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Eine Liebesgeschichte {Quete}

Yeah, let’s do it! — Oh. — Und nun?! — Äh. — Doppeläh. — Neinneinnein. — Was hab‘ ich mir nur dabei gedacht?! — Hilfe! — Oh! — Aha! — Ahaaa! — Na also! — Sieht ja schon aus wie ein Blazer. — Hoffentlich passt er. — War das jetzt so richtig? — Wo ist hier vorne??? — Wie viele T-Shirts hätte ich zwischenzeitlich nähen können?! — Herrje! — Atmen. — Ha! — Neongelb! — Geil. — War ja easy. — Knopflöcher?! — Bitte keine Knopflöcher. — Atmen. — Knopfloch. — Atmen. — Knopfloch. — Trennen. — Atmen. — Knopfloch. — Atmen. — Knopfloch. — Knöpfe. — Neongelb. — Yeah. — Yeah! — YEAH!!! Hallo, Quete! Es folgt eine Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen, aber – ganz im Rosamunde-Pilcher-Sinne – mit Happy End.

Enthält Spuren von Werbung | Das Schnittmuster für den Blazer Quete wurde mir von Schnittmuster Berlin kostenlos zur Verfügung gestellt. Wie immer gilt: Mein Blog, meine Meinung.

Es begann an einem grauen Wintertag. Ellen von Schnittmuster Berlin machte uns miteinander bekannt: „Das ist Quete. Bist du interessiert?“ Es war nicht gerade Liebe auf den ersten Blick, aber der Typ hatte was und deshalb durfte er mitkommen.

Wir gingen es langsam an, Quete und ich. Wochen verstrichen, ehe wir uns einander annäherten… Anfangs war ich erschlagen von seiner Größe. Zwei Meter Fünfzig! Das muss man sich mal vorstellen. Damit füllte das Schnittmuster fast mein komplettes Nähzimmer aus. Schritt für Schritt erkudete ich seine Ecken und Kanten, schnitt Haupt- und Futterstoffe aus und bügelte – stundenlang – viele, viele Einlagen auf viele, viele Stellen. Eine heiße Nummer! Wenn man auch Bügeln steht.

Zwischenzeitlich verfluchte ich mich dafür, dass ich ein Faible für komplizierte Kerle habe. So ein T-Shirt-Quickie ist doch eigentlich auch nicht übel… Aber nix da! Aufgeben is‘ nicht. Stunden vergingen, Tage. Wochen. Quete ist anspruchsvoll. Er braucht Dinge, die ich nicht mal eben im Haus hatte. Schulterpolster zum Beispiel. Und Watteline. Die habe ich nicht gefunden und daher weggelassen. Er hat es nicht mal bemerkt. Dafür habe ich ihm noch eine Prise Neongelb verpasst. Er war zunächst skeptisch, aber dann fanden wir es beide sehr geil. So etwas bringt Würze ins Liebesleben.

Als wir endlich soweit waren, dass direkter Körperkontakt möglich war, musste ich feststellen, dass wir an den Schultern zwar (zum Glück!!!) perfekt zusammenpassten, aber im Taillen- und Hüftbereich noch reichlich Spiel war. Stecken, heften, probieren, heften, probieren… perfekt. Ich habe mir Quete auf den Leib geschneidert, was aber im Taillenbereich deutlich einfacher ist, als bei den Schultern. Im Prinzip habe ich einfach die Seitennähte und die rückwärtige Mittelnaht (stark) tailliert. Kein Hexenwerk.

Trotzdem will ich nicht behaupten, dass unsere Beziehung einfach war… ganz und gar nicht. Quete hat verdammt hohe Ansprüche. Aber wenn man den beigefügten Beziehungsratgeber ausgiebig komsultiert und zwischendrin sehr, sehr tief atmet, steht einer harmonischen Partnerschaft nichts im Wege. Okay, abgesehen von drei Knopflöchern vielleicht. Die waren tatsächlich eine Herausforderung. Das erste – Hallelujah – ging fast von allein rein. Beim zweiten bin ich wohl übermütig geworden und wurde mit Trennen bestraft. Der zweite Anlauf gelang aber auch hier wieder problemlos. Atmen. Das dritte Knopfloch brauchte auch wieder zwei Versuche. Aber dann saßen sie. Und die Knöpfe. Und Quete. Der saß auch.

Vielleicht war ein Prise Glück dabei, dass Quete und ich aus einer spontanen Verkupplungsaktion eine dauerhafte Liebesbeziehung entwickeln konnten. Es gibt so vieles, das hätte schief laufen können. Aber wir haben uns gemeinsam da durch gebissen und belohnt wurde ich mit einem treuen Begleiter für die Übergangszeit. Durch den hohen Wollanteil im Tweed wärmt Quete selbst bei fast winterlicher Kälte. Trotzdem fange ich auch in der Nachmittagssonne nicht sofort an zu schwitzen. Das liegt sicher auch am guten Bio-Cotton-Lawn von C.Pauli, das das Blazerinnere ziert. An dieser Stelle einen herzliche Dank an Nina für die perfekte Beratung! Ich liebe es, wie der Stoff am hochgekrempelten Ärmel Aktzente setzt. Und ich liebe die neongelben Details, die dem sonst sehr klassischen Blazer etwas Freches geben.

Fazit: Quete ist kein Typ für eine Nacht. Man muss schon Bock auf etwas „langfristiges“ haben. Trotz der blazertypischen Details mit Futter und Kragen ist die Jacke mit etwas Durchhaltevermögen absolut machbar. Es gibt eine bebilderte Anleitung und für die schwierigeren Stellen auch ein Video. Quetes großer Vorteil ist seine Passform. Als Boyfriendblazer ist er sehr gerade geschnitten, was ihn zum perfekten Anfängerblazer macht. Solange er an den Schultern gut sitzt, hat man mit Quete wenig Anpassungsmühe. Vor dem Zuschnitt habe ich einfach einen alten Blazer ausgemessen und mich am Ende für die Größe entschieden, die der Brustumfang des alten Blazers entsprach – nämlich eine 38. Die sitzt bei mir an den Schultern perfekt und ich musste überhaupt nichts anpassen. Ich hätte auch nicht gewusst wie…

Für den Oberstoff wählte ich einen Tweed in Olivgrün mit bunten Sprenkeln, der mir bei Juni Design ins Auge gesprungen ist. Ich wollte schon immer mal einen Tweedblazer haben. Man kann Quete aber auch aus festem Sweat nähen. Dann ist er noch eine Spur sportlicher. Beim Futter entschied ich mich für einen Bio-Cotton-Lawn von C.Pauli (ebenfalls bei Juni Design gekauft). Der Stoff ist wunderbar fein und glatt und eignet sich hervorragend als Futterstoff. Und ganz nebenbei lässt er sich viel besser vernähen als flutschige Polyestermonster und trägt sich sehr, sehr angenehm. Ich mag es sehr, dass man es beim Futter farb- und mustertechnisch auch mal krachen lassen kann. Die neongelbe Paspel musste als witziges Detail einfach sein. Auch den obersten Knopf habe ich in alter Tweedjacket-Tradition mit einem Kontrastgarn in Neongelb angenäht. Die dunkelblauen Corozo-Knöpfe nehmen die Grundfarbe des Futterstoffs wieder auf und passen perfekt zu meinen Lieblingsjeans (und zu dieser dunkelblauen Chino, die ich aus den Tiefen meines Kleiderschranks ausgegraben habe).


Stylingtechnisch mag ich tatsächlich am liebsten Sneakers zu Quete. Nicht nur weil ich sowieso fast ausschließlich Sneakers trage, sondern auch um Quetes Strenge zu brechen. Kombiniert mit Lederschuhen und einem etwas „seriöseren“ Outfit, hat das Ganze sonst schnell etwas von „britischer Landadel“. Das wäre zwar nicht schlimm, aber einfach nicht meins. Wenn ich im Herbst allerdings wieder meine Bodas Boots in cognacfarbenem Leder aus dem Sommerquartier hole, werde ich mit anderen Details dem Landadelcharakter entgegensteuern müssen. Mit zerrissenen Jeans zum Beispiel oder mit einem Hoodie, dessen Kapuze sich lässig über Quetes Kragen legt. Es gibt so viele Möglichkeiten, Quete zu stylen. Das hatte ich während des Nähens gar nicht so recht für möglich gehalten und schon befürchtet, dass ich eine Schrankleiche produziere. Aber tatsächlich ist Quete ein total bequemer und anpassungsfähiger Begleiter. Ich freue mich jetzt schon auf den Herbst, denn im Sommer macht der Tweed-Quete natürlich eine kleine Pause. Aber ich überlege schon, ob ich vielleicht einen wolligen Mantel-Quete für den Winter brauche. Wenn ich den Saum um vierzig Zentimeter verlängere, dann… ich träum mal schön weiter. Und ihr? Wie sind eure Blazernähambitionen?

Ulrike

Verlinkt bei Du für Dich am Donnerstag und Selbermachen macht glücklich.

Blazer: Quete von Schnittmuster Berlin. Änderung: Ärmel um 2 cm verlängert. Stoff: Tweedstoff und Cotton Lawn von Juni Design

Alles Jersey {Hoodies for Kids}

Achtung, Achtung! Es folgt eine wichtige Durchsage: DER HERBST KOMMT! Echt jetzt! Vielleicht nicht heute und scheinbar auch nicht morgen, aber er kommt. Ganz gewiss. Nicht, dass ihr mir später erzählt, ich hätte euch nicht gewarnt. Also checkt mal schnell die Kleiderschränke eurer Kinder, denn erfahrungsgemäß wachsen die lieben Kleinen ja schneller als Unkraut und möglicherweise passt die Hälfte der Schlechtwettergarderobe vom letzten Jahr nicht mehr. So war es jedenfalls bei uns mal wieder. Und wenn euch das bekannt vorkommt, habe ich einen tollen Tipp. Kommt mal mit… Weiterlesen

Ein {Addalinchen} kommt selten allein

Ich hab’s schon wieder getan. Ich hab probegenäht. Ich weiß, ich weiß, ich hatte gesagt, ich halte mich ab sofort zurück bei dem Thema. Aber ich MUSSTE einfach. Das versteht ihr. Stimmt’s? Dieses Mal habe ich für Bine von Echt Knorke genäht und finde das Ergebnis ziemlich – sorry – geil. Das Addalinchen ist ein neuer Schnitt für eine kurze, blousonartige Jacke, die sich aus so ziemlich jedem erdenklichen Material nähen lässt. Mein lässiges Sweat-Addalinchen zeige ich euch hier. Und ich verrate euch, welche Addalinchen mir noch so vorschweben… Weiterlesen

Grüner wird’s nicht {Lisbon Cardigan}

Grün kommt in meinem Kleiderschrank nicht vor. Eigentlich. Denn es gibt da diese eine Bluse, die ich vor Jahren in einem Laden hängen sah und einfach haben musste. Ich liebe sie sehr. Sie hat nur einen Haken: Sie hat grüne Punkte. Und außer zu Jeans passt sie zu nichts, was in meinem Schrank zu finden ist. Eigentlich ist das ein Grund, sie auszusortieren. Weil ich das aber (noch) nicht übers Herz bringe, habe ich ihr einen Kombipartner genäht. Ob der Lisbon Cardigan meiner Punktebluse zu mehr Aufmerksamkeit in meinem Kleiderschrank verhelfen wird? Weiterlesen

Für mehr Sommer im Winter

Der Winter kommt. Naja, meteorologisch gesehen ist er angesichts des aktuellen Schneefalls schon längst da. Da muss man sich bekleidungstechnisch so langsam mal ein bisschen anpassen. Eigentlich. Meine große Tochter möchte natürlich weiterhin am liebsten ihre Kleidchen tragen. Mit einem schmalen Shirt unten drunter und einem hübschen Jäckchen obendrüber ist das sogar für mich Frostbeule akzeptabel. Zum Glück gibt es diesen Monat den Aster Cardigan bei Näh-Connection mit 15 Prozent Rabatt. Damit kann man alle Sommerkleidchen mit in den Winter nehmen. Und über Hosen macht er auch eine gute Figur. Weiterlesen

Eine weichgespülte {Coco}

Rosa ist ja so gar nicht meine Farbe. Oder doch? In den letzten ein, zwei Jahren tauchten auf wundersame Weise hin und wieder einzelne rosa bis pinke Teile in meinem Kleiderschrank auf. Wie sind die da bloß hingekommen? Die muss wohl jemand heimlich dort deponiert haben. Oder bin ich etwa selbst dafür verantwortlich? Haben meine Töchter mich weichgespült? Oder liegt es am Alter? Ehrlich gesagt, kann ich es mir nicht erklären, aber ich mag Rosa inzwischen richtig gerne. Und deshalb kommt hier mein Beitrag zu Selmins #12coloursofhandmadefashion. Weiterlesen

Kuscheliges für kleine Elefanten

Es ist Frühling! Endlich! So lange haben wir darauf gewartet und seit gestern ist es endlich soweit. Trotzdem nehme ich Euch heute nochmal mit in die andere Richtung und zeige Euch den kuscheligen Johannes Cardigan, den ich letzten Herbst für unseren Minimann gestrickt habe, als ich mit dem dicken Bauch nicht mehr hinter die Nähmaschine gepasst habe. Vielleicht gibt es ja noch mehr solche Langsamstricker da draußen, wie ich einer bin? Da macht es Sinn, sich jetzt schon einmal mit der Wintergarderobe auseinander zu setzen. Denn der nächste Winter kommt bestimmt… Weiterlesen

Zum Wirbeln und zum Pferdestehlen

Meine große Tochter ist ein ziemlicher Wirbelwind. Klettern, springen, rennen. Höher, schneller, weiter! Und weil Kleider in solchen Fällen nicht gerade vorteilhaft sind, braucht auch eine kleine Prinzessin mal etwas „praktisches“ zum Anziehen. Und so ist diesen Herbst wieder eine neue Sweatjacke nach DEM Jackenschnitt von Klimperklein in ihrem Kleiderschrank eingezogen. Eigentlich ja nichts besonderes, aber das Kind ist trotzdem begeistert. Schließlich habe ich das Jäckchen aus den letzten Stücken ihres geliebten Pferdchen-Stoffs zusammen gepuzzelt. Weiterlesen

Nähen & die Welt retten

Das Nähen hat meine Welt verändert. Es ist für mich vom kreativen Hobby zu einer Lebenseinstellung geworden. Bevor ich etwas kaufe, überlege ich, ob ich es nicht selbst (und besser!) machen kann. Und so entstehen an meiner Nähmaschine mittlerweile Kleidungsstücke, von denen ich mir niemals erträumt hatte, dass ich sie selbst machen könnte. So wie dieser wunderschöne Wind-und-Wetter-Parka von Lotte&Ludwig aus kuscheligem Babycord von Lebenskleidung. Und weil der zu hundert Prozent Bio und GOTS-zertifiziert ist, verändere ich quasi nähend auch ein klitzekleines Stück weit die Welt. Weiterlesen