Sustainable Sewing

SuSe Info: Cord – Wissenswertes über den Stoff mit den Rippen

Kaum einen Stoff verbinde ich so sehr mit Oktober wie den Cord. Kein Wunder also, dass gerade eine neue Cordhose an meiner Nähmaschine entsteht. Höchste Zeit, sich einmal intensiver mit dem gerippten Stoff auseinander zu setzen.

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Herkunft, Herstellung und Material

Woher genau die Bezeichnung Cord (manchmal auch Kord) stammt, ist unklar. Möglicherweise leitet sie sich vom englischen Wort cord – also Schnur – ab und bezieht sich auf die charakteristischen Längsrippen des Stoffs. Da Cord Ende des 18. Jahrhunderts zunächst vor allem in Manchester/ England produziert wurde, ist er auch unter dem Namen Manchester bekannt. Die englische Bezeichnung lautet corduroy. In Österreich wird er auch Schnürlsamt genannt.

Cord ist ein Webstoff. Bei der Cordbindung werden zusätzliche Schussfäden eingewebt, die anschließend aufgeschnitten und aufgeraut werden. Dadurch ergeben sich längs verlaufende, flauschige Rippen (Flor).

Entsprechend seiner ursprünglichen Form ist Cord ein reiner Baumwollstoff [ –> Infos zu Baumwolle]. Sehr selten kann ein Cord auch aus Wolle bestehen. Einige Cordstoffe aus Baumwolle haben einen kleinen Elastananteil, der den Stoff leicht dehnbar macht. Es gibt aber auch Cordstoffe mit Kunstfaserbeimischungen und sogar solche aus 100% Polyester oder in Polyester-Polyamid-Mischungen. Optisch sind diese Stoffe aus Kunstfasern kaum von einem Baumwollcord zu unterscheiden. Beim Kauf ist es daher wichtig, immer die Materialzusammensetzung zu beachten. Sehr günstige Preise weisen oft auf einen hohen Kunstfaseranteil hin. Warum Kunstfasern in Kleidung problematisch sind, werde ich in einem separaten Beitrag ausführlich erklären.

Cord ist in der Regel einfarbig, kann aber auch mit unterschiedlich farbigen Kett- und Schussfäden verarbeitet sein. In diesem Fall hat der weiche Flor eine andere Farbe als das Grundgewebe. Außerdem gibt es den Stoff teilweise auch bunt bedruckt.

Sag mir, wie viele Rippen du hast, und ich sag dir, wie du heißt

Cord gibt es in unterschiedlichsterer Rippung von hauchfein bis superbreit. Je nachdem wieviele Rippen er pro zehn Zentimeter aufweißt, trägt Cord einen anderen Namen:

Feincord oder Babycordmehr als 40 Rippen auf zehn Zentimetern
Genuacord oder Manchester25 bis 40 Rippen auf zehn Zentimetern
Breitcord oder Trenkercord10 bis 25 Rippen auf zehn Zentimetern
Cablecord oder Kabelcordbis zu 10 Rippen auf zehn Zentimetern
Die Anzahl der Rippen auf 10 cm gibt Aufschluss über die Bezeichnung von Cord.

Eine Besonderheit unter den verschiedenen Cord-Qualitäten ist der Dreidraht-Cord. Er wird für die traditionelle Bekleidung der Zimmermannszunft verwendet. Optisch ähnelt er dem Trenkercord, ist aber mit 600 g/m² deutlich schwerer und damit der robustete Cord.

Eigenschaften und Verwendung

Traditioneller (Manchester-) Cord ist sehr robust und widerstandsfähig, zugleich aber durch die weiche Oberfläche auch bequem und angenehm zu tragen. Da der Stoff schon sehr früh in großen Mengen und daher vergleichsweise günstig hergestellt werden konnte, fand Cord vor allem in der Arbeiterklasse im England des 19. Jahrhunderts schnell viele Abnehmer. In Deutschland setzte er sich kurz darauf als Material für Zunftkleidung durch, wo er in der Zunft der Zimmerleute bis heute traditionell verwendet wird. In den 1960er Jahren hielt der Cord unter anderem in Form von Schlaghosen Einzug in die Modewelt. Vor allem Intellektuelle griffen ihn als Symbol der Arbeiterklasse auf und grenzten sich damit gegen die Eliten ab. Später galten Cordhosen und -Sakkos als „Markenzeichen“ z.B. von Soziologen.

Die Robustheit eines Stoffes kann man bei Cord gut am Flächengewicht ablesen: Je schwerer der Stoff, desto robuster ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Material. Je nach Dicke kann Cord für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden. Breitcord und Kabelcord eignen sich gut für (etwas weiter) geschnittene Hosen, (Latz-)Röcke und Jacken. Cord mit Stretchanteil kann gut für eng anliegende Hosen, Röcke oder Blazer eingesetzt werden. Feincord ist beliebt für Hemden und Kinderkleidung. Aber auch Accessoires können aus Cord genäht werden und einige Cordstoffe eignen sich sogar als Möbelbezug. Hier mal ein paar Beispiele aus der Näh-Community für…

…Hosen:
…Jacken:
…Kleider:
…Röcke:
…Kinderkleidung
…Accessoires

Verarbeitung

Cord ist nicht gleich Cord. Die verschiedenen Stoffe der jeweiligen Hersteller können sehr unterschiedliche Eigenheiten aufweisen. Einiges ist aber immer gleich und sollte bei der Verarbeitung von Cord beachtet werden:

Cord fusselt

Wenn Cord angeschnitten wird, löst sich der Flor an den Schnittstellen ab. Manche Cordstoffe fusseln sehr extrem und können schnell ausfransen. Daher ist es ratsam, einen Cordstoff vor dem Vorwaschen zu versäubern und/oder ihn allein in die Waschmaschine zu geben. Zugeschnittene Teile sollten möglichst schnell versäubert werden, um ein zu starkes Ausfransen zu verhindern.

Waschen und Bügeln

Als Naturmaterial sollte ein Cordstoff unbedingt vorgewaschen werden, da er bis zu 5% einlaufen kann. Wie andere Baumwollstoffe auch, ist Cord recht unempfindlich gegenüber Waschlaugen und kann notfalls auch bei höheren Temperaturen gewaschen und mit hoher Drehzahl geschleudert werden. Auch beim Bügeln ist Cord unproblematisch. Um den Flor nicht zu plätten, sollte Cord jedoch von links gebügelt werden. Häufig gibt es auch die Empfehlung, den Stoff im nebelfeuchten Zustand zu bügeln. Achtung: Stoffe mit Kunstfaserbeimischungen können beim Waschen und Bügeln heikel sein. Hier bitte unbedingt die Herstellerangaben beachten.

Besonderheit beim Zuschnitt: Der Strich

Die allerwichtigste Eigenheit von Cord, die man schon bei der Planung eines Nähprojekts mit einem Cordstoff beachten sollte, ist die Strichrichtung. Cord hat einen sogenannten Strich: Je nachdem ob man von oben nach unten oder von unten nach oben über den Stoff streicht, stellt sich der Flor unterschiedlich auf und die Stoffwirkung ändert sich. Darum müssen alle Schnittteile immer in die gleiche Richtung aufgelegt werden. Ein stoffsparender Zuschnitt mit gestürzten Schnittteilen ist bei Cord nicht möglich. Experten raten dazu, einen Cordstoff entgegen dem Strich zuzuschneiden. Am fertigen Kleidungsstück glättet sich der Flor also, wenn man von unten nach oben darüberstreicht. So soll die Farbe des Stoffes besonders satt wirken.

Cord nähen

Die meisten Cordstoffe lassen sich mit üblichen Haushaltsmaschinen problemlos vernähen. Eine Ausnahme können sehr dicke Kabelcords darstellen. Hier kommen einige Nähmaschinen schon mal an ihre Grenzen, wenn sie über zwei oder mehr Lagen mit dicken Rippen hinwegnähen sollen. Genäht wird am besten mit einer Standardnadel in 80er Stärke (sehr feiner Babycord evtl. auch mit 70er) und einer mittleren Stichlänge (2 bis 2,5 mm). Da Cord auch beim Nähen fusseln kann, ist es sehr ratsam, die Nähmaschine nach jedem Cordprojekt gründlich von Flusen und Florresten zu befreien. Einen Staubsauger beim Nähnen in der Nähe zu haben, kann auch hilfreich sein.

Manchmal treten beim Nähen von Knopflöchern mit der Knopfloch-Automatik Probleme auf, weil die Rippen den Stofftransport behindern. Dann kann es helfen, oben und unten jeweils ein selbstlösendes Vlies aufzulegen.

Wo gibt es schönen Cord?

Eine große Auswahl hochwertiger Bio-Cordstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung (teilweise mit Elasthan) und verschieden breiter Rippung gibt es bei Lebenskleidung und Anita Pavani Stoffe. Bio-Cord ganz ohne Kunstfasern bietet Siebenblau in Berlin an. Bunt bedruckte Bio-Cordstoffe von Cloud9 findet man z.B. beim Stoffbiotop. Warum es sinnvoll ist, bei Baumwolle auf eine ökologische Herstellung zu achten, habe ich hier erklärt. Konventionelle Cordstoffe bieten viele größere und kleinere Händler*innen an, z.B. MTStofferie (Affiliate Link), Rapantinchen, Elsbeth und ich, 1000Stoff, Tillabox und viele mehr.

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Ich hab's verstanden.