Nähen

{Jumpsuit Jazz} Nähen mit Ramie

So. Ich wär’ soweit. Der Sommer kann kommen. Okay, Frühling wäre auch schon mal ‘ne tolle Maßnahme. Hauptsache zwanzig Grad und Sonne. Ich habe es nämlich geschafft, mir überpünktlich einen neuen Jumpsuit Jazz zu nähen. Aus obercooler Ramie. Und den würde ich jetzt gerne ohne Rolli drunter und Strickjacke drüber spazieren führen. Nicht dass er mit Rolli und Strickjacke nicht auch eine gute Figur machen würde. Im Gegenteil! Aber dieser Jumpsuit will ganz eindeutig Sommer!

Jumpsuit Jazz aus dunkelblauer Ramie von Stoffe Hemmers, dazu ein selbstgestrickter Sunday Cardigan von Petite Knit aus hellgrauer Wolle

Werbung | Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer bezahlten Kooperation.

Mein erster Gedanke beim Anblick dieses herrlichen Stoffs war übrigens: Das ergäb’ ein wunderbares Kleid! Kleider nähen liebe ich nämlich sehr. Dummerweise trage ich aber viel lieber Hosen. Irgendwie lag es dann nahe, so ein neumodisches Cross-Over-Ding aus Kleid und Hose zu nähen. Ein Jumpsuit! Wobei ich zugeben muss, dass das für mich lange Zeit – vorsichtig ausgedrückt – Strampler für Erwachsene waren. Ich konnte mit dem Trend nicht wirklich etwas anfangen. Bis ich selbst meinen ersten Jumpsuit nähte. Und was soll ich sagen? Die sind leider geil. An Bequemlichkeit wirklich kaum zu übertreffen. Jedenfalls solange man nicht auf die Toilette muss. Und damit sind wir auch schon mitten drin im Thema:

Wie nähe ich mir den perfekten Jumpsuit Jazz?

Mein erster Jumpsuit Jazz hat hinten einen verdeckten Reißverschluss. Und obwohl ich wirklich gelenkig bin, habe ich oft Mühe, an den Reißverschluss zu kommen. Insbesondere dann, wenn es schnell gehen muss. In ganz besonders “dringenden Fällen” kann das schon mal in Stress ausarten. Im Gegensatz zur hartnäckigen Vorurteil, Frauen würden immer gemeinsam aufs Klo gehen, habe ich höchst selten jemanden dabei, der oder die mir “hinterher” mit dem Reißverschluss helfen könnte. Denn “zu” ist noch viiiiel komplizierter als “auf”. Für mich stand daher fest: Sollte ich mir jemals einen weiteren Jumpsuit Jazz nähen, muss er einen leichter zugänglichen Verschluss haben. Am besten vorne.

Jumpsuit Jazz aus dunkelblauer Ramie von Stoffe Hemmers, dazu ein selbstgestrickter Sunday Cardigan von Petite Knit aus hellgrauer Wolle

Das Schnittmuster Jazz von Ready to Sew bringt von Haus aus schon jede Menge Optionen mit. Ganze 82 mögliche Varianten sind in Ebook beschrieben. Und ich hab mal eben Variante 83 ausgetüftelt. Ich wollte nämlich gern den Jumpsuit Jazz mit Wickeloberteil nähen, aber möglichst ohne “Wickelgedöns” und Bändergetüddel. Schlicht sollte es sein und maximal alltagstauglich. Mein Plan war, dass ich höchstens einen Knopf öffnen muss und dann möglichst bequem aus dem Anzug “herausschlüpfen” kann. Spoiler alert: Hat geklappt!

Mein Jumpsuit Jazz Hack

Für das Oberteil habe ich das Vorderteil A3 und das Rückenteil B3 verwendet. Die Hose ist die “gerade Hose” H3 und G3. Normalerweise wird das Hosenteil leicht gerafft direkt an das Oberteil angesetzt. Ich habe auf die Raffung verzichtet und statt dessen einen Tunnel mit Gummizug dazwischen gesetzt. Dafür habe ich Hose an der Hüfte deutlich verschmälert und die Weite an die Maße des Oberteils angepasst. Um den Jumpsuit bequem an- und ausziehen zu können, benötigt man eigentlich eine Öffnung (Reißverschluss oder Knopfleiste) bis in das Unterteil hinein. Genau das wollte ich aber aus optischen Gründen nicht. Ich habe also ein zwei Probeteile genäht und ausprobiert, wie das Oberteil geschnitten sein muss, dass ich es über die Schultern ziehen kann.

Die Lösung (die für mich funktioniert) war:

  • Oberteil insgesamt um fünf Zentimeter verlängern und
  • zur Hüfte leicht verbreitern, sowie
  • die Nackenlinie hinten etwas vertiefen.

Auf diese Art kann ich das Oberteil einfach über die Schultern streifen. Okay, ein bisschen “herauswinden” muss ich mich schon. Aber es ist wesentlich einfacher als bei meinem grünen Leinenjumpsuit. Ich denke, beim nächsten Mal würde ich das Oberteil noch etwas mehr verlängern. Dann wird die potenzielle Aussteigeöffnung größer und das Ausziehen noch bequemer. Der Gummizug säße dann etwas hüftiger oder das Oberteil würde noch etwas bauschiger fallen. Beides durchaus denkbare Optionen.

Jumpsuit Jazz aus dunkelblauer Ramie von Stoffe Hemmers, dazu ein selbstgestrickter Sunday Cardigan von Petite Knit aus hellgrauer Wolle

Bei diesem Hack ist es wichtig, dass das Taillenmaß des Jumpsuits größer ist als das Hüftmaß der Trägerin. Personen mit ausgeprägten Hüften sollten sicherstellen, dass sie die Hose noch gut über die Hüften ziehen können. Für mich stellt sich dieses Problem nicht, da ich weder eine ordentliche Taille noch Hüfte vorweisen kann.

Eine weitere – vergleichsweise kleine – Änderung, die ich vorgenommen habe: Die Taschenbeuteltiefe deutlich vergrößert. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich brauche tiefe Taschen. Wie mensch mit Mircohosentaschen oder gar Faketaschen leben kann, ist mir unbegreiflich.

Und dann ist da noch der verdeckt angenähte kleine Druckknopf, der mich vor allzu tiefen Einblicken schützt. Ich hatte erst überlegt, ob ich eine ganze Reihe von Knöpfen an den Ausschnitt nähen soll – so rein dekorativ. Hab mich aber dagegen entschieden, weil ich finde, dass der Jumpsuit so schlicht, wie er jetzt ist, am variabelsten zu tragen ist. Bei gegebener Zeit werde ich allerdings noch ein paar Gürtelschlaufen ergänzen. Die habe ich nämlich im Eifer des Gefechts schlicht vergessen.

Jumpsuit Jazz aus dunkelblauer Ramie von Stoffe Hemmers, dazu ein selbstgestrickter Sunday Cardigan von Petite Knit aus hellgrauer Wolle

Grundlegende Änderungen beim Nähen eines Jumpsuits

Beim Nähen eines Jumpsuits gibt es so einiges zu beachten. Er muss nämlich obenrum UND untenrum passen. Und zwar beim Stehen UND Sitzen. Im Gegensatz zu einem Zweiteiler muss also die gesamte Rückenlänge vom Nacken bis zum Schritt die volle Bewegungsfreiheit mitmachen. Sonst zwickt’s beim Hinsetzen. Darum scheint der Schritt bei Jumpsuits auch immer ungewöhnlich tief zu hängen. Diese Tiefe ist aber notwenig, wenn frau sich nicht gerade einen reinen Stehsuit nähen möchte.

Ich empfehle dringend, vorab ein Probeteil zu nähen! Die Rückenlänge muss perfekt passen. Für meinen Jumpsuit Jazz habe ich das Oberteil insgesamt um acht Zentimeter verlängert (fünf Zentimeter am Oberteil plus drei Zentimeter Tunnel). Die Schritttiefe habe ich beibehalten und die Beinlänge um satte zehn Zentimeter verlängert. So kann ich den Jumpsuit nicht nur in der aktuell modernen “cropped” Version knöchelhoch aufgekrempelt tragen, sondern auch als lange Hose.

Jumpsuit Jazz aus Ramie von Stoffe Hemmers, Rückansicht.

Wenn erst einmal alle Maße geklärt sind, ist der Jumpsuit in dieser Form wirklich ratzfatz genäht. Kein nerviges Reißverschlusseinnähen, kein fummeliges Knopflochnähen – einfach nur Oberteil und Hose zusammennähen und – schwupps – fertig ist der Jazz. Das geht so einfach, dass es sogar für Anfänger*innen machbar ist. Wer Schrägband annähen kann, bekommt auch diesen Jazz-Hack gewuppt.

Nähen mit Ramie

Apropos Anfänger: Das Nähen mit Ramie kann ich insbesondere (aber natürlich nicht nur) Anfängern wärmstens ans Herz legen. Der Stoff ist einfach ein Traum zu Nähen. Er verzieht sich null, lässt sich perfekt stecken, nähen und bügeln. Da rutscht und flutscht einfach gar nix. Ich habe den kompletten Jumpsuit ohne eine einzige Stecknadel genäht, weil einfach alles von allein an Ort und Stelle geblieben ist. So etwas passiert mir selten und ich bin da eher pedantisch. Die Nähte werden messerscharf. Ich bin ehrlich hin und weg. Und plane heimlich schon die nächste Hose aus Ramie. Über die nicht ganz nachhaltigen Produktionsbedingungen schaue ich ausnahmsweise hinweg. Für mich überwiegt hier gerade die Wertigkeit des fertigen Kleidungsstücks.

Und die kann sich wirklich sehen lassen. Ramie ist im Prinzip vergleichbar mit Leinen. Es fällt ähnlich wie Leinen anfangs etwas steif und wird beim Tragen und mit jeder Wäsche etwas weicher. Genau wie Leinen neigt das Material auch stark zum Knittern. Muss man mögen. Ramie hat außerdem auch diesen für Bastfasern typischen ganz leichten Glanz. Der Stoff von Stoffe Hemmers punktet zudem mit einer lebendigen Oberflächenstruktur, was ich persönlich ja spannender finde als jedes aufgedruckte Stoffmuster.

Jumpsuit Jazz von Ready to Sew aus Ramie von Stoffe Hemmers. Darunter Rollkragenpullover Rolli Hepburn Turtleneck von Itch to Stitch aus blau-rot-weiß geringeltem Bio-Baumwolljersey von Lebenskkleidung.

Ramies großer Vorteil gegenüber Leinen ist ihre Festigkeit. Wo beim herkömmlichen, eher locker verwebten Leinen schnell mal die Knie ausbeulen, bleibt diese Ramie lange in Form. Gerade für Hosen ist diese Eigenschaft Gold wert. Dass der Stoff darüber hinaus komplett blickdicht ist, werte ich als weiteren großen Pluspunkt fürs Hosennähen. Mein Plan ist deshalb, mir eine Sommerversion meiner geliebten Terrapants zu nähen. Wahrscheinlich wird es dieses Mal die Ramie in Terracotta. Oder in Dunkelgrün oder Hellgrau? Decisions, decisions. Auswahl ist jedenfalls reichlich vorhanden.

Jumpsuit Jazz von Ready to Sew aus Ramie von Stoffe Hemmers. Darunter Rollkragenpullover Rolli Hepburn Turtleneck von Itch to Stitch aus blau-rot-weiß geringeltem Bio-Baumwolljersey von Lebenskkleidung.

Fazit – Jumpsuit Jazz nähen mit Ramie

Ich bereue nichts. Oder – wie es immer so schön heißt: Gerne wieder! Das Nähen mit Ramie macht richtig Spaß. Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie. Und jetzt, wo ich genau weiß, wie und wo ich den Jumpsuit Jazz ändern muss, damit er an meinen Körper passt, ist die nächste Version nur noch einen Mausklick entfernt. Was würdest du als erstes (oder als nächstes) aus Ramie nähen?

  • Ulrike
SchnittmusterJumpsuit Jazz von Rady to Sew – Schnittmusterhack (selbst gekauft)
StoffRamie im Farbton Marine von Stoffe Hemmers (wurde mir im Rahmen einer bezahlten Kooperation zur Verfügung gestellt)

3 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

    1. Ulrike sagt:

      Hallo Christine,
      seine Alltagstauglichkeit muss mein Jumpsuit noch unter Beweis stellen. Noch ist es mir zu kalt dafür. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass meine Modifikationen gut funktionieren werden.
      Liebe Grüße, Ulrike

  1. Katja sagt:

    Als stille Mitleserin muss ich heute mal einen kommentar hier lassen – ich lese sehr gerne deinen Blog und die ausführlichen Schnittmuster und Stoffbeschreibungen. Auch wenn ich das nicht ganz so professionell nähe wie du und immer sehr neidisch auf deine Ergebnisse bin ;-) Der Jumpsuit ist jedenfalls sehr toll geworden!
    LG Katja

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Ich hab's verstanden.