Nähen

Wir müssen reden {Terra Pants}

Liebe Leute, wir müssen reden. Wenn ein Gespräch so anfängt, ist das oft der Anfang vom Ende einer Beziehung. Manchmal aber rückt dieser Satz auch etwas wieder gerade, das irgendwann und irgendwie einmal in Schieflage geraten ist. Bestenfalls führt es sogar dazu, dass die Beziehung tiefer und inniger und liebevoller wird, als sie es je war. Also lasst uns reden. Über Beziehungen und Menschen und darüber, was meine neue Terra Pants damit zu tun hat.

Terra Pants von Pattern Fantastique aus Bio-Cord von Lebenskleidung

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Irgendwann im Sommer sah ich bei Tihawabohu auf Instagram eine Hose und wusste, dass ich den Schnitt unbedingt nähen wollte. Dass die Hose nicht gerade dem mitteleuropäischen Mainstream entspricht, war mir klar. Nicht so ganz klar war mir, welche Diskussion ich damit auslösen würde. Als ich nämlich meine erste Probeversion der Hose in einer Instagramstory zeigte, wurde ich sehr schnell von mehreren Personen darauf hingewiesen, dass der Schnitt für mich sehr unvorteilhaft sei. Statt dessen solle ich besser schmalere Hosenmodelle nähen, weil die mich größer und schlanker wirken ließen. Really?! Ich BIN doch groß (immerhin fast einsachtzig) und einigermaßen schlank (dachte ich jedenfalls). Also darf ich mir so eine Hose doch wohl „erlauben“, oder? Und selbst wenn ich nicht groß und schlank wäre… was ich trage, ist doch MEINE Entscheidung. Oder etwa nicht?

Rostroter Cord und ein Label von Halfbird

Oder etwa nicht?

Wenn ich genau darüber nachdenke, war meine Kleidung in den letzten – sagen wir mal – 30 Jahren ein Resultat dessen, was ich glaubte, was meine Mitmenschen an mir sehen wollten. Insgesamt alles eher ein Ensemble an Gefälligkeit. Auffallen wollte ich nie. Schon gar nicht negativ. Aber auch nicht unbedingt in die andere Richtung. Und ich bin damit ziemlich gut gefahren. Bis ich Bock auf etwas außergewöhnliches hatte.

Meine Terra Pants entstand ziemlich spontan. Den Stoff hatte ich wenige Tage zuvor aus einer (seltenen) Stoff-Shopping-Laune heraus gekauft. Einfach weil mich die Farbe angesprochen hat. Und weil ich Lust auf eine neue Hose hatte. Dass es ausgerechnet die Terra wurde und keiner der schmaleren, mainstreamtauglichen Hosenschnitte, die sonst noch auf meiner „Könnte-man-mal-nähen-Liste“ standen, verdanke ich vermutlich einem Anflug von Mut mit einer Mischung aus Trotz und Neugier. Ich wollte diese Hose.

Terra Pants – tiefe Bundfalten und eine extravagante Schnittführung

Und dann kamen diese Nachrichten. Möglicherweise hätte ich an anderen Tagen anders darauf reagiert. Hätte resigniert, aufgegeben und vorsichtshalber doch lieber etwas anderes aus dem guten Stoff genäht. Ich stand kurz davor. Aber dieses Mal schwamm ich ja auf dieser Mut-Trotz-Neugier-Welle. Ich nähte also weiter an meiner Hose und schrieb einen Post über die Problematik solcher Kommentare in den sozialen Medien. Die sind nämlich (fast) immer lieb gemeint, erzeugen aber gleichzeitig einen enormen Druck zur ständigen Selbstoptimierung: Frauen* sollen bitte sehr möglichst immer adrett, schlank und jung aussehen. Über Jahrzehnte haben wir gelernt, was wir tragen „können“, damit wir (auf andere) attraktiv wirken und ins gesellschaftliche Raster passen. Wie sehr weiblich gelesene Menschen unter diesen (utopischen) Schönheitsidealen leiden, wurde mir erst im virtuellen Gespräch mit einigen meiner Follower*innen richtig bewusst. Ich selbst habe das Glück, weiß und normschön zu sein. In der Regel muss ich mich für meinen Körper nicht (mehr) rechtfertigen (das war mal anders, würde hier aber zu weit führen). Viele Menschen sind in Bezug auf ihren Körper aber stark verunsichert, manche schämen sich sogar, weil sie durch unbedachte Bemerkungen geprägt wurden. Das führt dazu, dass „ganz normale“ Frauen regelrecht Angst davor haben, sich in den sozialen Medien zu zeigen, weil sie negative Kommentare oder eben diese „lieb gemeinten“ Hinweise zu ihrem Körper fürchten. Das Resultat ist, dass wir auf Instagram & Co. fast nur noch die jungen, hübschen Frauen mit den perfekten (oder gephotoshopten) Körpern zusehen bekommen. Und – Zack – wird die Messlatte direkt noch ein Stückchen höher gehängt.

Das hat wiederum Auswirkungen auf die (psychische) Gesundheit vor allem von jüngeren Nutzerinnen, wie aktuelle Studien belegen. Die schöne und perfekte Social Media Welt wirkt nämlich nicht selten als Katalysator für Depressionen und Essstörungen. Die sozialen Medien können ein wunderbares Instrument sein, um uns als Community anhand unserer Interessen miteinander zu verbinden, voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu inspirieren. Sie können aber auch Menschen ausschließen und verletzen und damit eine Kettenreaktion erzeugen. Das alles nur wegen ein paar „lieb gemeinter Hinweise“.

Rostrot und zartrosa sind meine neue Lieblingskombi

Was kann man denn noch sagen?

Im Zweifel einfach: Nichts. Was wir auf Insta & Co. sehen ist nur ein winzig kleiner Schnipsel aus dem Leben anderer Menschen. Auch wenn die Sozialen Medien uns gern vorgaukeln, alle Menschen in unseren Telefon seien unsere Freunde: Das auf der anderen Seite des Bildschirms ist in der Regel ein*e Fremde*r und niemand hat das Recht, sich ungefragt in die Angelegenheiten einer fremden Person einzumischen, auch wenn diese gerade eine lustige Story oder einen netten Post zu einem Thema gebracht hat, zu dem man selbst eine persönliche Meinung hat. Bewertungen von Körpern („Trag das, dann siehst du schlanker aus.“) ist eine Einmischung in Privatangelegenheiten. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, eine fremde Frau im Supermarkt darauf hinzuweisen, dass ein V-Ausschnitt angesichts ihrer Oberweite schmeichelhafter sei als der Rundhalsausschnitt, den sie gerade trägt. So ein Hinweis ist allenfalls von Personen okay, mit denen mensch schon in einer gewissen (freundschaftlichen) Beziehung steht. Wie tief diese „Beziehung“ sein sollte, um einen „lieb gemeinten Hinweis“ zu rechtfertigen, muss jede*r für sich selbst einschätzen. Solange das nicht klar ist, gilt: Wenn nicht explizit um Hilfe gebeten oder nach einem Rat gefragt wird, ist jede Form der Einmischung oder Bewertung tabu.

Durch ungebetene Ratschläge wird uns nämlich die Kompetenz über ein Thema abgesprochen. Im Fall unserer Näh-Community ist es die Kompetenz über die Außenwirkung unserer Kleidung. Hierbei geht es nicht (nur) um Geschmack oder Stil, sondern es betrifft direkt unsere Körper und das, was wir von ihnen zeigen können und wollen und was nicht. Ein sehr sensibles Thema, dessen sprachlicher Aufbereitung wir ohnehin sehr viel mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Sprache ist mächtig. Viel zu oft lese ich z.B. in Schnittmusterbeschreibungen und „Frauen“zeitschriften noch Ausdrücke, die ein vermeintliches Ideal wie Schlankheit oder eine bestimmte Oberweite glorifizieren. Aus gesellschaftlicher Sicht kann es aber nicht erwünscht sein, dass wir uns und andere in willkürliche Stereotype pressen, in die kaum jemensch hineinpassen kann. Dass wir uns gegenseitig mit unnützen Klischees verunsichern. Dass wir Kraft und Zeit in die Erreichung utopischer Ideale stecken, obwohl wir diese Energie viel besser für andere Aufgaben gebrauchen könnten. Gerade wir Frauen*. Und deshalb höre ich hier und heute ganz bewusst damit auf.

Terra Pants mit aufgesetzten Hosentaschen

Adieu Stereotyp*in

Ich bin mir sicher, dass ich selbst in den letzten Jahr(zehnt)en viel stereotypischen Käse reproduziert habe, und dass es auch auf meinem Blog von zweifelhaften Buzzwords nur so wimmelt. Ich bin nicht perfekt. Aber ich lerne jeden Tag dazu und arbeite an mir. Mit meiner Terra Pants schlage ich nun bewusst ein neues Kapitel in meinem Blog auf. Nachhaltigkeit hat nämlich nicht nur etwas mit Ökologie zu tun, sondern schließt auch die dauerhafte Bedürfnisbefriedigung des Menschen mit ein. Nachhaltig ist demnach nur, was dem Menschen langfristig gut tut. Das sind zum Beispiel liebevolle Beziehungen zu anderen Menschen und vor allem zu sich selbst.

Ich habe beschlossen, endlich mehr auf mich selbst zu hören und weniger auf andere. Und Terra ist der Anfang meiner neuen Beziehung zu mir selbst. Die Hose ist herrlich weit und bequem. Das Design mit den tiefen Bundfalten ist inspiriert von Herrenanzügen und traditionellen japanischen Denims. Ich mag das Spiel mit den Geschlechterklischees sehr gern. Nicht nur aus modischer Sicht, sondern auch aufgrund seiner übertragenen Bedeutung. Als Frau vermeintliche Herrenkleidung zu tragen, ist zwar heute nicht mehr so revolutionär wir vor einigen Jahren. Aber das Zeichen bleibt das Gleiche: Ich lasse mich nicht einengen und nehme meinen Raum ein.

Von Anzughosen und japanischen Herrenjeans inspiriert

Die Terra Pants

Terra nimmt Raum ein. Deutlich mehr als die meisten der Hosen in meinem Kleiderschrank. Die Schnittführung ist für die mitteleuropäische Wahrnehmung, die derzeit eher von Skinny Jeans und Leggings geprägt ist, eher ungewöhnlich. Aber sie erfindet das Rad nicht neu. Die Hose ist maximal knöchellang und sitzt entweder sehr hoch in der Taille oder etwas gemäßigter (und dann insgesamt etwas weiter) auf der Hüfte. Ich habe mich für die Highwaist-Version entschieden. Auch ungewöhnlich für mich. Aber ich wollte es ausprobieren. Da meine Maße nicht perfekt in die Maßtabelle passen (Taille 14, Hüfte 10), musste ich den Schnitt für mich anpassen. Ich finde es für den Sitz einer Hose sehr entscheidend, dass der Bund perfekt passt. Auf die Maßtabellen ist da in der Regel nur wenig Verlass, darum messe ich grundsätzlich die Bundweiten am Schnittmuster aus und lege sie exemplarisch um meinen Körper, wo der Bund sitzen soll. Bei Terra war das Ergebnis: Bundweite in Größe 12 sitzt in der Taille perfekt. Zur Hüfte hin habe ich auf Größe 10 auslaufen lassen und die Beine um ca. 8 cm verlängert sowie leicht verschmälert, um die Hose herbst-winter-tauglich zu gestalten. Im Schnitt sind Pattentaschen und aufgesetzte Taschen enthalten.

Das Ergebnis finde ich annähernd perfekt. Nur zwei Kleinigkeiten stören mich am Schnitt: Die Konstruktion des Hosenschlitzes und die Asymmetrie des Hosenknopfes. Die Perfektionistin in mir lässt schön grüßen. Ich mag es lieber, wenn die Hosenschlitze so konstruiert sind, dass der Reißverschluss zuverlässig verdeckt ist. Das ist bei Terra nicht so und der Reißverschluss blitzt gern mal hervor. Und natürlich haben ich keinen haargenau passenden Hosenreißverschluss in Rostrot gefunden. Aber dieser (Affiliate Link) bordeauxfarbene fällt zum Glück auch nicht unnötig auf. Durch die spezielle Schlitzkonstruktion sitzt am Ende auch der Knopf nicht mittig auf der Hose sondern deutlich seitlich versetzt. Symmetrisch wär‘ schöner. Bei der nächsten Terra (für den Sommer aus Leinen oder leichtem Denim) würde ich an dieser Stelle noch eine gewaltige Portion Hirnschmalz investieren, um das besser zu lösen. Eine Alternative wäre ein Hosenhaken als unsichtbarer Verschluss ohne Knopf gewesen. Aber als mich dieser Geistesblitz traf, hatte ich das Knopfloch schon (per Hand!) eingenäht.

Mein Manko am Schnitt: Der Hosenschlitz und die Knopfposition

Terra ist keine Anfängerhose. Die Anleitung, die es bislang nur auf Englisch gibt, ist mit Grafiken bebildert, aber eher sparsam erläutert. Den einen oder anderen Hosenschlitz sollte mensch schon einmal genäht haben, um die Anleitung angemessen nachvollziehen zu können. Und auch das Anpassen der Größen ist durch die spezielle Taschenkonstruktion mit dem angeschnittenen Beleg nicht ganz easy. Wer aber schon einmal eine Hose genäht oder zumindest sehr viel Experimentierfreude mitbringt, wird mit Terra schöne Nähstunden erleben.

Als Stoffempfehlung werden Denim, Woll(anzug)stoffe, Cord, Samt und mittelschwere bis schwere Baumwoll- und Leinenstoffe angegeben. Ich habe einen rostroten Stretch-Cord mit kleinen Elasthananteil (der absolut nicht notwenig gewesen wäre) verwendet. Cord eignet sich überraschend gut für die Terra. Anfangs hatte ich Sorge, dass die Hose damit zu „skulptural“ wirken könnte. In der Tat fällt der Stoff nach einigen Stunden des Tragens immer weicher und gibt den Bundfalten die verdiente Tiefe. Außerdem trägt er sich sehr angenehm warm und weich. Ein Gefühl, das ich nach all den Jahren in Skinny Jeans schon fast vergessen hatte. Tipps zum Nähen mit Cord habe ich hier bereits zusammengefasst.

Meine Terra Pants – oder vielmehr die durch sie entstandenen Gespräche – haben mir ein neue Perspektive eröffnet. Ich werde sicher nicht von jetzt auf gleich meine Einstellung komplett ändern können und es wird Tage geben, an denen meine Beziehung zu mir selbst wieder von Selbstzweifeln geprägt ist. Und das ist okay. Aber ich werde definitiv meine eigenen Worte noch stärker als bisher überdenken, um nicht aus Versehen unnütze Schönheitsideale zu etablieren. Damit wir alle eine bessere Beziehung zu uns selbst und zueinander haben können. Macht ihr mit?

  • Ulrike
SchnittmusterTerra Trousers von Pattern Fantastique, genäht in Größe 12-10, leicht verlängert und zum Knöchel verschmälert – selbst gekauft
StoffBio-Stretch-Cord von Lebenskleidung in Rostrot (ausverkauft) – selbst gekauft

P.S.: Ich habe sehr, sehr lange an diesem Text geschrieben und immer noch nicht das Gefühl, dass alles gesagt ist. Das Thema ist extrem komplex. Vielleicht lasse ich meine Gedanken dazu zukünftig hin und wieder in meine Blogtexte einfließen. Ich bitte meine Leser*innen jedoch zu bedenken, dass ich weder Journalistin noch Soziologin oder Psychologin bin und hier nur meine persönliche Meinung wiedergebe.

* Die Problematik betrifft grundsätzlich jeden Menschen unabhängig von seinem Geschlecht. Aber gerade weiblich gelesene Personen leiden sehr unter den weit verbreiteten Schönheitsidealen. Darum verwende ich in diesem Text den Terminus „Frau“.

19 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Carmen sagt:

    Wow!

    Ich war eine von denen, die zwar zur ursprünglichen Story nichts gesagt haben, aber bei deinem Beitrag zu den Reaktionen doch auch kommentiert hat, dass ich es zwar ähnlich gedacht, wohl aber nie gesagt hätte.

    Ich finde die Hose echt super! Ich mag die Weite total gerne und die Falten fangen meinen Blick.
    Die Länge wäre wohl eher mein Thema. Ich verbringe berufsbedingt doch sehr viel Zeit im Freien und bei den Temperaturen um diese Jahreszeit kann Hochwasserlänge noch so gut aussehend und modern sein – warm ist eindeutig noch höher auf der Prioritätenliste.

    Liebe Grüße Carmen

    1. Ulrike sagt:

      Liebe Carmen,
      ich finde es völlig okay, wenn jemand nicht meinen Geschmack teilt und „sich seinen Teil denkt“. Geht ja auch gar nicht, dass wir alle immer das Gleiche mögen. :-)
      Ich glaube, beim Anblick der fertigen Hose würde diesen Kritikern das Wort „unvorteilhaft“ gar nicht mehr in den Sinn kommen. Umso wichtiger finde ich es, bei solchen Geschichten nicht gleich seinen Senf dazuzugeben, sondern erst einmal abzuwarten. Es könnte ja gut werden. Hast also alles „richtig“ gemacht.

      Übrigens: Gegen kalte Waden helfen Kniestrümpfe. Ich bin dann mal Kniestrümpfe shoppen.

      Viele Grüße, Ulrike

  2. Baumgartner sagt:

    Ich bin ganz deiner Meinung, die Hose ist der Hammer, die Farbe und der Stil. Würde mir auch gefallen, bin aber nur 1.60m gross und trage Gr. 46, also lass ich das für mich und bewundere es an so grossen Frauen wie dir. Dir steht sie super, auch die Combi mit rosa, finde ich sowas von geil👍🤗mach weiter so

    1. Ulrike sagt:

      Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass JEDER Mensch dieser Welt, JEDE Hose tragen kann, die er/sie tragen möchte und dass absolut niemand irgendwas dazu zu sagen hat. Aber wir haben bestimmte Dinge gelernt und die wieder aus dem Kopf zu kriegen ist Schwerstarbeit…
      Ich wünsche dir, dass du dir auch irgendwann eine rostrote Cordhose nähen und einen rosa Pulli dazu tragen kannst (und möchtest). :-)
      Liebe Grüße, Ulrike

  3. Marina sagt:

    Liebe Ulrike,

    ich habe ein Problem mit deinem Text: Ich war so davon gefesselt, mit welch tollen Worten du dieses Thema aufgreifst, dass ich deine Hose leider nicht gesehen habe. Also musste ich dann im Anschluss nochmal Bilder gucken ;) Cord ist ein tolles Material, ich habe meine Schlaghosen aus Cord in der Jugend auch immer geliebt. Das Fairelith findest du sehr ähnlich in meinem Schrank, auch aus Nosh. Und nun überdenke ich alle Kommentare zur Hose, was ich damit ausdrücke. Ich mag die Hose und finde auch das Outfit sehr Ulrike.
    Liebe Grüße,
    Marina

  4. Nria sagt:

    Ein wichtiges Thema! Mich nervt es, wie oft beim Klamottenzeigen der Körper kommentiert wird. Öfter als „das und das würde dir aber besser stehen!“ lese ich ein Lob für die tolle Figur der Trägerin, was ich nicht minder problematisch finde – Body Neutrality wäre wirklich ein gutes Ziel.
    Wichtig finde ich, weder Leute für angeblich unvorteilhafte Kleidung zu verurteilen noch andere davon abbringen zu wollen, nur „vorteilhafte“ Sachen tragen zu wollen bzw. das tragen zu wollen, das ihren Körper dem „Ideal“ näherbringt – keine Angst, das will ich dir nicht unterstellen :) (mit schlanken 1,80 m ist es auch einfach etwas leichter, auf Kleidungsformen zu pfeifen als z.B. eine dicke 1,50 m-Frau)
    Ich bemühe mich, nur die Kleidung (und u.U. die Passform) zu beurteilen, nicht die Figur der Trägerin. Im Zweifelsfall sage ich lieber nichts – ich verstehe auch nicht, dass Leute so gern Stoffzusammenstellungen oder Muster kommentieren, die ihnen nicht gefallen. Niemand ist verpflichtet, ihnen sein Outfit zum Abnicken vorbeizubringen oder sich deren Geschmack anzupassen.

    1. Ulrike sagt:

      Hi Nria,
      ich kann jede*n verstehen, der/die sich vorteilhaft kleiden möchte. Das war ja jahrelang mein eigener Antrieb. Auch mit dieser Hose möchte ich nicht aussehen wir ein Clown. Und es ist völlig richtig, dass ich aus meiner privilegierten, schlanken 1,80m-Position heraus sehr leicht auf Konventionen pfeifen kann. Viele andere können das nicht. Und ich denke da schnell an meine Töchter, die in nicht allzu ferner Zukunft auch in diesem Social-Media-Spielchen mitmischen wollen und dann mit utopischen Schönheitsidealen konfrontiert werden. Ich wünsche mir da einfach eine bedachtere und bewusstere Kommunikation. Und du hast vollkommen Recht: Man liest häufig Kommentare, die Schlankheit oder andere körperliche „Vorzüge“ loben. Die kritischeren Kommentare kommen eher per Direct Message und sind für die anderen Follower*innen unsichtbar. Aber sie sind da. Und sie verletzen. Sogar mich. Und ziemlich unbewusst passt man sich dann doch an, obwohl man das doch gar nicht will. Es ist (und bleibt) kompliziert.
      Liebe Grüße,
      Ulrike

  5. Silke sagt:

    Mich hat schon immer der Stil der Menschen am meisten beeindruckt, die selbstverständlich und (mehr oder weniger) unerschütterlich tragen, was ihr Ding ist. Ich musste auch erst Mal meinen Weg in diese Richtung finden. Seit ich meinen Mann kenne, hat sich hier für mich ein neues, gutes Übungsfeld aufgetan ;-): Unsere Geschmäcker sind häufig superunterschiedlich und er liebt vor allem eher sehr weiblich wahrgenommene Kleidung und eher nichts Extravagantes an mir. Ich nehme es als Chance, beim Selbernähen und Upcyceln noch mehr hinzuspüren: Was ist mein Ding? Gefällt es MIR?
    Die Hose ist SUPER!
    Liebe Grüße, Silke

    1. Ulrike sagt:

      Machmal frage ich mich: Mag ich das, weil die Gesellschaft mich gelehrt hat, so etwas zu mögen? Oder kommt es aus mir heraus. Darum macht es Sinn – wie du beschreibst – seinen eigenen Stil hin und wieder zu hinterfragen und auch mal auszutesten, ob sich etwas anderes auch ganz gut anfühlen kann.
      Lieben Dank für deinen Kommentar!
      Herzlichst, Ulrike

  6. Annika sagt:

    Hach, Ulrike. Was ein Text! Bin geplättet. Journalistin oder nicht, hier hast du echt was Großes rausgehauen. Jede*r sollte diesen Text lesen! Bin 100% deiner Meinung! Hab die letzten Jahre da auch viel für mich dazugelernt. Ich schaff es nicht jeden Tag, auf die Meinung anderer zu pfeifen und auch nicht jeden Tag meinen Körper so wie er ist anzunehmen. Aber immer öfter! Und wenn nicht, dann nehm ich diese kritische Haltung zumindest nicht mehr als gegeben an, sondern hinterfrage sie und mach mir bewusst, dass nicht ich bzw mein Körper das Problem ist, sondern die Gesellschaft, die gerade bei weiblich gelesenen Personen stets perfektes Aussehen erwartet!
    Seit ich Sport nicht mehr als Zweck zum Abnehmen sehe, sondern einfach aus Spaß, als Abwechslung und um meinem Körper was Gutes zu tun, mache, bin ich wie befreit und genieße jede einzelne Sporteinheit.
    Schon ein bisschen revolutionär, sich selbst einfach zu lieben!

  7. Ani Lorak sagt:

    Gut geschrieben und soo wahr. Ich mag die Hose an Dir sehr gerne. Ich stelle mir diese auch sehr bequem vor. Die Farbe finde ich mega. Ja, in allem stimme ich Dir zu. Es ist so wichtig. Ich habe eine Farb- und Stilberatung gemacht, auch an der ein und anderen Stilfindung teilgenommen und es ist wirklich komplex. Unsere Tochter ist 12 und da heisst es noch mehr anstrengen und gegen die Muster ankämpfen. In der Grundschule war Gewicht bereits ein Thema und ja, es ist leicht gesagt, sie ist normschön, aber Eigen- und Fremdbild und es ist wirklich schwierig, dass man sich nicht Dinge zu Herzen nimmt, due irrelevant sind. Wohlfühlen wollen wir uns alle und wir sollten weniger vergleichen und werten. Ich bin gegen Schablonen. Danke für das Teilen Deiner Gedanken. So wichtig ich schätze es sehr.

    1. Ulrike sagt:

      Ich musste beim Schreiben auch oft an meine Töchter denken… mit Ende dreißig kann ich das Social-Media-Spielchen momentan mehr oder weniger problemlos mitspielen. Für junge Frauen* wird es aber zunehmend schwieriger. Ich empfinde das fast schon als rückschrittlich.
      Ich wünsche dir und deiner Tochter alles Liebe!
      Ulrike

  8. Simone sagt:

    Ich habe deinen Blog und Instagram-Account recht neu für mich entdeckt, die Hose ist wirklich toll!
    Seit ich den Post bei Instagram gelesen habe, habe ich verstärkt darauf geachtet, wie oft Frauen in meinem Umfeld (egal welchen Alters) ihr Aussehen und ihre Figur kritisieren. Es ist wirklich schlimm! Ich habe mit fest vorgenommen, IMMER ermutigend zu reagieren!
    Meine Figur entspricht bestimmt auch nicht dem, was uns von klein auf als „perfekt“ eingeimpft wurde und als junges Mädchen und auch noch als jüngere Frau, hat mich das belastet. Inzwischen pfeif ich drauf (und fühle mich pudelwohl)!
    Viele liebe Grüße von Simone

  9. Susanne sagt:

    Tolle Hose! Und wichtiges Thema! Ich habe mir mittlerweile Sätze wie „Steht dir gut (oder eben nicht)“ komplett abgewöhnt (zumindest bei Instagram – irl kommt es darauf an wem ich ggü stehe). Ich kommentiere eigentlich nur noch, wie oben, etwas positives zum Kleidungsstück oder einem Detail davon (Farbe, Konstruktion, Stoff) und wenn mir das nicht gelingt, dann schreibe ich halt nix. Ich möchte das schließlich auch nicht von anderen zu Lesen bekommen.

  10. Inga sagt:

    Liebe Ulrike,
    der Text trifft es auf den Punkt und ich finde es wirklich wichtig und mutig, dass du ihn geschrieben hast. Mir ging es lange Zeit genauso wie dir, ich habe mich bei Kleidung sehr darauf konzentriert was angeblich meine „Vorteile“ unterstreicht und meine „Nachteile kaschiert“ – und dabei gleichzeitig bloß nicht zu sehr aufzufallen, vor allem aber auch nicht zu missfallen. Der Witz ist, seit ich das nicht mehr mache hat sich innerlich etwas in mir verändert. Es ist nicht so, dass ich vorher schüchtern war, aber seit ich mich traue mit meiner Kleidung mehr Raum einzunehmen, passiert das auch im restlichen Leben. Was Kleidung und deren Bewertung (und damit automatisch die unserer Körper) mit uns macht ist also alles andere als nebensächlich. Ich habe noch eine Menge mehr Gedanken dazu, aber dann wird’s ein eigener Blogartikel 😉. Deshalb nur noch soviel: Ich wünsche dir sehr, dass die Trotz-Neugier-Energie dir erhalten bleibt und freue mich, mehr darüber zu lesen.
    Liebe Grüße
    Inga

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