Nähen

Warm – wärmer – Nähen mit Wolljersey

Dass ich Wolle mag, müsste sich mittlerweile herumgesprochen haben. Ob auf den Stricknadeln oder als Loden – Wolle begleitet mich schon lange und überzeugt mich jedes Mal von neuem. Letztes Jahr habe ich mich endlich auch an das Nähen mit Wolljersey gewagt. Und was soll ich sagen, außer: Warum – zum Kuckuck – hab ich das nicht schon früher ausprobiert?!

Nähen mit Wolljersey - ein Karl von Schneidernmeistern - ohne Kragen - aus Bio-Wolljersey von Danisch Pur

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Manche Kleidungsstücke sind heimliche Superhelden. Dieses schlichte Shirt gehört definitiv dazu. Es ist quasi der Clark Kent in meinem Kleiderschrank, denn es rettet mich ständig und ist einfach immer da, aber so unauffällig wie sonst nix. Mein Clark basiert auf dem wundervollen Schnitt “Karl” des (nicht mehr existierenden) Schnittmusterlabels Schneidermeistern. Karl sieht eigentlich so aus: ein Midikleid mit einen angeschnittenen schmalen Rollkragen. Davon ist nicht viel geblieben. Rockteil und Rollkragen habe ich eliminiert (Schnittlinien sind im Schnittmuster enthalten). Das Ergebnis ist ein herrlich schlichtes, lässiges Shirt mit weitem U-Boot-Ausschnitt und abgerundetem Saum. Perfekt für mich.

Das besondere an Karl – pardon – Clark… öh… Clark-Karl ist aber das Material, aus dem ich ihn genäht habe: Wolljersey! Ich habe mich wirklich lange vor dem Nähen mit Wolljersey gedrückt, weil das Material

  1. nicht gerade günstig ist und
  2. ich zu viele Horrorgeschichten über das Nähen mit Wolljersey gehört habe.

Aber letztes Jahr habe ich es spontan gewagt, ein kleines Vermögen in ein paar Meterchen Wolljersey von Danisch Pur zu investieren. Davon hat mein Mann zunächst ein Fahrradtrikot bekommen und den Rest (der eigentlich ein zweites Trikot werden sollte) ist heimlich still und leise zu diesem Clark-Karl geworden.

Nähen mit Wolljersey - ein Karl von Schneidernmeistern - ohne Kragen - aus Bio-Wolljersey von Danisch Pur
Schnittmuster Karl von Schneidernmeistern als Shirt ohne Kragen

Die Verarbeitung von Wolljersey ist gar nicht soooo kompliziert wie befürchtet. Ja, der Stoff ist sehr, sehr elastisch. Ja, man muss höllisch aufpassen, dass sich beim Nähen nichts dehnt oder verschiebt. Nein, man sollte besser KEINE Stecknadeln verwenden. Ja, man muss unbedingt die richtigen Nadeln (Superstretch!) verwenden. Auch in der Overlock! Aber wenn man diese und weitere Hinweise befolgt, steht einem erfolgreichen Wolljersey-Projekt nicht viel im Weg. Viele gute Tipps findet ihr hier. Am Ende ist die Verarbeitung von Wolljersey nicht so viel anders als das Nähen mit Baumwollinterlock. Nur der Nervenkitzel, der mitschwingt angesichts der Meterwarepreise, ist ein bisschen intensiver. Auch bei mir.

Nähen mit Wolljersey - ein Karl von Schneidernmeistern - ohne Kragen - aus Bio-Wolljersey von Danisch Pur
Schlichte Basics wie dieses anthrazitgraue Longsleeve lassen sich auch mit besonderen Kleidungsstücken wie der Terra Pants gut kombinieren.

Wolljersey lohnt sich aber. Denn Wolle hat viele tolle Eigenschaften, dank derer ein Kleidungsstück aus Wolle schnell zum Lieblingsteil wird. Clark-Karl ist in Windeseile zu so einem unverzichtbaren Favoriten geworden. Weil er nämlich

  1. als absolutes Basicteil völlig universell einsetzbar ist,
  2. wunderbar warm hält, obwohl er leicht und dünn ist und
  3. auf wundersame Weise IMMER sauber ist.

Gerade Punkt 3 war für mich eine extreme Überraschung. Ich trage Clark-Karl manchmal sieben oder zehn Tage hintereinander (auch mal mit ein, zwei Tagen Pause) und trotzdem ist er IMMER frisch. Bevor ihr euch jetzt entgeistert abwendet: Keine Sorge! Das ist nicht unhygienisch. Wolle ist von Natur aus antibakteriell ausgestattet, sodass sich Bakterien, die für Geruch verantwortlich sind, in dem Material nicht vermehren können. Im Gegensatz zu Baumwolle. Hier findet ihr einen kompletten Artikel über Wolle. Meinen Clark-Karl hänge ich abends einfach auf einem Kleiderbügel ins Badezimmer und die Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass die Wolle wieder komplett geruchsneutral ist. Sogar ein kleines Kleckermalheur lässt sich manchmal einfach ausbürsten. Nur Marmelade und Zahncreme sind Clark-Karls Kryptonit. Dagegen kann nicht mal Wolle etwas ausrichten. Spreche da aus Erfahrung.

Inzwischen habe ich Clark-Karl dem einen oder anderen Stresstest ausgesetzt und er hat alles locker weggesteckt. In den zwei Monaten, die er jetzt bei mir wohnt, habe ich Clark-Karl genau zwei mal gewaschen. Marmelade und Zahnpasta.

Die Moral von der Geschicht: Ich brauche dringend noch weitere Sachen aus Wolljersey, dann muss ich quasi nie wieder (meine) Wäsche waschen. Und ich sollte Clark-Karl beim Zähneputzen nicht mehr tragen und auf Marmelade verzichten. Anders herum wär’s auch echt doof.

Nähen mit Wolljersey - ein Karl von Schneidernmeistern - ohne Kragen - aus Bio-Wolljersey von Danisch Pur
Wolljersey hat viele tolle Eigenschaften: z.B. muss man ihn nur sehr selten waschen

Also traut euch und näht mal etwas mit Wolljersey! In meinem Lager wartet noch ein Meter Wolle-Seide auf einen Anflug von Mut. Ich glaube, dieses Material ist doch ein bisschen anspruchsvoller als Wolljersey. Erzählt mal, habt ihr schon einmal Wolljersey vernäht? Vielleicht sogar Wolle-Seide und könnt mir ein bisschen die “Angst” nehmen?

  • Ulrike
SchnittmusterKarl von Schneidernnmeistern als eBook noch erhältlich bei 1000stoff – für Wollstoffe ruhig 1 bis 2 Größen kleiner nähen als gewohnt. Ich habe hier Größe 38 genäht. [selbst gekauft]
StoffWolljersey von Danisch Pur in der Farbe Anthrazit – ausverkauft [selbst gekauft]

8 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Muriel sagt:

    Hallo Ulrike,

    Ich bin schwer begeistert von deinem Clark Kent Shirt. Das klingt traumhaft.

    Schleiche ja schon länger um die Stoffe von Dem Shop rum. Vielleicht sollte ich mir auch mal ein Stückchen gönnen.

    Lieber Gruß
    Muriel

    1. Ulrike sagt:

      Moin Muriel,
      ich kann es dir nur empfehlen! Übrigens: Da bei unbedruckten Wolljerseys Vorder- und Rückseite des Stoffs identisch sind, kann man mit cleverem Zuschnitt ziemlich viel Stoff sparen. Manchmal reichen schon 70 cm für ein Langarmshirt. Am besten vorher einmal alle Schnittteile auslegen und ein bisschen Tetris spielen. Dann wird die Rechnung am Ende nicht gaaaanz so hoch.
      Viel Spaß beim Ausprobieren!
      Ulrike

  2. Hendrike sagt:

    Du hast es so schön beschrieben! Ich liebe auch Wollshirts, Wollunterhemden… sie retten mich seit ein paar Jahren durch Herbst und Winter (und ungemütliche Frühlingstage und kalten Nächte…. also eigentlich durchs Jahr) und sind auch meine stillen Helden der Garderobe. Und dieses Sauberbleibending ist einfach fantastisch, ich kann es nur bestätigen, nichts muffelt oder stinkt. Vernäht habe ich Wolle-Seide bisher nur fürs Kind, das ging ganz gut (ich fand, es rollte sich nicht so krass wie Wolljersey), und ich verarbeite da auch jeden Fitzel für Stulpen oder zum Ausbessern von kleinen Löchlein.
    Meine Kaufshirts lösen sich allmählich auf und ich werde mir das nächste dann mal selbst nähen, denn keine Wollshirt in petto ist keine Option.

    Liebe Grüße
    Hendrike

    1. Ulrike sagt:

      Hallo Hendrike,
      das hast du schön formuliert: “Keine Wollshirts zu haben, ist keine Option!” Genauso ist es! Man weiß das leider erst, wenn man es mindestens einmal ausprobiert hat. Ich hätte es vorher auch nie geglaubt, dass so ein Wollshirt quasi nie gewaschen werden muss…
      Viele Grüße,
      Ulrike

  3. Christine sagt:

    Toll…. ich habe mir vor zwei Jahren auch ein Wolljersey Teil gegönnt. War ja erst entsetzt über die Dehnbarkeit des Materials bin aber jetzt sehr zufrieden mit meinem Shirt. Immer nur lüften :-) Den Ausschnitt am Karl hast du sehr gut hinbekommen hat ja den angeschnittenen Rollkragen.
    GlG
    Christine

    1. Ulrike sagt:

      Hallo Christine,
      die Dehnbarkeit ist anfangs wirklich sehr überraschend. Zum Karl passt das zum Glück ganz gut, weil der Schnitt nicht wirklich enganliegend sein muss. Wenn das Shirt sehr körpernah bleiben soll, muss man mit Wolljersey ziemlich viel am Schnitt ändern und wegen der Dehnbarkeit viel Weite rausnehmen. Oder man verwendet gleich Schnitte, die rein für Wollstoffe konzipiert sind. ;-)
      Du hast Recht, Karl hat eigentlich einen angeschnittenen Kragen. Aber es gibt im Schnittmuster auch eine Schnittlinie, die es erlaubt, Karl ganz ohne Kragen (sondern mit diesem weiten U-Boot-Ausschnitt) zu nähen. Den Ausschnitt habe ich mit einem Beleg versäubert. Das mache ich tatsächlich viel lieber, als Bündchen anzunähen.
      Liebe Grüße,
      Ulrike

  4. Jutta sagt:

    Liebe Ulrike,
    Dein Shirt sieht toll aus und mit der Cordhose ein Traum. Ich habe mir letztens bei Zuleeg Wolljersey gegönnt, als der im Angebot war. Sie haben eine deutsche Eigenproduktion, nur ein paar Farben. Da ich als Kirchenmusikerin oft in kalten Kirchen arbeite und konzertiere, stand ein schlichtes Wollshirt schon lange auf meinem Plan. Eigentlich wollte ich auch ein Unterziehshirt nähen, aber der Wolljersey war dicker und weniger elastisch als erwartet. Ich habe dann kurzerhand einen ähnlichen Pulli wie du daraus genäht nach dem schlichten Schnitt Frau Tania von schnittreif. Ein echter Glücksgriff, es war mir nie zu warm oder zu kalt und die Sache mit der Wäsche kann ich auch bestätigen. Zusammen mit einer klassischen Hose aus reiner Schurwolle auch von Zuleeg die ideale Konzertkombi. Aus den Resten des Wolljerseys konnte ich noch ein paar dünne Fausthandschuhe und ein paar Socken basteln, so dass auch das letzte fitzelchen des wertvollen Materials verbraucht wurde.
    Danke für deine tollen Beiträge, ich freue mich immer sehr, von dir zu lesen.
    Liebe Grüße, Jutta

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