunststoffkisten oder mehrfach verschlossene Kunststofftüten. Darüber hinaus können Duftstoffe wie Zedernholz oder Lavendel gegen Mottenbefall helfen. Andernfalls sind Fraßlöcher im teuren Lieblingsteil schnell die Folge.

Fazit: Wolle? Ja! Aber…

Wolle ist ein großartiges Material, das viele gute Eigenschaften aufweist. Der Hype um Wolle hat sich in Kennerkreisen tatsächlich nicht zu Unrecht ausgebildet. Jedoch ist gerade bei diesem tierischen Material unbedingt auf eine faire und ökologische Herkunft zu achten. Wer Wollstoffe vernähen möchte, muss sich mit sehr vielen Faktoren auseinandersetzen, um langfristig Freude am neu genähten Kleidungsstück zu haben. Ein umsichtig geplantes Kleidungsstück aus einem nachhaltigen Wollstoff wird bei guter Pflege aber sehr schnell zu einem lebenslangen Lieblingsbegleiter.

SuSe Info Checkliste:

+ natürlicher, biologisch abbaubarer Rohstoff
+ viele positive Trageeigenschaften
+ schmutzabweisend, dadurch wenig Waschmittel- und Wasserbedarf bei Nutzung
+ teilweise wasserabweisend
+ UV-Schutz
+ regional verfügbar

– Gefährdung des Tierwohls bei nicht artgerechter Haltung
– Sensibel beim Waschen und gegenüber Temperaturschwankungen
– Anfällig für Motten
– Manche Wollstoffe fühlen sich für empfindliche Personen kratzig an und können in seltenen Fällen Allergien auslösen
– Achtung vor Materialmischungen

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2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

    1. Ulrike sagt:

      Ja cool! Du weißt ja jetzt, worauf du bei Wolle achten solltest. Bin gespannt, ob nächsten Winter vielleicht auch ein Wollmantel bei dir einzieht.
      Liebste Grüße, Ulrike

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